Ruck kämpft gegen Ausschluss

"Verwundert von Kampagne"

(24.07.2026) Die Causa um den Präsidenten der Wiener Wirtschaftskammer, Walter Ruck, spitzt sich weiter zu. Noch bevor der ÖVP-Bundesparteivorstand am Freitagabend über einen möglichen Parteiausschluss beraten soll, meldet sich Ruck mit einem Schreiben zu Wort. Darin zeigt er sich über das Vorgehen der Partei "verwundert", weist sämtliche Vorwürfe zurück und spricht von einer gezielten "Kampagne" gegen seine Person und die Selbstverwaltung der Wirtschaftskammer. An einen Rückzug denkt der WKW-Präsident weiterhin nicht.

Ruck: "Kann die veröffentlichten Aussagen nicht bestätigen"

In seinem Schreiben erklärt Ruck, er habe aus den Medien erfahren, dass der Bundesparteivorstand seinen Ausschluss aus der ÖVP plane. Das überrasche ihn, weil auf Wunsch des Ethikrates ursprünglich ein Gespräch mit der ehemaligen steirischen Landeshauptfrau Waltraud Klasnic für die kommende Woche vereinbart gewesen sei. Dieses Gespräch sei jedoch abgesagt worden. Stattdessen habe er bis Freitagmittag eine schriftliche Erklärung abgeben sollen.

Ruck betont erneut, dass er die veröffentlichten Aussagen nicht bestätigen könne. Dabei handle es sich um nicht verifizierte Zitate aus einer möglicherweise illegal angefertigten Tonaufnahme, deren Echtheit er nicht überprüfen könne. Einen rechtlich relevanten Vorwurf gegen ihn gebe es nicht. Einzelne Aussagen seien zudem bereits öffentlich widerlegt worden.

Kein Rücktritt trotz wachsendem Druck

Ungeachtet der politischen Diskussion stellt Walter Ruck klar, dass er weder als Präsident der Wirtschaftskammer Wien noch als Obmann des Wiener Wirtschaftsbundes zurücktreten werde.

Er werde seine Aufgaben weiterhin "mit vollem Herzblut" für den Wiener Wirtschaftsstandort erfüllen, heißt es in der Stellungnahme.

ÖVP dürfte Parteiausschluss beschließen

Am Freitag beschäftigt sich zunächst der Ethikrat der ÖVP mit der Causa, ehe am Abend der Bundesparteivorstand über einen Parteiausschluss entscheiden soll. Die Sitzung findet online statt, da Bundeskanzler und ÖVP-Obmann Christian Stocker derzeit auf Sommertour in Vorarlberg ist.

Ein Ausschluss aus der ÖVP hätte allerdings nicht automatisch Auswirkungen auf Rucks Funktionen in der Wirtschaftskammer. Die Bundespartei kann ihn zwar aus der Partei ausschließen, nicht jedoch aus dem ÖVP-Wirtschaftsbund. Damit könnte Ruck sowohl Obmann des Wiener Wirtschaftsbundes als auch Präsident der Wirtschaftskammer Wien bleiben. Uneinigkeit besteht allerdings darüber, ob er weiterhin in den Wiener ÖVP-Gremien vertreten sein könnte.

Neue Vorwürfe rund um die Wirtschaftskammer-Wahl

Während die Diskussion über die veröffentlichten Aussagen weiterläuft, sind am Freitag neue Vorwürfe bekannt geworden. Laut Recherchen von profil und Die Presse soll Ruck nach der Wirtschaftskammerwahl 2025 eine Regelung im Wirtschaftskammergesetz genutzt haben, um dem ÖVP-Wirtschaftsbund eine knappe Mehrheit im Wiener Wirtschaftsparlament zu sichern.

Demnach sollen Mandate aus Fachgruppen, in denen der Wirtschaftsbund gemeinsam mit dem Sozialdemokratischen Wirtschaftsverband (SWV) auf einer Liste kandidiert hatte, ausschließlich dem Wirtschaftsbund zugerechnet worden sein. Laut den Berichten sei der SWV während der Einspruchsfrist nicht erreichbar gewesen, wodurch die Mandatsverteilung unverändert blieb.

Ausgelöst wurde die Affäre durch veröffentlichte Gesprächsprotokolle aus einem privaten Treffen. Darin soll Ruck unter anderem über seinen Einfluss auf ÖVP-Listenerstellungen gesprochen sowie sich abfällig über Parteifreunde, Vertreter der Industrie und Frauen geäußert haben. Die Echtheit dieser Aussagen bestreitet Ruck weiterhin. Mit den nun zusätzlich erhobenen Vorwürfen rund um die Wirtschaftskammerwahl gewinnt die Causa weiter an Brisanz. Ob der ÖVP-Bundesparteivorstand tatsächlich den Parteiausschluss beschließt, dürfte sich noch am Freitagabend entscheiden.

(fd/apa)

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