WKW: Walter Ruck in Bedrängnis
Kritik aus den eigenen Reihen
(20.07.2026) Die Affäre um den Präsidenten der Wiener Wirtschaftskammer, Walter Ruck, spitzt sich weiter zu. Nach den bekannt gewordenen Aussagen über parteiinterne Personalentscheidungen wächst der Druck auf den langjährigen Wirtschaftsbund-Politiker. WKÖ-Präsidentin Martha Schultz fordert Konsequenzen und legt Ruck indirekt einen Rücktritt nahe. Auch Bundeskanzler Christian Stocker verlangt eine vollständige Aufklärung.
WKÖ-Präsidentin: "Entspricht nicht unserem Weltbild"
Mit ungewöhnlich deutlichen Worten hat sich Wirtschaftskammer-Österreich-Präsidentin Martha Schultz zur Causa Walter Ruck geäußert. Die kolportierten Aussagen des Wiener Kammerpräsidenten würden "in keiner Weise unserem Weltbild noch unserer Kultur" entsprechen.
Schultz verwies darauf, dass sich die Wirtschaftskammer derzeit in einem Reformprozess befinde, um verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen. Gerade deshalb seien die bekannt gewordenen Aussagen besonders schädlich. Sie gehe davon aus, dass sich Ruck der Tragweite bewusst geworden sei und "die richtigen Schritte setzen wird" – eine Formulierung, die allgemein als indirekte Rücktrittsaufforderung gewertet wird.
Auch Kanzler Stocker fordert Konsequenzen
Auch Bundeskanzler und ÖVP-Chef Christian Stocker schaltete sich am Montag in die Debatte ein. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, könne dies nicht ohne Konsequenzen bleiben.
Die veröffentlichten Aussagen seien "zutiefst irritierend" und würden weder dem Frauenbild noch dem Politikverständnis der Volkspartei entsprechen. Zunächst müssten jedoch sämtliche Vorwürfe umfassend aufgeklärt werden, betonte Stocker.
Hintergrund: Tonprotokolle sorgen für Wirbel
Auslöser der Affäre sind Medienberichte über Gesprächsprotokolle, in denen Walter Ruck mit Aussagen über parteiinterne Personalentscheidungen zitiert wird.
Demnach soll Ruck behauptet haben, seiner Vizepräsidentin Margarete Kriz-Zwittkovits "befohlen" zu haben, bei der Wien-Wahl nicht anzutreten, damit sein Sohn den entsprechenden Listenplatz erhalten könne.
Die Veröffentlichung der Aussagen löste parteiintern und öffentlich heftige Kritik aus.
Kriz-Zwittkovits stellt Ruck Rückendeckung aus
Die betroffene Vizepräsidentin der Wiener Wirtschaftskammer weist die Darstellung jedoch entschieden zurück. Ein entsprechendes Gespräch mit Walter Ruck habe es nie gegeben. Ihr Verzicht auf eine Spitzenkandidatur sei ausschließlich ihre eigene Entscheidung gewesen.
Zugleich stellte sie sich demonstrativ hinter den Kammerpräsidenten. Die derzeitige Berichterstattung bezeichnete sie als Kampagne gegen Ruck, die ins Leere laufe.
Kritik an Tonaufnahme und Verteidigung des Kammerchefs
Kriz-Zwittkovits verwies außerdem darauf, dass die veröffentlichte Tonaufnahme möglicherweise rechtswidrig zustande gekommen sei.
Als langjährige Vorsitzende von "Frau in der Wirtschaft" habe sie Walter Ruck stets als Präsidenten erlebt, der Frauen bewusst fördere und wertschätzend mit ihnen zusammenarbeite. Zudem erinnerte sie daran, dass Ruck erst im Mai mit mehr als 99 Prozent als Wiener Wirtschaftsbund-Chef wiedergewählt worden war.
Kritik auch aus den eigenen Reihen
Nicht nur die WKÖ-Spitze, sondern auch Vertreter des Wirtschaftsbundes distanzieren sich inzwischen von Ruck.
Der Tiroler ÖVP-Nationalratsabgeordnete und Seilbahnen-Obmann Franz Hörl bezeichnete das kolportierte Verhalten als "ungustiös". Gleichzeitig zeigte er sich skeptisch, ob Ruck tatsächlich die notwendigen Konsequenzen ziehen werde.
Auch die Freiheitliche Wirtschaft fordert personelle Konsequenzen. Generalsekretär Reinhard Langthaler erklärte, Walter Ruck habe seine politische Glaubwürdigkeit verloren. Die Wiener Wirtschaftskammer brauche nun einen "echten Neustart – transparent, sparsam und frei von parteipolitischem Filz".
(fd/apa)