Pensionsreform in Österreich?
Antrittsalter, Fonds, & Co.
(07.09.2026) Beim Pensionsantrittsalter wird die Debatte in Österreich konkreter. Die NEOS schlagen vor, das gesetzliche Antrittsalter schrittweise auf 67 Jahre bis 2041 anzuheben. Für Männer soll es ab 2030 jedes Jahr um zwei Monate steigen, bei Frauen nach Abschluss der laufenden Angleichung ab 2034 um drei Monate pro Jahr. Wer bereits 45 Jahre gearbeitet und eingezahlt hat, soll weiterhin früher in Pension gehen können.
Stocker will Milliarden-Fonds für Pensionen
Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) will das österreichische Pensionssystem zusätzlich über einen staatlichen Zukunfts- beziehungsweise Generationenfonds absichern. Ein Teil der Dividenden aus Bundesbeteiligungen soll künftig nicht direkt ins Budget fließen, sondern langfristig veranlagt werden.
Im Doppelbudget 2027/28 sind rund 1,4 Milliarden Euro an Dividenden vorgesehen. Davon könnten laut Kanzleramt jährlich etwa 600 bis 800 Millionen Euro in den Fonds fließen. Über mehrere Jahrzehnte soll ein Kapitalstock von rund 100 Milliarden Euro entstehen, der später etwa fünf Milliarden Euro jährlich zur Finanzierung der Pensionen beitragen könnte.
SPÖ fordert konkrete Details
Die SPÖ reagiert zurückhaltend. Man kenne Stockers Modell bisher nicht im Detail, außerdem stehe der Vorschlag nicht im Regierungsprogramm. Offen ist vor allem die Gegenfinanzierung: Werden Dividenden staatlicher Unternehmen in den Fonds umgeleitet, fehlen diese Einnahmen zunächst im laufenden Bundesbudget.
NEOS begrüßen Stockers Vorstoß
Die NEOS sehen in mehreren Vorschlägen Stockers eigene langjährige Forderungen bestätigt. Neben einer stärkeren Kapitaldeckung unterstützen sie auch ein automatisches Pensionssplitting sowie ein sogenanntes Zukunftsdepot für Kinder. Gleichzeitig betonen sie, dass ein Staatsfonds allein nicht ausreiche und weitere Strukturreformen notwendig seien.
Beim Zukunftsdepot sollen Familien für Kinder und Jugendliche steuerlich begünstigt Geld am Kapitalmarkt ansparen können. Zur Diskussion stehen Einzahlungen von bis zu 5.000 Euro pro Kind und Jahr.
ÖGB warnt vor zu viel Kapitalmarkt
Kritik kommt vom Österreichischen Gewerkschaftsbund. Der ÖGB warnt davor, die Pensionen stärker von Börsen und Kapitalmärkten abhängig zu machen. Das bestehende Umlagesystem müsse die zentrale Säule bleiben. Auch das Zukunftsdepot sieht der Gewerkschaftsbund kritisch, weil vor allem Familien profitieren würden, die sich hohe jährliche Sparbeträge überhaupt leisten können.
Wirtschaft und Seniorenbund zeigen sich offen
Aus der Wirtschaft kommt dagegen viel Zustimmung. Vertreter sehen einen professionell verwalteten Staatsfonds als möglichen zusätzlichen Baustein zur langfristigen Absicherung der Pensionen.
Auch der Seniorenbund steht der Idee grundsätzlich positiv gegenüber, bremst aber bei einer pauschalen Erhöhung des Pensionsalters. Entscheidend sei, dass ältere Menschen tatsächlich länger beschäftigt werden können und entsprechende Arbeitsplätze vorhanden sind.
Pensionsreform noch nicht beschlossen
Stockers Fonds und das von den NEOS geforderte Pensionsalter von 67 Jahren sind derzeit keine beschlossene gemeinsame Regierungslinie. Innerhalb der Koalition müssen vor allem Finanzierung, konkrete Ausgestaltung und mögliche weitere Reformschritte noch verhandelt werden.
Fest steht aber: Mit dem NEOS-Vorschlag liegt erstmals ein klarer Zeitraum auf dem Tisch – 67 Jahre für Frauen und Männer im Jahr 2041.