Russell Brand schuldig
Vergewaltigungs-Prozess
(06.11.2026) Der britische Komiker und Schauspieler Russell Brand ist wegen Vergewaltigung und drei sexuellen Übergriffen schuldig gesprochen worden. Eine Jury am Southwark Crown Court in London fällte am Donnerstag nach einem rund vierwöchigen Prozess ihr Urteil. Der 51-Jährige wurde unmittelbar danach in Untersuchungshaft genommen. Wie lange Brand ins Gefängnis muss, soll am Montag, 9. November, bekannt gegeben werden.
Vier Schuldsprüche, drei Freisprüche
Brand musste sich insgesamt wegen sieben Vorwürfen verantworten, die sechs verschiedene Frauen betrafen. Die Jury sprach ihn in einem Fall der Vergewaltigung und in drei Fällen sexueller Übergriffe schuldig. Von zwei weiteren Vergewaltigungsvorwürfen sowie einem Vorwurf der versuchten sexuellen Nötigung wurde er freigesprochen.
Richter Joel Bennathan machte bereits nach der Entscheidung deutlich, dass Brand mit einer erheblichen Haftstrafe rechnen müsse. Ein Antrag der Verteidigung, ihn bis zur Strafmaßverkündung auf freiem Fuß zu lassen, wurde abgelehnt. Brand wurde noch aus dem Gerichtssaal in Gewahrsam gebracht.
Vergewaltigung einer 21-jährigen Frau im Jahr 2009
Der schwerste Schuldspruch betrifft eine damals 21 Jahre alte Frau, die Brand 2009 bei einer seiner Stand-up-Shows im Londoner Hammersmith Apollo kennengelernt hatte. Die Jury kam nach Anhörung der Beweise zu dem Ergebnis, dass Brand die Frau vergewaltigt hatte.
In einem weiteren Fall aus dem Jahr 2009 wurde Brand wegen eines sexuellen Übergriffs auf eine Mitarbeiterin des Fernsehsenders Channel 4 verurteilt. Nach Darstellung der Anklage hatte sich der Vorfall im Zusammenhang mit einer erzwungenen Massage ereignet.
Weitere Übergriffe bei MTV und Radiosender
Auch zwei frühere Vorfälle führten zu Schuldsprüchen. Im Jahr 2004 soll Brand während einer Party in einer Londoner Bar eine MTV-Mitarbeiterin sexuell angefasst haben. Von dem zusätzlichen Vorwurf, die Frau anschließend in einer Toilette vergewaltigt zu haben, wurde er allerdings freigesprochen.
Ein Jahr später kam es laut Jury zu einem weiteren sexuellen Übergriff auf eine Mitarbeiterin des Radiosenders Capital Radio. Auch in diesem Fall folgte die Jury der Darstellung der betroffenen Frau und sprach Brand schuldig.
Staatsanwaltschaft: Ruhm für sexuelle Übergriffe ausgenutzt
Die Staatsanwaltschaft zeichnete während des Prozesses ein äußerst negatives Bild des früheren TV-Stars. Brand sei berechnend, manipulativ und rücksichtslos gewesen und habe seine zunehmende Berühmtheit genutzt, um Zugang zu Frauen zu bekommen.
Die Anklage argumentierte, für Brand habe damals vor allem sein eigenes sexuelles Verlangen im Mittelpunkt gestanden. Zustimmung und Gefühle der Frauen seien für ihn zweitrangig gewesen. Die britische Staatsanwaltschaft bezeichnete die Taten nach dem Schuldspruch als Missbrauch von Macht und Berühmtheit.
Brand bestritt sämtliche Vorwürfe
Russell Brand hatte sämtliche Anschuldigungen zurückgewiesen. Er erklärte vor Gericht, die Begegnungen seien entweder einvernehmlich gewesen oder später falsch dargestellt beziehungsweise ausgeschmückt worden.
Brand räumte gleichzeitig ein, in früheren Jahren ein äußerst promiskuitives Leben geführt und seine Bekanntheit für zahlreiche sexuelle Kontakte genutzt zu haben. Er betonte jedoch, niemals eine Frau zu Sex gezwungen zu haben und Zustimmung für ihn immer entscheidend gewesen sei.
Auch seine Ehefrau Laura Brand sagte während des Prozesses aus und unterstützte ihren Mann.
Brand reagiert nahezu emotionslos auf Urteil
Als der Schuldspruch wegen Vergewaltigung verlesen wurde, soll Brand kurz die Augen geschlossen haben. Ansonsten zeigte er während der Verkündung der sieben Entscheidungen kaum sichtbare Reaktion.
Seine Verteidigung bat anschließend darum, Brand zumindest bis Montag zu seinen Kindern zurückkehren zu lassen. Richter Bennathan lehnte dies jedoch ab und verwies auf die Schwere der Verurteilungen sowie die zu erwartende Haftstrafe.
Damit verbringt Brand die Tage bis zur Strafmaßverkündung bereits hinter Gittern.
Durchbruch als TV-Star und Hollywood-Schauspieler
Russell Brand gehörte zeitweise zu den bekanntesten britischen Entertainern. Bekannt wurde er zunächst als provokanter Stand-up-Comedian sowie Moderator bei MTV und BBC. Später gelang ihm der Sprung nach Hollywood.
Er spielte unter anderem in „Nie wieder Sex mit der Ex“, „Männertrip“ und „Arthur“. Mit seinem exzentrischen Auftreten, langen Haaren und provokanten Interviews entwickelte er sich in den 2000er-Jahren zu einer international bekannten Persönlichkeit.
14 Monate mit Katy Perry verheiratet
Auch Brands Privatleben sorgte regelmäßig für Schlagzeilen. 2010 heiratete er US-Popstar Katy Perry. Die Ehe hielt allerdings nur rund 14 Monate, bevor Brand Ende 2011 die Scheidung einreichte.
Perry ist an dem aktuellen Strafverfahren nicht beteiligt. Die jetzt verhandelten Taten sollen sich zwischen 1999 und 2009 und damit vor der Ehe ereignet haben.
Vorwürfe wurden 2023 öffentlich
Der Fall nahm 2023 Fahrt auf, nachdem britische Medien und eine Fernsehdokumentation schwere Anschuldigungen gegen Brand veröffentlicht hatten. Daraufhin meldeten sich weitere Frauen bei der Polizei.
Die sechs Frauen im nun abgeschlossenen Prozess kannten sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft nicht und wandten sich unabhängig voneinander an die Ermittler. Den Betroffenen steht nach britischem Recht lebenslange Anonymität zu.
Die Metropolitan Police führte anschließend eine umfangreiche Untersuchung durch. Mehr als 100 Zeugen wurden befragt und Tausende Dokumente ausgewertet.
Weitere Ermittlungen gegen Brand laufen
Mit dem aktuellen Urteil ist die juristische Aufarbeitung für Brand möglicherweise noch nicht beendet. Die Londoner Polizei bestätigte nach dem Schuldspruch, dass zwei weitere Vergewaltigungsvorwürfe gegen ihn weiterhin untersucht werden.
Brand wurde in diesem Zusammenhang bereits von Ermittlern befragt. Die entsprechenden Akten wurden der britischen Staatsanwaltschaft übermittelt. Dabei handelt es sich um eigenständige Vorwürfe, über die bislang kein Gericht entschieden hat.
Strafmaß wird am Montag verkündet
Entscheidend wird nun der kommende Montag. Dann legt Richter Joel Bennathan fest, wie lange Russell Brand tatsächlich ins Gefängnis muss. Bereits unmittelbar nach den Schuldsprüchen machte der Richter klar, dass eine längere Freiheitsstrafe unausweichlich sei.
Damit steht einer der bekanntesten britischen Entertainer der vergangenen zwei Jahrzehnte vor einem tiefen Fall: vom gefeierten TV-Star und Hollywood-Schauspieler zum wegen Vergewaltigung und sexueller Übergriffe verurteilten Straftäter.
(fd/apa)