VBG: Pensionist verprügelt!

Burschen (13): 300 Straftaten!

(21.10.2026) Ein brutaler Raubüberfall in Dornbirn sorgt für Entsetzen: Zwei erst 13-jährige Burschen sollen einen 72-jährigen Pensionisten von hinten angegriffen, bewusstlos geprügelt und selbst dann noch gegen seinen Kopf getreten haben, als er bereits wehrlos am Boden lag. Anschließend sollen sie dem schwer verletzten Mann die Geldbörse gestohlen haben. Besonders brisant: Laut Polizei stehen die beiden Jugendlichen allein in diesem Jahr gemeinsam in mehr als 300 Straftaten unter Verdacht. Weil sie noch nicht strafmündig sind, können sie für die Taten nicht strafrechtlich verurteilt werden.

Pensionist mitten in der Nacht brutal überfallen

Die Attacke ereignete sich in der Nacht auf Dienstag, 20. Oktober 2026, gegen 1.16 Uhr im Stadtgebiet von Dornbirn in Vorarlberg. Nach Angaben der Polizei war der 72-jährige Mann zu Fuß unterwegs, als ihn zwei Jugendliche verfolgten und sich von hinten näherten. Ohne Vorwarnung sollen sie den Pensionisten angegriffen und mehrfach mit Fäusten und Füßen gegen seinen Kopf und Oberkörper geschlagen beziehungsweise getreten haben.

Besonders schwer wiegt der weitere Ablauf: Selbst als der Mann bereits wehrlos und vermutlich bewusstlos auf dem Boden lag, soll einer der beiden Angreifer noch mehrfach gegen seinen Kopf getreten haben. Danach sollen die Jugendlichen dem schwer verletzten Opfer die Geldbörse aus der Hosentasche gezogen haben, bevor sie zu Fuß flüchteten. Der Pensionist musste nach der Erstversorgung mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus Dornbirn gebracht werden. Genauere Informationen zu seinem aktuellen Gesundheitszustand wurden zunächst nicht veröffentlicht.

Polizei identifiziert zwei erst 13-jährige Verdächtige

Unmittelbar nach dem Überfall leitete die Polizei eine umfangreiche Fahndung ein. Beamte der Stadtpolizei Dornbirn kontrollierten dabei mehrere Jugendliche und fertigten Lichtbilder an. Bei der anschließenden Auswertung der Spuren konnten laut Polizei zwei der kontrollierten Burschen eindeutig als Tatverdächtige identifiziert werden.

Bei ihnen handelt es sich um zwei 13-Jährige, die den Behörden bereits wegen zahlreicher Vermögens- und Gewaltdelikte bekannt sind. Nach Polizeiangaben besitzt einer die syrische Staatsbürgerschaft, der andere ist ein in Österreich geborener deutscher Staatsbürger. Entscheidend für die strafrechtliche Behandlung ist jedoch nicht ihre Staatsangehörigkeit, sondern ihr Alter: Beide sind nach österreichischem Recht noch strafunmündig.

Schon mehr als 300 Straftaten in diesem Jahr?

Für besonders große Aufregung sorgt die polizeiliche Vorgeschichte der beiden Jugendlichen. Laut Landespolizeidirektion Vorarlberg werden sie als mutmaßliche Intensivtäter geführt und stehen allein im Jahr 2026 gemeinsam mit mehr als 300 strafrechtlich relevanten Fällen in Verbindung. Darunter sollen sich sowohl Eigentums- als auch Gewaltdelikte befinden.

Die außergewöhnlich hohe Zahl bedeutet allerdings nicht, dass die Jugendlichen bereits wegen 300 Straftaten verurteilt wurden. Es handelt sich um Fälle, bei denen die Polizei sie als tatverdächtig führt. Aufgrund ihrer Strafunmündigkeit konnten die beiden bislang weder strafrechtlich angeklagt noch zu einer Freiheitsstrafe verurteilt werden. Auch eine Untersuchungshaft ist für sie nicht möglich.

Warum müssen die Teenager nicht ins Gefängnis?

In Österreich beginnt die Strafmündigkeit mit 14 Jahren. Wer zum Zeitpunkt einer Tat jünger ist, kann dafür nicht nach dem Strafrecht verurteilt werden. Das gilt auch bei schweren Gewaltdelikten wie dem mutmaßlichen Raubüberfall in Dornbirn.

Die Polizei teilte deshalb mit, dass die beiden 13-Jährigen nach Abschluss ihrer Befragungen wieder in die Obsorge ihrer Eltern übergeben werden sollen. Das bedeutet jedoch nicht, dass Behörden keinerlei Handlungsmöglichkeiten haben. Bei einer Gefährdung können die Kinder- und Jugendhilfe sowie das Familiengericht eingreifen und entsprechende Schutz- oder Betreuungsmaßnahmen veranlassen. Diese sind allerdings keine strafrechtliche Verurteilung.

Der Fall wirft damit erneut die Frage auf, wie Österreich mit Kindern umgehen soll, die bereits vor ihrem 14. Geburtstag wiederholt durch schwere Straftaten auffallen.

Innenminister Karner fordert strengere Konsequenzen

Der Überfall sorgt inzwischen auch auf politischer Ebene für heftige Reaktionen. Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) bezeichnete den Vorfall als weiteren Beleg dafür, dass gegen jugendliche Intensivtäter konsequenter vorgegangen werden müsse. Er stehe in engem Austausch mit Justizministerin Anna Sporrer (SPÖ), um entsprechende Maßnahmen voranzutreiben.

Karner spricht sich insbesondere für geschlossene beziehungsweise gefängnisähnliche Einrichtungen für strafunmündige Intensivtäter aus. Damit sollen besonders auffällige Kinder und Jugendliche unter 14 Jahren künftig verpflichtend untergebracht werden können. Wie solche Einrichtungen konkret ausgestaltet werden könnten und welche rechtlichen Voraussetzungen dafür nötig wären, ist bislang nicht abschließend geklärt.

Landeshauptmann Wallner will Strafmündigkeit ab zwölf

Auch Vorarlbergs Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) reagierte mit deutlichen Worten. Er sprach dem schwer verletzten Pensionisten sein Mitgefühl aus und erklärte, der Fall bestätige für ihn erneut, dass die bestehende Strafmündigkeitsgrenze von 14 Jahren zu hoch sei.

Wallner fordert bereits seit Längerem, die Strafmündigkeit in Österreich auf zwölf Jahre zu senken. Im Zusammenhang mit den beiden Verdächtigen aus Dornbirn verlangt er außerdem die Möglichkeit einer zwangsweisen Unterbringung von besonders auffälligen Intensivtätern. Der Schutz der Bevölkerung müsse stärker berücksichtigt werden.

Kritik übte der Landeshauptmann auch am Umgang mit seinen Forderungen auf Bundesebene. Eine Verzögerung oder eine grundsätzliche Ablehnung durch die Justizministerin sei für ihn nach einem derart schweren Vorfall nicht akzeptabel. Eine Gesetzesänderung ist bislang allerdings nicht beschlossen. Die geltende Strafmündigkeitsgrenze liegt weiterhin bei 14 Jahren.

Landeskriminalamt bittet um Hinweise

Die Ermittlungen zum Raubüberfall werden vom Landeskriminalamt Vorarlberg gemeinsam mit der Polizeiinspektion Dornbirn geführt. Auch nach der Identifizierung der beiden Verdächtigen werden weitere Zeugen gesucht, die den Überfall beobachtet haben oder denen in der Nacht auf Dienstag verdächtige Jugendliche beziehungsweise Jugendgruppen in Dornbirn aufgefallen sind.

Hinweise nimmt das Landeskriminalamt Vorarlberg unter der Telefonnummer 059133 80 3333 entgegen.

(fd/krone)

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