ÖGK will weiter sparen?
Grüne und FPÖ mit Kritik
(01.10.2026) Neue Sparvorschläge bei der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) sorgen am Donnerstag für politische Diskussionen. Ein internes Papier der Dienstgeberseite sieht unter anderem Kostenbeteiligungen bei Arztbesuchen, ein mögliches Aus der Wahlarzt-Kostenerstattung und höhere Beiträge für freiwillig Teilzeitbeschäftigte vor. Wichtig: Beschlossen ist davon derzeit nichts. Die Vorschläge stammen aus einer Strategieklausur und sollen erst diskutiert werden.
Wahlarzt-Kostenerstattung könnte wegfallen
Einer der weitreichendsten Vorschläge betrifft Wahlärzte. Derzeit bezahlen ÖGK-Versicherte die Rechnung zunächst selbst und erhalten grundsätzlich bis zu 80 Prozent jenes Betrags zurück, den die ÖGK einem vergleichbaren Kassenarzt bezahlt hätte – nicht 80 Prozent der tatsächlichen Wahlarztrechnung. Nach den neuen Überlegungen könnte diese Kostenerstattung gestrichen und das dadurch frei werdende Geld stattdessen in den Ausbau des Kassensystems investiert werden.
Ziel wäre, mehr Ärzte wieder für das Kassensystem zu gewinnen. ÖGK-Arbeitnehmervertreter Andreas Huss kann sich eine Abschaffung der Wahlarzt-Rückerstattung nur dann vorstellen, wenn das eingesparte Geld vollständig in die öffentliche Versorgung fließt.
Patienten könnten bei Arztbesuchen mitzahlen
Noch stärker umstritten ist die Idee gestaffelter Kostenbeteiligungen bei Arztbesuchen. Damit sollen Patienten stärker gelenkt werden – etwa vom Krankenhaus zur Facharztpraxis und vom Facharzt zum Hausarzt.
Das interne Papier sieht dabei offenbar keine generelle Befreiung bestimmter Gruppen vor. Als mögliche soziale Absicherung wird stattdessen über eine einkommensabhängige Obergrenze für Gesundheitsausgaben nachgedacht, in die etwa Rezeptgebühren und Arztkosten einfließen könnten. Bereits heute gibt es innerhalb der Sozialversicherung verschiedene Selbstbehalte und eine Rezeptgebühr von 7,55 Euro pro Packung im Jahr 2026.
Höhere Beiträge bei freiwilliger Teilzeit im Gespräch
Für Diskussionen sorgt auch ein sogenannter Fairness-Beitrag. Dabei wird geprüft, ob Menschen, die freiwillig Teilzeit arbeiten, proportional höhere Sozialversicherungsbeiträge leisten könnten. Außerdem findet sich im Papier die Prüfung einer Mindestprämie nach Schweizer Vorbild.
Auch diese Punkte sind derzeit lediglich Vorschläge. Eine konkrete gesetzliche Ausgestaltung oder ein Zeitpunkt für eine mögliche Einführung existieren bislang nicht.
Gesundheitsministerin Schumann lehnt neue Hürden ab
Gesundheitsministerin Korinna Schumann stellt sich gegen generelle zusätzliche Kosten für Patienten. Reformen seien notwendig, der Zugang zur medizinischen Versorgung solle aber nicht durch neue finanzielle Hürden erschwert werden.
Auch Andreas Huss, Vertreter der Arbeitnehmerseite und stellvertretender ÖGK-Obmann, lehnt zusätzliche Selbstbehalte bei Arztbesuchen ab. Peter McDonald, ÖGK-Obmann und Vertreter der Dienstgeberseite, verteidigt dagegen die Diskussion über neue Modelle zur Finanzierung und Patientensteuerung.
Grüne und FPÖ kritisieren die Vorschläge
Sowohl Grüne als auch FPÖ kritisieren die bekannt gewordenen Überlegungen. Die Grünen hatten das Papier über eine parlamentarische Anfrage öffentlich gemacht und warnen vor zusätzlichen Belastungen der Versicherten. Auch die FPÖ lehnt neue Selbstbehalte und eine Streichung der Wahlarzt-Kostenerstattung ab.
Fest steht vorerst nur: Für ÖGK-Versicherte ändert sich durch das Papier aktuell nichts. Wahlarzt-Rechnungen können weiterhin nach den geltenden Regeln eingereicht werden, und ein allgemeiner neuer Selbstbehalt beim Kassenarzt wurde nicht beschlossen. Die Vorschläge eröffnen allerdings eine neue Debatte darüber, wie das österreichische Gesundheitssystem künftig finanziert und Patienten stärker durch das Versorgungssystem gelenkt werden sollen.
(fd/apa)