Lebenslang für Attentäter

84 tödliche Sekunden in Villach

(28.05.2026) Im Prozess um den islamistischen Terroranschlag von Villach ist am Mittwochabend am Landesgericht Klagenfurt das Urteil gefallen: Der 24-jährige Angeklagte wurde wegen Mordes, fünffachen Mordversuchs sowie terroristischer Straftaten zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Schwurgericht sprach den syrischen Staatsbürger einstimmig schuldig. Das Urteil ist vorerst nicht rechtskräftig. Bei dem Attentat am 15. Februar 2025 war ein 14-jähriger Schüler getötet worden. Fünf weitere Menschen wurden teils lebensgefährlich verletzt. Der Täter hatte mitten in der Villacher Innenstadt mit einem Klappmesser auf Passanten eingestochen. Ermittler ordneten die Tat dem islamistischen Terrorismus mit Bezug zur Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) zu.

Gericht folgte Forderung nach Höchststrafe

Die Geschworenen entschieden in sämtlichen Anklagepunkten mit acht Ja-Stimmen. Das Gericht folgte damit der Forderung der Staatsanwaltschaft nach der maximal möglichen Strafe.

Als erschwerend wertete das Gericht unter anderem:

  • die besonders grausame und heimtückische Tatausführung
  • die hohe Zahl an Opfern
  • den islamistischen Hintergrund
  • die Tatsache, dass Jugendliche betroffen waren
  • die fehlende Reue des Angeklagten

Der vorsitzende Richter erklärte, ein reumütiges Geständnis liege nicht vor. Der Angeklagte habe selbst mehrfach betont, seine Tat nicht zu bereuen.

Mit den Worten „Ich möchte nichts machen“ verzichtete der Mann auf Rechtsmittel. Die Staatsanwältin gab vorerst keine Erklärung ab.

Terror in Villach dauerte nur 84 Sekunden

Die Staatsanwaltschaft rekonstruierte den Tathergang minutiös. Innerhalb von nur einer Minute und 24 Sekunden soll der damals 23-Jährige sechs Menschen attackiert haben.

Das erste Opfer war ein 14-jähriger Jugendlicher, den der Täter von hinten angriff. Der Schüler starb kurze Zeit später an seinen Verletzungen. Danach attackierte der Mann wahllos weitere Personen im Alter zwischen 14 und 33 Jahren.

Die Tat konnte erst gestoppt werden, als ein syrischer Essenszusteller den Täter mit seinem Auto anfuhr und so weitere Angriffe verhinderte. Der Mann wurde später österreichweit als Held gefeiert.

Angeklagter bekannte sich offen zum IS

Besonders erschütternd waren die Aussagen des Angeklagten vor Polizei und Gericht. Laut Ermittlern hatte der Mann zwei Tage vor dem Anschlag einen Treueschwur auf den sogenannten Islamischen Staat abgelegt.

Vor Gericht erklärte der Angeklagte unter anderem:

„Das Einzige, was ich bereue, ist, dass ich nicht gestorben bin.“

Außerdem gab er an, ursprünglich noch mehr Menschen töten zu wollen. Auf Nachfrage der Staatsanwältin sagte er:

„Ich hatte andere Szenarien, aber leider keinen Zugang zu anderen Waffen.“

Er sprach dabei auch von einem möglichen Sprenggürtel. Laut Anklage wollte der Täter bewusst möglichst viele „westliche Männer“ töten.

Radikalisierung über TikTok und soziale Medien

Der Angeklagte war 2020 nach Österreich gekommen und hatte Asyl erhalten. Laut Ermittlungen lebte er zunächst unauffällig mit seinem Bruder in Kärnten. Erst 2024 begann laut Staatsanwaltschaft eine rasche Radikalisierung über TikTok, Telegram und IS-Propagandavideos. Ermittler sprechen von einer „Blitzradikalisierung“.

Der Verteidiger sprach von einer „fassungslosen Tat“ und warnte davor, die Gefahr extremistischer Inhalte auf sozialen Netzwerken zu unterschätzen. Die Familie habe die zunehmende Isolation des Mannes nicht erkannt.

Psychiater: Keine psychische Erkrankung

Für Diskussionen sorgte bereits im Vorfeld, dass kein Antrag auf Unterbringung in einem forensisch-therapeutischen Zentrum gestellt wurde.

Der gerichtlich bestellte Psychiater erklärte dazu im Prozess:

„Es gibt keinen Hinweis auf eine psychische Störung.“

Beim Angeklagten handle es sich nicht um eine psychische Erkrankung, sondern um religiösen Fanatismus. Auch seine Aussagen, erneut töten zu wollen, seien Ausdruck extremistischer Ideologie und keine psychiatrische Auffälligkeit.

Massive Sicherheitsvorkehrungen rund um Prozess

Der Terrorprozess wurde unter strengsten Sicherheitsmaßnahmen durchgeführt. Rund um das Landesgericht Klagenfurt waren zahlreiche Polizeikräfte im Einsatz. Besucher und Medienvertreter wurden beim Eingang umfassend kontrolliert, elektronische Geräte mussten teilweise abgegeben werden. Bereits im Vorfeld hatte das Gericht ein striktes Foto- und Filmverbot angekündigt.

Villach-Anschlag erschütterte ganz Österreich

Der Messeranschlag von Villach zählt zu den schwersten islamistischen Gewalttaten der vergangenen Jahre in Österreich. Die Tat löste bundesweit Diskussionen über Terrorismus, Radikalisierung im Internet, Asylpolitik und Sicherheitsmaßnahmen aus.

Nach dem Anschlag fanden in Villach Trauermärsche und Gedenkveranstaltungen statt. Tausende Menschen nahmen an Mahnwachen für das 14-jährige Opfer teil.

(fd/apa)

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