Sprit-Schock in Österreich?

EEG-V: Diesel 95 Cent teurer?

(20.10.2026) Kommt auf Österreichs Autofahrer die nächste massive Teuerung zu? Eine neue Studie im Auftrag der Wirtschaftskammer warnt vor drastisch steigenden Spritpreisen. Durch ein geplantes Gesetz könnte Diesel bis 2035 um bis zu 95 Cent pro Liter teurer werden, Benzin um bis zu 86 Cent. Damit würde der Dieselpreis laut Berechnung auf rund drei Euro pro Liter steigen. Das Verkehrsministerium widerspricht allerdings und bezeichnet die prognostizierten Preissteigerungen als massiv überhöht.

Diesel um 95 Cent, Benzin um 86 Cent teurer?

Die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) schlägt Alarm. Wie die Kronen Zeitung am Dienstag, 20. Oktober 2026, berichtet, warnt die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) vor massiven Spritpreiserhöhungen durch das geplante Erneuerbaren-Energien-Gesetz Verkehr (EEG-V).

Eine neue Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts Economica kommt zu dem Ergebnis, dass sich Diesel bis 2035 um bis zu 95 Cent pro Liter und Benzin um bis zu 86 Cent pro Liter verteuern könnte. Die Berechnung bezieht sich auf die möglichen zusätzlichen Kosten gegenüber einem europäischen Referenzszenario.

Damit könnte der Dieselpreis laut Studie auf rund drei Euro pro Liter steigen. Die Preise sind allerdings eine Prognose für 2035 und keine bereits beschlossene Erhöhung.

Bis zu 47,50 Euro mehr für eine Tankfüllung

Für Autofahrer könnten die prognostizierten Mehrkosten erhebliche Auswirkungen haben. Bei einer 50-Liter-Tankfüllung Diesel würde der errechnete Aufschlag von 95 Cent zusätzliche 47,50 Euro ausmachen. Bei Benzin wären es 43 Euro mehr pro Tankfüllung.

Wer monatlich insgesamt 200 Liter Diesel verbraucht, müsste nach diesem Szenario 190 Euro zusätzlich im Monat bezahlen. Auf ein Jahr gerechnet wären das 2.280 Euro Mehrkosten.

Diese Beträge sind Rechenbeispiele auf Basis der Economica-Prognose. Wie sich die tatsächlichen Spritpreise bis 2035 entwickeln, hängt von zahlreichen Faktoren ab, darunter Ölpreise, Steuern und der weitere Ausbau erneuerbarer Energien.

Warum könnte das Tanken so viel teurer werden?

Hinter den Berechnungen steckt das geplante Erneuerbaren-Energien-Gesetz Verkehr, mit dem Österreich die Verwendung klimafreundlicher Energie im Verkehrssektor ausbauen will.

Nach dem derzeitigen Entwurf soll der Anteil erneuerbarer Energie im Verkehr schrittweise steigen: auf 18 Prozent im Jahr 2027, 35 Prozent 2030 und 65 Prozent bis 2035. Dabei werden unter anderem nachhaltige Kraftstoffe und die Elektromobilität berücksichtigt.

Die Wirtschaftskammer kritisiert, dass Österreich seine Klimaziele schneller erreichen will als die Europäische Union. Während die EU bis 2050 klimaneutral werden möchte, strebt Österreich dieses Ziel bereits für 2040 an.

Aus Sicht der WKÖ könnte dieser schnellere Zeitplan zusätzliche Kosten für Betriebe und Verbraucher verursachen.

Auch Lebensmittel könnten teurer werden

Laut Economica könnten die Auswirkungen weit über die Tankstellen hinausgehen. Höhere Treibstoffkosten würden unter anderem Transportunternehmen, Lieferdienste, Landwirtschaft und Industrie treffen.

Die Wirtschaftskammer rechnet mit einer zusätzlichen Belastung der heimischen Unternehmen von rund 2,2 Milliarden Euro jährlich im Jahr 2035. Ein Teil dieser Kosten könnte über höhere Preise für Waren und Dienstleistungen an die Konsumenten weitergegeben werden.

Die Studie prognostiziert außerdem einen Rückgang der Reallöhne um 0,56 Prozent und einen negativen Effekt auf das Bruttoinlandsprodukt von 0,3 Prozent. Haushalte mit niedrigeren Einkommen könnten laut Berechnung besonders stark betroffen sein.

Verkehrsministerium widerspricht

Das zuständige Verkehrsministerium unter Peter Hanke (SPÖ) weist die dramatischen Berechnungen zurück. Gegenüber der Kronen Zeitung bezeichnete das Ministerium die prognostizierten Preissteigerungen als „massiv überhöht“.

Österreich müsse europäische Klimavorgaben umsetzen. Um die tatsächlichen wirtschaftlichen Auswirkungen besser beurteilen zu können, hat das Ministerium eine eigene Untersuchung bei der Österreichischen Energieagentur beauftragt.

Damit stehen sich derzeit zwei unterschiedliche Einschätzungen gegenüber. Während die WKÖ vor erheblichen Mehrkosten warnt, hält das Ministerium die angenommenen Preissteigerungen für unrealistisch hoch.

Regierung senkt Spritpreise – und plant neue Vorgaben

Besonders brisant ist der Zeitpunkt der Debatte. Erst Anfang Oktober hat die Bundesregierung ihre Spritpreisbremse ausgeweitet, um Autofahrer angesichts der hohen Treibstoffpreise zu entlasten.

Durch eine Senkung der Mineralölsteuer und die Begrenzung bestimmter Gewinnmargen sollen Benzin und Diesel vorübergehend um insgesamt rund zwölf Cent pro Liter günstiger werden.

WKÖ-Generalsekretär Jochen Danninger kritisiert diesen Widerspruch: Einerseits versucht die Politik, die Spritpreise kurzfristig zu senken, andererseits könnten durch neue gesetzliche Vorgaben langfristig zusätzliche Kosten entstehen.

Ist die Spritpreiserhöhung bereits beschlossen?

Nein. Das Erneuerbaren-Energien-Gesetz Verkehr befindet sich derzeit noch in der politischen Abstimmung innerhalb der Bundesregierung. Eine Begutachtung des Gesetzesentwurfs ist für Herbst 2026 vorgesehen.

Auch eine konkrete Erhöhung von 95 Cent bei Diesel oder 86 Cent bei Benzin ist nicht beschlossen. Die Zahlen stammen aus einem wirtschaftlichen Szenario für das Jahr 2035.

Fest steht jedoch: Die Frage, wie Österreich seine Klimaziele erreicht und welche Kosten dadurch für Autofahrer und Betriebe entstehen, dürfte in den kommenden Monaten noch für intensive politische Diskussionen sorgen.

(fd/krone)

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