Google schickt KI ins All?

"Project Suncatcher"

(01.10.2026) Google bringt künstliche Intelligenz ins Weltall. Am Donnerstag soll ein erster Testsatellit mit speziellen Google-KI-Chips an Bord einer SpaceX-Rakete in den Orbit starten. Von einem riesigen Rechenzentrum im All kann aber noch keine Rede sein: Zunächst werden nur vier TPU-KI-Prozessoren getestet.

Das Experiment gehört zu Project Suncatcher. Google will herausfinden, ob leistungsfähige KI-Hardware unter Weltraumbedingungen zuverlässig arbeiten kann.

Warum Google KI ins All bringen will

Der wichtigste Grund ist Energie. KI-Rechenzentren brauchen enorme Mengen Strom und Kühlung. Im Orbit könnten Satelliten deutlich länger von der Sonne versorgt werden als Solaranlagen auf der Erde.

Langfristig könnte Google viele Satelliten zu einem verteilten KI-Rechenzentrum im Weltraum verbinden.

Ist es im Weltraum nicht ohnehin kalt?

Genau das ist ein verbreiteter Denkfehler. Der Weltraum ist zwar extrem kalt, trotzdem ist Kühlung dort schwierig.

Im Vakuum gibt es keine Luft, die Wärme von den Chips wegträgt. Die Abwärme muss deshalb über Heatpipes, Flüssigkeitskreisläufe und Radiatoren transportiert und anschließend als Wärmestrahlung ins All abgegeben werden.

Eine Wasserkühlung wäre grundsätzlich möglich – aber nur in einem geschlossenen System. Das Wasser könnte die Wärme vom Chip zum Radiator transportieren. Weg ist die Wärme damit aber noch nicht.

Strahlung ist die zweite große Herausforderung

Auch die kosmische Strahlung kann elektronische Bauteile beschädigen oder Rechenfehler verursachen. Google hat seine Chips deshalb bereits mit Strahlung, Vibrationen und extremen Temperaturen getestet.

Der erste Satellit soll zeigen, wie gut die Hardware diese Belastungen tatsächlich verkraftet.

Wann startet der Satellit?

Der Start ist für 1. Oktober 2026 um 20.18 Uhr österreichischer Zeit von Kalifornien aus geplant. Der Google-Satellit fliegt mit der SpaceX-Mission Transporter-18 gemeinsam mit zahlreichen weiteren Nutzlasten in den Erdorbit.

Stürzt SpaceX damit wieder ab?

Wichtig ist die Unterscheidung: Der Satellit startet nicht mit dem experimentellen Starship, das bei Testflügen mehrfach verloren ging.

Zum Einsatz kommt eine Falcon 9, die SpaceX seit Jahren für Satelliten- und bemannte Missionen nutzt. Die erste Raketenstufe der aktuellen Mission soll bereits ihren 25. Flug absolvieren.

Was passiert, wenn der Test funktioniert?

Der aktuelle Flug ist nur der Anfang. Weitere Tests sollen zeigen, ob mehrere Satelliten über schnelle Laserverbindungen gemeinsam rechnen können.

Genau das wäre für die langfristige Idee entscheidend: Nicht ein einzelner Satellit, sondern ganze Gruppen von Satelliten könnten künftig als gemeinsames Rechenzentrum arbeiten.

Die Schlagzeile „Google schickt KI ins Weltall“ stimmt – braucht aber Einordnung. Heute startet noch kein riesiges Rechenzentrum, sondern ein kleiner Test mit vier KI-Chips.

Die größten Fragen sind Kühlung, Strahlung, Datenübertragung und Wirtschaftlichkeit. Funktioniert das Konzept, könnten in einigen Jahren tatsächlich größere KI-Systeme im Orbit entstehen.

(fd)

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