Ukraine im „Überlebensmodus“
Selenskyj und Klitschko streiten
(14.10.2026) Die Lage in der Ukraine spitzt sich weiter zu: Nach schweren russischen Raketenangriffen auf Kiew wächst die Angst vor einem Winter ohne Strom, Wasser und Heizung. Mindestens drei Menschen wurden bei den jüngsten Angriffen in der ukrainischen Hauptstadt getötet, mehr als 20 weitere verletzt. Gleichzeitig ist ein öffentlicher Streit zwischen Präsident Wolodymyr Selenskyj und Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko ausgebrochen. Zusätzliche Sorgen bereiten Einschränkungen beim Satellitendienst Starlink, die bereits ukrainische Militäreinsätze beeinträchtigt haben.
Russische Raketen treffen Wohnhaus und Kraftwerke in Kiew
In der Nacht auf Mittwoch, den 14. Oktober 2026, wurde die ukrainische Hauptstadt erneut von schweren russischen Angriffen erschüttert. Ballistische Raketen trafen unter anderem ein neunstöckiges Wohngebäude im Stadtteil Desnjanskyj, in dem ein Feuer ausbrach.
Bei dem Angriff auf das Wohnhaus kamen zwei Menschen ums Leben. Mehr als 20 weitere Personen wurden verletzt, darunter auch ein achtjähriges Kind. Zahlreiche Bewohner mussten aus ihren Wohnungen evakuiert werden. In einem weiteren Stadtteil wurde bei einem Angriff auf ein Gebäude ein zusätzlicher Mensch getötet.
Auch die Energieversorgung der Hauptstadt wurde massiv getroffen. Besonders das Heizkraftwerk CHP-4 stand nach Angaben der ukrainischen Regierung im Visier der russischen Streitkräfte. Die Angriffe führten zu neuen Stromausfällen und erheblichen Einschränkungen der Versorgung.
Selenskyj kritisiert fehlende Warnungen der USA
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erhebt nach den jüngsten Angriffen schwere Vorwürfe gegen internationale Partner. Die Ukraine habe erneut keine rechtzeitige Warnung vor den anfliegenden russischen Raketen erhalten.
Nach Angaben der ukrainischen Führung wurden die Geschosse teilweise erst kurz vor ihrem Einschlag durch eigene Radarsysteme erfasst. Dadurch blieb den Menschen in den betroffenen Gebieten kaum Zeit, sich in Sicherheit zu bringen.
Die Ukraine ist bei der Frühwarnung vor ballistischen Raketen stark auf Aufklärungsdaten der USA und anderer westlicher Staaten angewiesen. Ob und warum entsprechende Warnungen diesmal ausblieben, ist nicht abschließend geklärt.
Zusätzlich leidet die ukrainische Luftverteidigung unter einem Mangel an Abfangraketen für das Patriot-System, das insbesondere gegen ballistische Raketen eingesetzt wird.
Öffentlicher Streit zwischen Selenskyj und Klitschko eskaliert
Während Russland seine Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur fortsetzt, wächst auch der politische Druck innerhalb der Ukraine. Zwischen Präsident Selenskyj und Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko ist ein offener Streit über die Vorbereitung auf den bevorstehenden Winter ausgebrochen.
Selenskyj wirft der Stadtverwaltung vor, die Hauptstadt nicht ausreichend gegen Angriffe auf Strom-, Wasser- und Heizungsanlagen geschützt zu haben.
Nach Beratungen über die landesweiten Wintervorbereitungen kritisierte er, dass die Umsetzung der Notfallpläne in Kiew hinter jener anderer Regionen zurückliege. Selbst Gebiete nahe der Front seien teilweise besser vorbereitet.
Als Beispiel nannte der Präsident die wiederholten großflächigen Versorgungsstörungen, die bereits durch einzelne russische Drohnentreffer ausgelöst würden.
Klitschko weist Vorwürfe zurück
Vitali Klitschko reagierte mit deutlicher Kritik auf die Aussagen des Präsidenten. Der ehemalige Boxweltmeister, der seit 2014 Bürgermeister von Kiew ist, bezeichnete die Vorwürfe als unbegründet.
Seine Stadtverwaltung unternehme unter den schwierigen Kriegsbedingungen alles, was mit den verfügbaren Mitteln möglich sei, um die Versorgung der Bevölkerung aufrechtzuerhalten.
Klitschko sieht hinter den Angriffen auf seine Amtsführung auch politische Motive. Er wirft seinem politischen Rivalen vor, ihn aus der Führung der Hauptstadt verdrängen zu wollen.
Damit wird ein seit Jahren bestehender Konflikt zwischen den beiden bekanntesten politischen Persönlichkeiten der Ukraine in einer besonders kritischen Phase erneut öffentlich ausgetragen.
Kiew bereitet sich auf Winter im „Überlebensmodus“ vor
Besonders groß ist die Sorge vor den kommenden Wintermonaten. Die wiederholten Angriffe auf Heizkraftwerke, Umspannwerke und Stromleitungen haben die ukrainische Energieversorgung bereits erheblich geschwächt.
Klitschko warnt, dass sich die Hauptstadt auf einen Winter im „Überlebensmodus“ einstellen müsse. Damit meint er die Möglichkeit längerer Stromausfälle, unterbrochener Wasserversorgung und eingeschränkter Heizleistungen.
Bereits im vergangenen Winter hatten massive russische Angriffe in Verbindung mit extremer Kälte zu langen Ausfällen geführt. Manche Haushalte mussten über Tage oder Wochen ohne verlässliche Heizung und Stromversorgung auskommen.
Die Stadt bereitet deshalb Notfallmaßnahmen vor. Dennoch bleibt die Frage offen, ob die vorhandenen Schutzvorkehrungen ausreichen, falls Russland seine Angriffe auf die Energieinfrastruktur weiter verstärkt.
SpaceX schränkt Starlink ein
Zusätzliche Probleme gibt es beim Satellitenkommunikationsdienst Starlink des US-Unternehmens SpaceX von Elon Musk.
Nach Angaben des ukrainischen Präsidentenberaters Serhij Beskrestnow wurden in der Nacht auf Mittwoch überraschend neue Geschwindigkeitsbeschränkungen für die militärische Version Starshield eingeführt.
Demnach kann die Verbindung bei beweglichen Terminals abbrechen, wenn diese mit mehr als 160 Kilometern pro Stunde unterwegs sind. Besonders betroffen sind Drohnen, die den Dienst für Kommunikation und Steuerung benötigen.
Die ukrainischen Streitkräfte seien über die Änderung nicht vorab informiert worden. Laut Beskrestnow wurden dadurch bereits mehrere militärische Missionen unterbrochen.
Ob die Entscheidung technische oder politische Gründe hat, ist bislang nicht bestätigt. Von SpaceX lag zunächst keine öffentliche Erklärung zu den konkreten Vorwürfen vor.
Streit um Trumps angekündigte Energie-Waffenruhe
Auch diplomatisch verschärft sich die Situation. US-Präsident Donald Trump hatte eine angebliche Energie-Waffenruhe zwischen Russland und der Ukraine angekündigt. Demnach sollten Angriffe auf Kraftwerke, Stromnetze und andere Energieanlagen eingestellt werden.
Während die Ukraine ihre Bereitschaft zu einer entsprechenden Vereinbarung erklärte, bestätigte der Kreml keine verbindliche Einigung. Die russischen Angriffe auf ukrainische Energieanlagen gingen weiter.
Selenskyj kritisiert deshalb, dass sich Russland offenbar nicht an die von Trump angekündigte Waffenruhe gebunden fühle. Aus seiner Sicht zeigen die jüngsten Angriffe, dass Moskau den amerikanischen Ankündigungen keine ausreichende Bedeutung beimisst.
Ukraine fürchtet weitere Angriffe auf Strom und Heizung
Die jüngsten Ereignisse zeigen, wie stark der Druck auf die Ukraine derzeit wächst. Neben den anhaltenden russischen Angriffen erschweren fehlende Luftabwehrmunition, mögliche Einschränkungen westlicher Unterstützung und Probleme bei der Satellitenkommunikation die Verteidigung.
Gleichzeitig muss die Regierung die Energieversorgung von Millionen Menschen für die bevorstehenden kalten Monate absichern.
Der öffentliche Konflikt zwischen Selenskyj und Klitschko verschärft die ohnehin angespannte Situation zusätzlich. Beide stehen nun unter Druck, die Hauptstadt trotz der wiederholten Angriffe auf einen möglicherweise besonders schwierigen Winter vorzubereiten.
Während Russland weiter ukrainische Kraftwerke und Wohngebäude angreift, wächst in Kiew die Sorge, dass Strom, Wasser und Heizung im kommenden Winter erneut über längere Zeit ausfallen könnten.
(fd/apa)