Regierung unter Druck
Schlechte Umfragewerte
(02.09.2026) In ÖVP und SPÖ wächst offenbar die Nervosität. Schlechte Umfragewerte, hohe Inflation und steigende Arbeitslosigkeit setzen die beiden Regierungsparteien unter Druck. Laut einem Bericht der „Kronen Zeitung“ werden deshalb parteiintern bereits mögliche Alternativen zu Vizekanzler Andreas Babler und Bundeskanzler Christian Stocker diskutiert.
Babler unter Druck
Besonders angespannt ist die Lage in der SPÖ. Die „Krone“ berichtet unter Berufung auf Gespräche in der Partei, dass Kritiker Babler nicht mehr zutrauen, die Sozialdemokraten aus dem Umfragetief zu führen. Auch in Teilen der ÖVP werde Babler laut dem Bericht als Belastung für das Image der gesamten Bundesregierung gesehen.
Tatsächlich sind die jüngsten Umfragewerte für die SPÖ schwach. In einer Ende August veröffentlichten Lazarsfeld-Erhebung für oe24 kam die Partei nur noch auf 15 Prozent. Die ÖVP lag bei 22 Prozent, die FPÖ deutlich vorne bei 38 Prozent. Bei der fiktiven Kanzlerfrage erreichte Babler lediglich sieben Prozent.
Auch eine frühere Market-Umfrage für den „Standard“ sah FPÖ, ÖVP und SPÖ weit auseinander: Die FPÖ lag damals ebenfalls bei 38 Prozent, während ÖVP und SPÖ unter der 20-Prozent-Marke lagen.
Gerhard Zeiler als Babler-Nachfolger?
Als prominenteste mögliche Alternative nennt die „Kronen Zeitung“ Gerhard Zeiler. Der 70-Jährige war ORF-Generalintendant, leitete RTL und war später einer der führenden Manager bei Warner Bros. Discovery.
Nach Informationen der „Krone“ habe Zeiler gegenüber Vertrauten signalisiert, grundsätzlich bereit zu sein, die SPÖ zu übernehmen. Der Medienmanager sei derzeit in den Bundesländern unterwegs und lote bei führenden Parteivertretern seine Unterstützung aus.
Allerdings soll Zeiler einen Machtwechsel nur unter klaren Bedingungen in Betracht ziehen. Die „Krone“ schreibt, er würde eine Art weitreichenden Gestaltungsspielraum innerhalb der Partei verlangen. Ein unmittelbarer Wechsel an der SPÖ-Spitze stehe dem Bericht zufolge jedenfalls nicht bevor.
Michael Ludwig könnte entscheidend werden
Eine Schlüsselrolle könnte dabei Wiens Bürgermeister Michael Ludwig spielen. Die Wiener SPÖ ist traditionell einer der mächtigsten Landesverbände der Partei.
Aus Ludwigs Umfeld zitiert die „Krone“ vieldeutig: Sollte es Gespräche geben, würde er darüber nichts sagen – und sollte es keine geben, könne er ebenfalls nichts sagen. Eine öffentliche Unterstützung Zeilers gibt es damit bislang nicht.
Wichtig ist deshalb: Ein organisierter Putsch gegen Babler oder eine bereits fixierte Nachfolge Zeilers ist derzeit nicht bestätigt. Es handelt sich um parteiinterne Überlegungen und Gespräche, über die die „Kronen Zeitung“ berichtet.
Auch Stocker gerät unter Druck
Doch nicht nur die SPÖ diskutiert offenbar über ihre Spitze. Auch innerhalb der ÖVP wächst laut „Krone“ die Nervosität um Bundeskanzler und Parteichef Christian Stocker.
Besonders wichtig sind dabei Niederösterreich, Oberösterreich und Tirol. Dort stehen zwischen Herbst 2027 und Frühjahr 2028 Landtagswahlen bevor. Verluste der ÖVP könnten den Druck auf Stocker weiter erhöhen.
Auch Stockers persönliche Werte sind derzeit schwach. In der aktuellen Lazarsfeld-Kanzlerfrage erreichte der amtierende Bundeskanzler lediglich elf Prozent, während FPÖ-Chef Herbert Kickl auf 34 Prozent kam.
Köstinger als mögliche Stocker-Nachfolgerin
Als überraschende Alternative bringt die „Kronen Zeitung“ Elisabeth Köstinger ins Spiel. Die frühere Landwirtschafts- und Tourismusministerin war eine der engsten politischen Weggefährtinnen von Sebastian Kurz.
Nach Angaben der „Krone“ wird in Teilen der ÖVP ein älteres Szenario wieder diskutiert, wonach Köstinger die Parteiführung übernehmen könnte – entweder im Zuge eines internen Machtwechsels oder nach vorgezogenen Neuwahlen.
Besonders brisant: Laut dem Bericht wird in schwarzen Kreisen sogar über ein Szenario gesprochen, in dem Köstinger unter FPÖ-Chef Herbert Kickl als Vizekanzlerin in eine Regierung eintreten könnte. Für einen solchen Plan gibt es derzeit allerdings weder einen offiziellen Parteibeschluss noch eine öffentliche Zusage Köstingers. Auch innerhalb der ÖVP soll diese Variante keineswegs unumstritten sein.
Noch keine offenen Revolten
Trotz der zugespitzten Situation gilt: Weder Babler noch Stocker sind derzeit offiziell abgewählt oder mit einem formellen Gegenkandidaten konfrontiert.
Was sich verändert hat, ist die Stimmung. Die schwachen Umfragen und bevorstehenden Landtagswahlen führen offenbar dazu, dass in beiden Regierungsparteien zunehmend über Alternativen gesprochen wird.
Die „Kronen Zeitung“ fasst die Lage zugespitzt als parteiinterne Ablöse-Debatte zusammen. Ob daraus tatsächlich ein Führungswechsel bei SPÖ oder ÖVP entsteht, hängt vor allem davon ab, ob sich die Umfragewerte der Regierung in den kommenden Monaten erholen – und ob mächtige Landesorganisationen ihren Parteichefs weiterhin den Rücken stärken.
(fd/krone)