10-Cent-Strompreisgarantie
Strompreisbremse beschlossen
(28.05.2026) Die österreichische Bundesregierung hat sich auf eine neue Strompreisbremse geeinigt. ÖVP, SPÖ und NEOS wollen damit verhindern, dass Haushalte bei einer neuen Energiekrise erneut massiv belastet werden. Kernstück der Maßnahme ist eine automatische „10-Cent-Preisgarantie“ für Strom, die bereits ab Sommer 2026 gelten soll.
Nach den enormen Energiepreissteigerungen infolge des Ukraine-Kriegs und internationaler Krisen zieht die Regierung damit Konsequenzen. Ziel sei es laut Regierung, neue Inflationsschübe zu verhindern und gleichzeitig Planungssicherheit für Haushalte und Unternehmen zu schaffen.
Wann die neue Strompreisbremse greift
Der neue Energiekrisenmechanismus wird automatisch aktiviert, sobald der durchschnittliche Strompreis für Haushalte über einen längeren Zeitraum stark ansteigt.
Die Voraussetzungen im Überblick:
- Strompreis für Haushalte liegt länger als drei Monate über 16,5 Cent pro Kilowattstunde
- Großhandelspreise überschreiten gleichzeitig drei Monate lang 165 Euro pro Megawattstunde
Sobald diese Bedingungen erfüllt sind, wird der Strompreis für ein Grundkontingent auf netto 10 Cent pro Kilowattstunde gedeckelt. Derzeit liegt der durchschnittliche Strompreis laut E-Control bei rund 14 Cent pro Kilowattstunde.
Für wie viel Strom der Preis gedeckelt wird
Die Strompreisgarantie gilt für einen jährlichen Grundverbrauch von rund 2900 Kilowattstunden pro Haushalt. Damit sollen vor allem normale Haushalte entlastet werden.
Wer darüber hinaus mehr Strom verbraucht – etwa durch Elektroheizungen oder besonders hohen Energiebedarf – bezahlt weiterhin den regulären Marktpreis. Die Regierung will damit bewusst einen Sparanreiz erhalten.
SPÖ-Staatssekretärin Michaela Schmidt erklärte dazu:
„So verhindern wir künftig, dass explodierende Strompreise die Inflation erneut eskalieren lassen.“
Keine Finanzierung aus Steuergeld geplant
Finanziert werden soll die Strompreisbremse nicht direkt aus dem Budget, sondern über den bereits bestehenden Energiekrisenbeitrag der Stromproduzenten. Dieser steigt automatisch an, wenn die Energiepreise am Markt steigen.
Die Regierung betont deshalb, dass keine zusätzlichen Belastungen für Steuerzahler entstehen sollen.
Aus Regierungskreisen heißt es:
„So lange wie nötig, so kurz wie möglich.“
Eine fixe Laufzeit für die Maßnahme gibt es nicht. Erst wenn die Preise wieder dauerhaft sinken, endet die Strompreisgarantie automatisch.
Auch Unternehmen sollen entlastet werden
Parallel zur Strompreisbremse für Haushalte wurde auch ein neuer Industriestrompreis beschlossen. Dieser soll ab 2027 für energieintensive Betriebe gelten.
Geplant ist:
- Förderung für rund 400 energieintensive Unternehmen
- Unterstützung für bis zu 50 Prozent des Stromverbrauchs
- Zielpreis von bis zu 5 Cent pro Kilowattstunde
Zusätzlich wird der bestehende Stromkostenausgleich bis 2029 verlängert. Laut Regierung sollen künftig etwa doppelt so viele Unternehmen davon profitieren wie bisher.
Für die Maßnahmen im Industriebereich sind laut Wirtschaftsministerium insgesamt 750 Millionen Euro vorgesehen.
Kritik von FPÖ und Strombranche
Die Opposition reagierte kritisch auf die neuen Pläne. Die FPÖ bezeichnete selbst den gedeckelten Preis von 10 Cent pro Kilowattstunde als „viel zu hoch“.
Auch die Strombranche übte scharfe Kritik. Oesterreichs Energie warnte davor, die Energiewirtschaft als „Bankomat der Politik“ zu sehen. Generalsekretärin Barbara Schmidt kritisierte insbesondere, dass Österreich die Strompreisbremse früher aktivieren wolle als von der EU vorgesehen.
Die Industriellenvereinigung begrüßte dagegen den Industriestrompreis als „wichtiges Signal für den Standort Österreich“.
Warum Strom in Österreich zuletzt so teuer wurde
Die Strompreise in Österreich waren in den vergangenen Jahren massiv gestiegen. Gründe dafür waren unter anderem:
- der Ukraine-Krieg
- hohe Gaspreise
- internationale Krisen
- Unsicherheiten auf den Energiemärkten
- steigende Großhandelspreise in Europa
Vor allem die starke Abhängigkeit Europas von Gasimporten hatte die Strompreise zeitweise auf Rekordniveau steigen lassen.
Mit der neuen Strompreisgarantie will die Bundesregierung nun verhindern, dass sich eine ähnliche Energiekrise erneut direkt auf die Haushalte in Österreich auswirkt.
(fd/apa)