6 Jahre Volksschule?

Österreich sucht Pilotschulen

(24.09.2026) Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) will die Entscheidung zwischen Mittelschule und AHS-Unterstufe um zwei Jahre nach hinten verschieben. Ab dem Schuljahr 2027/28 soll die sogenannte sechsjährige Volksschule zunächst an mindestens fünf Standorten in wenigstens drei Bundesländern getestet werden. Interessierte Schulen können sich bis 16. Oktober 2026 melden.

Entscheidung über den Schulweg erst mit zwölf

Derzeit endet die Volksschule in Österreich nach vier Jahren. Schon mit rund zehn Jahren müssen Familien entscheiden, ob ein Kind eine Mittelschule oder eine AHS-Unterstufe besucht. Wiederkehr hält diesen Zeitpunkt für zu früh, weil sich Kinder unterschiedlich schnell entwickeln.

Mit dem neuen Modell soll die Entscheidung erst nach der sechsten Schulstufe fallen. Zwei zusätzliche gemeinsame Schuljahre sollen mehr Zeit geben, Stärken zu entwickeln und eine fundiertere Entscheidung über den weiteren Bildungsweg zu treffen. Wiederkehr sieht darin vor allem eine Frage der Chancengerechtigkeit.

Volksschulen arbeiten mit Mittelschulen und AHS zusammen

Die sechsjährige Volksschule bedeutet nicht, dass einfach zwei klassische Volksschuljahre angehängt werden. Voraussetzung ist eine enge Kooperation mit einer benachbarten Mittelschule oder AHS-Unterstufe.

Bereits in der dritten und vierten Schulstufe sollen punktuell Lehrkräfte der Partnerschule unterrichten. In der fünften und sechsten Schulstufe gilt dann der Lehrplan der Sekundarstufe I, der Unterricht wird zunehmend von Fachlehrkräften übernommen.

Die bisherige Klassenlehrkraft bleibt den Kindern jedoch als zentrale Bezugsperson erhalten und soll auch in der fünften und sechsten Schulstufe mehrere Stunden pro Woche unterrichten.

Neues Pflichtfach Persönlichkeitsbildung

Teil des Schulversuchs ist auch das neue Pflichtfach „Persönlichkeitsbildung“. Dabei sollen unter anderem Selbstvertrauen, Resilienz, soziale Kompetenzen und die Vorbereitung auf den nächsten Bildungsabschnitt gestärkt werden.

Zusätzlich sind mehr Möglichkeiten für individuelle Förderung und Unterricht in kleineren Gruppen vorgesehen.

Platzgarantie nach der sechsten Schulstufe

Nach Abschluss der sechsjährigen Volksschule wechseln die Kinder in die 3. Klasse einer Mittelschule oder AHS-Unterstufe. Für den weiteren Schulweg soll es eine Platzgarantie geben, bei entsprechender AHS-Reife auch für ein Gymnasium.

Der Unterricht in der fünften und sechsten Schulstufe kann entweder weiterhin am Volksschulstandort oder bereits in der kooperierenden Mittelschule beziehungsweise AHS stattfinden.

Pilotprojekt soll wissenschaftlich begleitet werden

Der Schulversuch soll wissenschaftlich evaluiert werden. Untersucht werden sollen unter anderem Auswirkungen auf Leistung, Schulwahl und Chancengerechtigkeit. Ein weiterer Durchgang ist für das Schuljahr 2028/29 vorgesehen.

Politisch ist das Projekt nicht unumstritten. Im Regierungsprogramm von ÖVP, SPÖ und NEOS sind zwar Modellregionen für eine gemeinsame Schule vorgesehen, der konkrete Schulversuch wurde aber nicht eigens mit den Koalitionspartnern abgestimmt. Wiederkehr verweist darauf, dass Schulversuche in seinen Zuständigkeitsbereich fallen.

Ob die sechsjährige Volksschule später ausgeweitet wird, soll von den Ergebnissen des Pilotprojekts abhängen.

Wo melden sich Schulen an?

Die Interessensbekundung für den Schulversuch „6-jährige Volksschule“ läuft direkt über das Bundesministerium für Bildung. Schulen können sich bis 16. Oktober 2026 per E-Mail an [email protected] melden.

Wichtig: Es melden sich nicht einzelne Eltern oder Kinder direkt für den Pilot an, sondern interessierte Volksschulen. Voraussetzung ist unter anderem eine Kooperation mit einer nahegelegenen Mittelschule oder AHS-Unterstufe. Danach müssen auch die vorgesehenen schulischen Zustimmungen eingeholt werden.

Die offizielle Infoseite des Ministeriums findest du hier: 6-jährige Volksschule – Bildungsministerium

(fd/apa)

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