Teilzeit-Streit in Österreich

Stundenerhöhung, Pflicht?

(13.05.2026) Die Debatte um Teilzeit in Österreich nimmt weiter Fahrt auf. Sozialministerin Korinna Schumann (SPÖ) will einen gesetzlich verankerten Anspruch auf Stundenerhöhung für Teilzeitbeschäftigte einführen. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sollen künftig ihre Arbeitszeit leichter aufstocken können – sofern keine zwingenden betrieblichen Gründe dagegen sprechen Jetzt melden sich die Arbeitgeber der privaten Sozial- und Gesundheitsbranche zu Wort. Sie begrüßen den Vorstoß grundsätzlich, warnen aber vor einer „starren gesetzlichen Regelung“.

Arbeitgeber fordern Lösung über Kollektivverträge

Der Interessenverband der Arbeitgeberverbände der Freien Wohlfahrt (IAFW) spricht sich dafür aus, mögliche Regelungen weiterhin über Kollektivverträge zu lösen. Laut Verband funktioniere dieses Modell bereits seit Jahren in vielen Bereichen der Sozialwirtschaft.

„Wir unterstützen das Ziel, Teilzeitbeschäftigten bessere Möglichkeiten zur Erhöhung ihrer Arbeitszeit zu geben“, erklärte Alexander Bodmann, Mitglied im IAFW und Vizepräsident der Caritas Österreich. Eine starre gesetzliche Vorgabe werde jedoch den unterschiedlichen Anforderungen der einzelnen Branchen nicht gerecht. Gerade im Sozial- und Gesundheitsbereich seien flexible Lösungen notwendig.

Sozialbranche verweist auf besondere Herausforderungen

Nach Angaben des IAFW hängen Arbeitszeiten in der Sozialwirtschaft oft von mehreren Faktoren ab:

  • Bedürfnissen von Klienten und Klientinnen
  • regionalen Rahmenbedingungen
  • Finanzierungsvorgaben
  • personellen Ressourcen

Yvonne Hochsteiner, Vorsitzende des IAFW, betonte, dass der Wunsch nach mehr Arbeitsstunden in der Branche bereits vielfach umgesetzt werde.

„In der Sozialwirtschaft ist der Wunsch vieler Mitarbeiter:innen nach einer Aufstockung ihrer Arbeitszeit seit Jahren gelebte Praxis“, sagte Hochsteiner.

Der Verband verweist darauf, dass entsprechende Regelungen bereits in mehreren Kollektivverträgen enthalten seien.

Gewerkschaft GPA unterstützt Schumann-Vorschlag

Rückendeckung bekommt Sozialministerin Schumann dagegen von der Gewerkschaft GPA. Dort begrüßt man den geplanten Rechtsanspruch ausdrücklich.

Die GPA argumentiert, dass viele Teilzeitkräfte ohnehin regelmäßig mehr arbeiten würden als ursprünglich vereinbart. Ein klar geregelter Anspruch auf mehr Stunden würde deshalb vor allem mehr Planbarkeit und Sicherheit schaffen.

„Immer nur Teilzeit zu verteufeln, bringt niemandem etwas“, erklärte GPA-Vorsitzende Barbara Teiber. „Ein Recht auf Aufstocken der Arbeitszeit würde mehr Vollzeitarbeit ermöglichen.“

Nach Angaben der Gewerkschaft gebe es bereits erfolgreiche Modelle in Branchen wie:

  • Handel
  • Sozialwirtschaft
  • Gesundheitsbereich

Kinderbetreuung bleibt zentraler Punkt

Die Gewerkschaft sieht allerdings noch einen weiteren entscheidenden Faktor: den Ausbau der Kinderbetreuung.

Viele Menschen könnten laut GPA nur deshalb nicht Vollzeit arbeiten, weil passende Betreuungsangebote fehlen würden. Barbara Teiber fordert deshalb:

  • ganztägige Betreuung
  • ganzjährige Angebote
  • hochwertige Kinderbetreuung

Vor allem Frauen seien häufig von unfreiwilliger Teilzeit betroffen.

Arbeitgeber pochen auf Mitsprache bei Gesetzesänderung

Der IAFW fordert außerdem eine stärkere Einbindung in den politischen Entscheidungsprozess. Der Verband kritisiert, dass der private Sozial- und Gesundheitsbereich nicht von der Wirtschaftskammer vertreten werde.

Dadurch fehle bei Gesetzesvorhaben oft die Expertise einer Branche mit mehr als 161.000 Beschäftigten – überwiegend Frauen.

„Sollten gesetzliche Änderungen vorbereitet werden, ist es essenziell, die Expertise des IAFW als Sozialpartner zu nutzen“, betonte Hochsteiner.

Schumann will Thema in Budgetverhandlungen einbringen

Sozialministerin Korinna Schumann hatte bereits vergangene Woche angekündigt, das Thema aktiv in die Bundesregierung und die laufenden Budgetverhandlungen einzubringen.

Geplant ist laut Ministerium ein gesetzlicher Anspruch auf Stundenerhöhung für Teilzeitkräfte, wenn:

  • Beschäftigte mehr arbeiten möchten
  • betriebliche Gründe nicht dagegensprechen
  • freie Stunden verfügbar sind

Die Diskussion dürfte in den kommenden Wochen weiter an Dynamik gewinnen – vor allem angesichts des Fachkräftemangels und der anhaltenden Teilzeit-Debatte in Österreich.

(fd/apa)

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