Verbrennerverbot hinterrücks?

EU plant E-Auto-Quote!

(10.06.2026) Die Debatte um das Aus für Verbrennungsmotoren in Europa bekommt neuen Zündstoff. Obwohl das geplante Verbrenner-Verbot ab 2035 zuletzt wieder auf dem Prüfstand stand, arbeitet die EU-Kommission nun an einer neuen Regelung, die Kritiker als „Verbrenner-Verbot durch die Hintertür“ bezeichnen.

Konkret geht es um die geplante „Clean Corporate Vehicles Regulation“. Diese soll große Unternehmen künftig verpflichten, einen bestimmten Anteil ihrer neu angeschafften Firmenfahrzeuge als emissionsfreie Fahrzeuge – also vor allem Elektroautos – zuzulassen.

Österreich soll zu den Spitzenreitern gehören

Besonders weitreichend wären die Vorgaben für Österreich. Nach dem aktuellen Vorschlag der EU-Kommission sollen bereits ab 2028 mindestens 58 Prozent aller neu zugelassenen Firmenfahrzeuge emissionsfrei sein. Bis 2035 soll die Quote sogar auf 95 Prozent steigen.

Damit würde Österreich gemeinsam mit Belgien, Dänemark, Irland, Luxemburg, den Niederlanden und Schweden zu den Ländern mit den strengsten Vorgaben zählen.

Hintergrund ist die wirtschaftliche Stärke des Landes. Die EU-Kommission orientiert sich bei den Zielvorgaben am Bruttoinlandsprodukt pro Kopf. Länder mit höherer Wirtschaftskraft sollen demnach schneller auf Elektromobilität umsteigen können.

Millionen Fahrzeuge betroffen

Die geplante Regelung könnte große Auswirkungen auf den europäischen Automarkt haben. Rund 60 Prozent aller neu zugelassenen Pkw in Europa werden derzeit als Firmenfahrzeuge angemeldet.

Betroffen wären vor allem größere Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern. Für Privatpersonen würden die Vorgaben zunächst nicht gelten. Dennoch sehen Kritiker erhebliche Folgen für den gesamten Fahrzeugmarkt, da Firmenwagen später häufig als Gebrauchtwagen an Privatpersonen verkauft werden.

Ministerin stellt sich gegen die Pläne

Widerstand kommt aus Österreich. Europaministerin Claudia Bauer (ÖVP) äußerte deutliche Bedenken gegenüber den Plänen der EU-Kommission.

Sie betont, dass der Umstieg auf Elektromobilität nur dann funktionieren könne, wenn die notwendigen Rahmenbedingungen vorhanden seien. Dazu gehörten ausreichend Ladeinfrastruktur, leistbare Strompreise und praxistaugliche Lösungen für Unternehmen.

Besonders kleine und mittlere Betriebe, Handwerksunternehmen, Pflege- und Lieferdienste seien auf verlässliche Fahrzeuge angewiesen. Neue Quoten allein würden die Herausforderungen im Alltag nicht lösen.

Wirtschaft warnt vor zusätzlichen Belastungen

Auch Wirtschaftsvertreter beobachten die Pläne kritisch. Sie befürchten zusätzliche Kosten für Unternehmen, die ihre Fahrzeugflotten schneller als geplant umstellen müssten.

Vor allem in Bereichen mit langen Fahrstrecken, hoher Nutzungsintensität oder unzureichender Ladeinfrastruktur sehen Kritiker noch große Herausforderungen. Dazu zählen etwa Bauunternehmen, Transportbetriebe oder mobile Pflegedienste.

Befürworter der Regelung argumentieren hingegen, dass Firmenflotten eine Schlüsselrolle bei der Verkehrswende spielen. Da Unternehmen einen Großteil der Neuwagenkäufe ausmachen, könne der Umstieg auf Elektrofahrzeuge wesentlich zur Senkung der CO₂-Emissionen beitragen.

Entscheidung noch nicht gefallen

Noch handelt es sich um einen Vorschlag der EU-Kommission. Bevor die Verordnung in Kraft treten kann, müssen sowohl die Mitgliedstaaten als auch das Europäische Parlament zustimmen.

Ob die geplanten E-Auto-Quoten in ihrer derzeitigen Form tatsächlich umgesetzt werden, ist daher noch offen. Klar ist jedoch bereits jetzt: Die Diskussion über die Zukunft des Verbrennungsmotors in Europa dürfte damit erneut an Fahrt aufnehmen.

(fd/krone)

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