Musk drosselt Starlink
Was wusste Trump?
(21.10.2026) Elon Musk soll persönlich die Einschränkung wichtiger Satellitenverbindungen für die Ukraine angeordnet haben. Die Entscheidung behindert nach ukrainischen Angaben militärische Drohneneinsätze und die Abwehr russischer Angriffe. Besonders brisant: Musk soll sich zuvor mit Vertretern der US-Regierung ausgetauscht haben. Die EU reagiert alarmiert und verlangt von SpaceX, die vollständigen Dienste unverzüglich wiederherzustellen.
Musk soll Starlink persönlich gedrosselt haben
Seit dem 14. Oktober 2026 kämpft die Ukraine mit Einschränkungen bei der militärischen Nutzung des Satellitennetzwerks Starlink beziehungsweise Starshield. Besonders betroffen sind Drohnen, die mit hoher Geschwindigkeit unterwegs sind. Bei bestimmten Geschwindigkeiten verlieren ihre Terminals die Verbindung zum Satellitennetz.
Wie das Wall Street Journal und CBS News unter Berufung auf US-Regierungsvertreter und mit der Angelegenheit vertraute Personen berichten, soll SpaceX-Chef Elon Musk die Drosselung persönlich angeordnet haben. Die Entscheidung habe selbst Teile der amerikanischen Regierung überrascht.
Für die ukrainischen Streitkräfte ist das ein erhebliches Problem. Sie nutzen die Satellitenkommunikation nicht nur zur Verständigung an der Front, sondern auch zur Steuerung von Aufklärungs-, Angriffs- und Abfangdrohnen.
Was wusste Donald Trump über die Einschränkungen?
Besonders heikel sind Berichte über mögliche Absprachen mit US-Präsident Donald Trump. Laut CBS News führte Musk vor der Entscheidung mehrere Gespräche mit Regierungsvertretern, um die Haltung des Präsidenten zur militärischen Nutzung von Starlink zu klären.
Das Wall Street Journal berichtet zudem, dass Musk und Trump auch nach der Drosselung miteinander telefoniert haben sollen. Ob Trump vorab ausdrücklich zugestimmt hatte, ist nicht geklärt.
Trump selbst bestreitet, dass seine Regierung die Einschränkungen veranlasst habe. Auch US-Außenminister Marco Rubio erklärte am Mittwoch, 21. Oktober, dass die Entscheidung über die Nutzung des Systems bei SpaceX und Musk liege.
Rubio sagte außerdem, ihm sei nicht bekannt, dass die Regierung vorab von der Entscheidung wusste. Die tatsächlichen Hintergründe sind damit weiterhin Gegenstand widersprüchlicher Darstellungen.
Selenskyj warnt vor gefährlichen Folgen für die Ukraine
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte bereits beim EU-Gipfel in Brüssel auf die militärischen Folgen hingewiesen. Durch die Geschwindigkeitsbeschränkung könnten bestimmte Drohnen nicht mehr wie vorgesehen eingesetzt werden.
Betroffen seien insbesondere Abfangdrohnen gegen schnelle russische Angriffsdrohnen. Auch einzelne Transport- und Angriffsmissionen würden dadurch erschwert.
Nach ukrainischen Angaben funktionierten einige Verbindungen bereits wieder, während andere Einschränkungen bestehen blieben. Welche militärischen Fähigkeiten aktuell in welchem Umfang betroffen sind, lässt sich unabhängig nur teilweise überprüfen.
EU bezeichnet Starlink-Drosselung als besorgniserregend
Die Europäische Kommission fordert nun eine sofortige Wiederherstellung der vollständigen Dienste für die Ukraine.
Ein Sprecher der EU-Kommission in Brüssel bezeichnete die Berichte als „äußerst besorgniserregend“. Die Ukraine benötige die Satellitenverbindungen dringend, um Soldaten zu koordinieren, ihre Bevölkerung zu schützen und Drohnen zur Verteidigung einzusetzen.
Die EU sieht in dem Vorfall auch ein grundsätzliches Sicherheitsproblem: Der Krieg verdeutliche, wie abhängig Europas Verteidigung von Satellitenkommunikation und einzelnen Technologieunternehmen geworden sei.
EU plant eigenes Satellitennetzwerk als Alternative
Um diese Abhängigkeit langfristig zu verringern, arbeitet die Europäische Union am Satellitennetzwerk IRIS². Das System soll aus mehr als 300 Satelliten bestehen und sichere Kommunikationsverbindungen sowohl für zivile als auch für staatliche und militärische Anwendungen ermöglichen.
Auch die Ukraine soll in das europäische Projekt eingebunden werden.
Allerdings ist IRIS² noch nicht vollständig einsatzbereit. Deshalb prüft die EU bereits kurzfristigere Alternativen, darunter das europäische Satellitenkommunikationssystem GOVSATCOM und zusätzliche kommerzielle Kapazitäten.
Starlink-Streit verschärft Konflikt
Die Einschränkungen kommen zu einem politisch besonders heiklen Zeitpunkt. Zuletzt hatten sich die Spannungen zwischen Washington und Kiew verschärft. Hintergrund sind unter anderem Trumps Annäherung an Russland, die Lockerung bestimmter Sanktionen und Auseinandersetzungen über ukrainische Angriffe auf russische Energieanlagen.
Ukrainische Vertreter befürchten, dass die Satellitenkommunikation als politisches Druckmittel eingesetzt werden könnte. Belege für eine ausdrückliche Anordnung Trumps liegen bislang jedoch nicht vor.
(fd/apa)