Von Ameisen totgebissen
Pflegeeinrichtung verklagt
(25.08.2026) Ein erschütternder Fall aus dem US-Bundesstaat South Carolina sorgt derzeit für Aufsehen. Die 83-jährige Shelba Catterton, die an fortgeschrittener Alzheimer-Demenz litt und nicht mehr sprechen konnte, soll in der Nacht auf den 24. Juli unbemerkt eine Pflegeeinrichtung in Charleston verlassen haben. Stunden später wurde sie draußen gefunden – nach Angaben der Familie übersät mit mehr als 1.000 Bissen und Stichen von Feuerameisen. Rund zwei Wochen später, am 7. August, starb die Frau. Die Familie verklagt nun die Einrichtung Harmony at West Ashley wegen Fahrlässigkeit und widerrechtlicher Tötung. Gleichzeitig ermittelt die Polizei von Charleston. Die offizielle Todesursache war zuletzt noch nicht abschließend veröffentlicht.
Patientin soll durch offene Tür ins Freie gelangt sein
Nach Darstellung der Familie soll eine Tür zu einem gesicherten Innenhof offen oder ungesichert gewesen sein. Catterton sei dadurch unbeaufsichtigt nach draußen gelangt und später auf oder unmittelbar bei einem Feuerameisen-Nest gefunden worden. Aufgrund ihrer Erkrankung habe sie weder um Hilfe rufen noch die Insekten selbst abschütteln können.
Die Klage spricht von Verletzungen im Gesicht, an den Augen, der Kopfhaut, am Rücken, an Armen und Beinen. Insgesamt soll die Frau mehr als 1.000 Bisse und Stiche erlitten haben.
Familie erhebt Vorwurf: Krankenhaus erst rund 36 Stunden später
Besonders schwer wiegt der Vorwurf, dass Catterton nicht unmittelbar in ein Krankenhaus gebracht worden sei. Laut Klage vergingen rund 36 bis 38 Stunden, bevor ein Notruf für den Transport abgesetzt wurde. Erst als ihre Tochter Jan Buice die Mutter besuchte, hat sie auf eine Einlieferung ins Krankenhaus bestanden.
Im Krankenhaus wurden neben den zahlreichen Stichverletzungen auch Unterkühlung und eine Lungenentzündung festgestellt. Catterton wurde intensivmedizinisch behandelt und später in ein Hospiz verlegt. Sie starb am 7. August im Alter von 83 Jahren.
Starb sie tatsächlich an den Feuerameisen?
Genau dieser Punkt ist juristisch noch wichtig. Die Familie macht geltend, dass die Feuerameisen-Attacke und ihre gesundheitlichen Folgen wesentlich zu Cattertons Tod beigetragen hätten. Laut Klage hätten behandelnde Ärzte einen Zusammenhang zwischen den Stichen und lebensbedrohlichen Komplikationen gesehen.
Eine endgültige offizielle Todesursache war zuletzt jedoch noch nicht bekannt gegeben worden. Der Charleston County Coroner und die Polizei befassen sich mit dem Fall; außerdem wurde eine Autopsie angefordert. Deshalb wäre die Formulierung, die Frau sei eindeutig „an den Feuerameisen gestorben“, derzeit noch zu absolut. Sicher ist: Sie erlitt massive Stichverletzungen, wurde schwer krank und starb knapp zwei Wochen später.
Polizei und Behörden untersuchen die Pflegeeinrichtung
Die Polizei von Charleston hat Ermittlungen aufgenommen und Unterlagen der Einrichtung sichergestellt. Auch weitere Behörden, darunter Stellen für die Aufsicht über Langzeitpflege, prüfen den Umgang mit der Bewohnerin.
Die Familie wirft dem Pflegeheim unter anderem vor, eine besonders schutzbedürftige Alzheimer-Patientin nicht ausreichend beaufsichtigt und nach dem Vorfall nicht schnell genug medizinisch versorgt zu haben.
Harmony at West Ashley äußerte Bedauern über den Todesfall, wollte sich wegen des laufenden Verfahrens aber nicht näher zu den Vorwürfen äußern.
Feuerameisen können für ältere Menschen gefährlich werden
Feuerameisen verteidigen ihre Nester äußerst aggressiv. Sie können innerhalb kurzer Zeit mehrfach stechen und dabei Gift injizieren. Typische Folgen sind starke brennende Schmerzen, Rötungen und später juckende Pusteln. Bei sehr vielen Stichen oder schweren allergischen Reaktionen kann eine Attacke medizinisch gefährlich werden.
Im Fall von Shelba Catterton muss nun geklärt werden, welchen Anteil die massive Ameisenattacke, die Unterkühlung, die Lungenentzündung und mögliche weitere gesundheitliche Faktoren an ihrem Tod hatten.
Fest steht bereits jetzt: Die Familie erhebt schwerwiegende Vorwürfe gegen die Pflegeeinrichtung – und die Frage, wie eine schwer demenzkranke, nicht sprechende Frau nachts unbemerkt ins Freie gelangen konnte, steht im Zentrum der Ermittlungen.
(fd/krone)