Ölpreis unter 100 Dollar
Wann zieht Österreich mit?
(22.09.2026) Der Ölpreis fällt, doch die Spritpreise in Österreich bleiben hoch. Am Dienstag, 22. September 2026, verbilligte sich die Nordseesorte Brent im Handelsverlauf auf 99,49 US-Dollar je Barrel – laut vorliegender Agenturmeldung rund 86,59 Euro für 159 Liter. Das entsprach einem Minus von knapp einem Prozent und dem fünften Handelstag mit Rückgängen in Folge. Zwischenzeitlich wurden 98,68 Dollar erreicht. Zuvor hatte der November-Kontrakt mehr als ein Prozent zugelegt, was Marktbeobachter als Gegenbewegung nach den jüngsten Verlusten einordneten. In der Vorwoche hatte Brent zeitweise knapp 110 Dollar gekostet; gegenüber Jahresbeginn betrug das Plus weiterhin mehr als 60 Prozent.
Iran-Signale drücken Ölpreis: Öffnet die Straße von Hormus?
Auslöser des Rückgangs waren neue Hoffnungen auf eine diplomatische Lösung im Iran-Krieg. Laut Al Jazeera deuteten die iranischen Revolutionsgarden Verhandlungsbereitschaft an. Kyodo berichtete über ein Angebot, die Straße von Hormus binnen sieben Tagen wieder zu öffnen, sofern Washington seinen militärischen Druck verringert; die dpa-Meldung nennt die Aufhebung der US-Blockade als Bedingung. Vermittlerstaaten sollen am Rande der UNO-Generalversammlung Gespräche ermöglichen. Für Dienstag ist dort eine Rede von US-Präsident Donald Trump vorgesehen. Ein Treffen mit Irans Präsident Masoud Pezeshkian ist hingegen nicht bestätigt: Ein von Kyodo zitierter iranischer Regierungsvertreter schloss es ausdrücklich aus.
Spritpreise Österreich: Diesel über 2,23 Euro
An Österreichs Tankstellen zeigt die jüngste wöchentliche Erhebung noch keine Entspannung. Laut Fachverband der Energierohstoff- und Kraftstoffindustrie kostete Super 95 am 21. September durchschnittlich 1,925 Euro, Diesel 2,238 Euro je Liter. Gegenüber dem 14. September verteuerte sich Benzin damit um 3,1 Cent und Diesel um 4,1 Cent. Es handelt sich um österreichweite Durchschnittswerte, nicht um Preise einzelner Tankstellen.
Warum Benzin und Diesel teuer bleiben
Rohölpreis und Tankstellenpreis sind nicht dasselbe. Entscheidend sind auch internationale Großhandelspreise für fertiges Benzin und Diesel, Raffinerieverarbeitung, Transport, Vertrieb und Margen. Gerade bei Diesel ist Österreich zusätzlich auf importierte Fertigprodukte angewiesen. Dazu kommen Mineralölsteuer, CO₂-Bepreisung und 20 Prozent Umsatzsteuer. Die mngenbezogenen Abgaben sinken nicht automatisch mit Brent; ein prozentualer Ölpreisrückgang schlägt deshalb nicht im gleichen Ausmaß auf den gesamten Literpreis durch. Das erklärt allerdings nicht jede Abweichung: Der ÖAMTC kritisierte bereits im August, dass günstigere Rohölpreise nicht ausreichend an den Zapfsäulen ankämen und die Bindung an internationale Produktnotierungen keinen erkennbaren Vorteil gegenüber anderen Ländern gebracht habe.
Deutschland plant rund 17 Cent Entlastung ab Oktober
Deutschland setzt auf einen neuen Tankrabatt. Nach der Einigung mit den Ländern am 18. September brachte das Bundeskabinett am 21. September die Senkung der Energiesteuer um 14 Cent je Liter auf den Weg. Einschließlich des dadurch geringeren Umsatzsteuerbetrags ergibt sich eine rechnerische Entlastung von rund 17 Cent – vorausgesetzt, sie wird vollständig weitergegeben. Vorgesehen ist der Zeitraum 1. Oktober bis 31. Dezember 2026; das Gesetzgebungsverfahren soll mit der Bundesratszustimmung am 25. September abgeschlossen werden. Die erwarteten Steuerausfälle von rund 2,5 Milliarden Euro tragen Bund und Länder je zur Hälfte. Zusätzlich wird spätestens zum 1. Jänner 2027 ein Spritpreisdeckel nach luxemburgischem oder belgischem Vorbild angestrebt. Hintergrund sind der Iran-Krieg und unterbrochene saudische Öllieferungen.
Österreich hat reagiert – aber mit winziger Steuersenkung
Die Frage lautet deshalb nicht, warum Österreich überhaupt nichts unternimmt, sondern wann eine stärkere Entlastung kommt. Die österreichische Spritpreisbremse wurde bisher bis 30. September 2026 verlängert. Die Mineralölsteuer bleibt um 1,9 Cent je Liter gesenkt; einschließlich Umsatzsteuer entspricht das rechnerisch 2,28 Cent. Die sogenannte Preis-Runter-Garantie soll sinkende internationale Großhandelspreise an die Kundschaft weiterreichen, die Margenbegrenzung bleibt jedoch ausgesetzt. Das Wirtschaftsministerium begründet den Verzicht auf weitere Margeneingriffe unter anderem mit Versorgungssicherheit und der Ablehnung dauerhafter Markteingriffe.
Entscheidend ist, was ab Oktober an der Zapfsäule ankommt
Bei einer 50-Liter-Tankfüllung entspricht Österreichs derzeitige Steuersenkung rechnerisch 1,14 Euro. Deutschlands angekündigte Entlastung von rund 17 Cent würde ungefähr 8,50 Euro bringen – jeweils bei vollständiger Weitergabe. Das vergleicht die Steuerentlastung, nicht das gesamte Preisniveau beider Länder. Für Österreich bleibt damit offen, ob die Regierung nachschärft und wie die Entlastung nach dem 30. September weitergeht. Die bisher veröffentlichte Verlängerung beantwortet diese Frage noch nicht.
(fd/apa/krone)