"Tax the Rich"

Forderung nach Erbschaftssteuer

(07.05.2026) Mit einer Kundgebung vor dem Bundeskanzleramt in Wien haben zahlreiche Organisationen am Donnerstag erneut eine Erbschafts- und Schenkungssteuer gefordert. Insgesamt unterstützen mittlerweile 59 Organisationen eine entsprechende Resolution.

Zu den Unterstützern zählen unter anderem:

  • die Arbeiterkammer (AK)
  • der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB)
  • die Gewerkschaft GPA
  • die Volkshilfe
  • mehrere Sozial- und Umweltorganisationen

Die Resolution wurde an den Generalsekretär im Bundeskanzleramt, Andreas Grad, übergeben.

„Wir können uns euren Superreichtum nicht leisten“

Besonders deutliche Worte fand Volkshilfe-Geschäftsführer Erich Fenninger bei der Kundgebung.

„Wir können uns euren Superreichtum nicht leisten“, sagte Fenninger mit Blick auf die Vermögensverteilung in Österreich.

In der gemeinsamen Resolution argumentieren die Organisationen, dass Vermögen in Österreich besonders ungleich verteilt sei.

Reichstes Prozent besitzt 40 Prozent des Vermögens

Laut Resolution besitzt das reichste Prozent der Bevölkerung rund 40 Prozent des gesamten Vermögens in Österreich. Außerdem würden die drei reichsten Familien des Landes zusammen mehr Vermögen besitzen als die ärmere Hälfte der Bevölkerung.

Die Organisationen fordern deshalb die Wiedereinführung der 2008 abgeschafften Erbschaftssteuer.

Österreich bei Vermögenssteuern Schlusslicht

Die Initiatoren verweisen zudem auf internationale Vergleiche innerhalb der OECD-Staaten.

Demnach liegt der Anteil vermögensbezogener Steuern in Österreich bei unter einem Prozent des gesamten Steueraufkommens.

Zum Vergleich:

  • Frankreich: 7,8 Prozent
  • Großbritannien: 10,9 Prozent
  • Schweiz: 7,6 Prozent

Im OECD-Durchschnitt seien vermögensbezogene Steuern etwa fünfmal höher als in Österreich.

Milliardenpotenzial für den Staat

Die Unterstützer der Initiative rechnen vor, dass eine Anhebung vermögensbezogener Steuern auf OECD-Niveau dem Staat jährlich acht bis neun Milliarden Euro zusätzlich bringen könnte.

Das Geld könnte laut den Organisationen unter anderem für:

  • Pflege
  • Gesundheit
  • Klimaschutz
  • soziale Absicherung

verwendet werden.

AK und ÖGB verlangen „fairen Beitrag“ der Reichen

AK-Chefökonom Mathias Schnetzer kritisierte, dass besonders Vermögende bislang kaum zur Budgetsanierung beitragen müssten.

„Während die Ärmsten in die saure Zitrone beißen, sind es die Superreichen, die die Zitronen in ihren Cocktails haben“, sagte Schnetzer.

Auch ÖGB-Bundesgeschäftsführerin Helene Schuberth sprach sich für eine Erbschaftssteuer mit hohen Freibeträgen und progressiven Steuersätzen aus.

Unterstützung von den Grünen

Rückendeckung kommt auch von den Grünen. Budgetsprecher Jakob Schwarz sprach von einem „starken Signal“.

Die Forderung nach einer stärkeren Besteuerung großer Vermögen sei längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen, erklärte Schwarz.

Wirtschaftsbund und Industrie klar dagegen

Deutliche Ablehnung kommt hingegen von Wirtschaftsbund und Industriellenvereinigung.

Wirtschaftsbund-Generalsekretärin Tanja Graf erklärte:

„Mit uns wird es keine Vermögens- oder Erbschaftssteuern geben.“

Auch die Industriellenvereinigung warnte vor zusätzlichen Belastungen für Unternehmen, Familienbetriebe und Eigentümer.

IV-Generalsekretär Christoph Neumayer betonte, Österreich brauche mehr Wettbewerbsfähigkeit und Investitionen – nicht neue Steuern.

(fd/apa)

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