Asylanträge brechen ein
Karner mit Bilanz
(21.07.2026) Die Zahl der Asylanträge in Österreich ist im ersten Halbjahr 2026 massiv zurückgegangen. Insgesamt wurden zwischen Jänner und Ende Juni 4.903 Asylanträge gestellt – das sind 44 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres mit rund 8.800 Anträgen. Laut Innenministerium ist das der niedrigste Stand seit rund 23 Jahren.
Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) sprach am Dienstag von einer „Minuszuwanderung“, die es nun dauerhaft abzusichern gelte. Erstmals seit mehr als zwei Jahrzehnten hätten im ersten Halbjahr mehr Menschen Österreich verlassen oder seien abgeschoben worden, als neue Asylanträge gestellt wurden.
Mehr Abschiebungen als neue Asylanträge
Karner stellte den 4.903 Asylanträgen die aktuellen Zahlen zu Abschiebungen und Außerlandesbringungen gegenüber. Insgesamt wurden im ersten Halbjahr mehr als 7.000 Außerlandesbringungen und Abschiebungen registriert.
Besonders hob der Innenminister hervor, dass rund 2.000 Erstanträgen von neu eingereisten Asylwerbern 2.200 Personen mit Asylbezug gegenüberstehen, die Österreich verlassen haben. Laut Karner sei das ein historischer Wendepunkt und Ausdruck einer „Minuszuwanderung“.
Nur 2.016 neue Asylwerber
Nicht alle Asylanträge stammen von neu eingereisten Personen. Von den insgesamt 4.903 Anträgen entfielen lediglich 2.016 Fälle auf Menschen, die erstmals nach Österreich eingereist sind.
Die übrigen Anträge betreffen unter anderem:
- Nachgeborene Kinder
- Familienangehörige
- Mehrfachantragsteller
Von allen Antragstellern waren 2.399 Minderjährige, 1.557 Männer und 947 Frauen.
Syrien und Afghanistan bleiben an der Spitze
Die meisten Asylanträge kamen auch heuer wieder von Menschen aus Syrien und Afghanistan. Beide Herkunftsländer machten jeweils rund ein Viertel aller Anträge aus.
Die häufigsten Herkunftsländer im Überblick:
- Syrien: 1.227 Anträge
- Afghanistan: 1.186
- Somalia: rund 7 Prozent
- Iran: rund 5 Prozent
- Türkei: rund 5 Prozent
- Russland: rund 5 Prozent
Betrachtet man ausschließlich neu eingereiste Asylwerber, führen allerdings Afghanen mit 420 Erstanträgen die Statistik an. Dahinter folgen Syrer mit 188 sowie Menschen aus dem Iran mit 171 Anträgen.
Deutlich geringere Anerkennungsquote für Syrer
Auch bei den Asylentscheidungen zeigen sich Veränderungen. Zwischen Jahresbeginn und Mitte Juni wurden:
- 27 Prozent der Anträge abgelehnt.
- 16 Prozent erhielten Asyl.
- 15 Prozent bekamen subsidiären Schutz.
- In weiteren 16 Prozent wurde subsidiärer Schutz abgelehnt.
Besonders auffällig ist die Entwicklung bei syrischen Asylwerbern. Während 2024 noch 67 Prozent ihrer Anträge positiv entschieden wurden, lag die Anerkennungsquote zuletzt nur noch bei 32 Prozent.
Die höchsten Erfolgschancen hatten hingegen Antragsteller aus dem Iran. Ihre Verfahren wurden in 76 Prozent der Fälle positiv entschieden. Dahinter folgen Afghaninnen und Afghanen mit einer Anerkennungsquote von 69 Prozent.
Mehr als 15.000 Verfahren noch offen
Trotz des deutlichen Rückgangs der Asylanträge sind österreichweit weiterhin 15.278 Asylverfahren offen. Fast die Hälfte davon betrifft Personen aus Syrien.
Laut Innenministerium zeigt sich dennoch eine deutliche Entspannung gegenüber den vergangenen Jahren.
Familiennachzug nahezu zum Stillstand gekommen
Beim Familiennachzug wurden im ersten Halbjahr lediglich 48 Personen registriert.
Rechtlich herrscht derzeit allerdings eine Übergangsphase. Der von der Bundesregierung verhängte Stopp der Familienzusammenführung ist Anfang Juli ausgelaufen. Die geplante Nachfolgeregelung ist jedoch noch nicht in Kraft, da dafür noch die Zustimmung der Bundesländer erforderlich ist.
Karner erklärte, dass die Gespräche mit den Ländern weiterlaufen.
Fast 60 Prozent der Grundversorgten stammen aus Ukraine
Zum Stichtag 1. Juli befanden sich 45.139 Personen in der Grundversorgung.
Davon entfallen:
- Rund 60 Prozent auf Kriegsvertriebene aus der Ukraine.
- Rund 22 Prozent auf Menschen aus Syrien.
- Rund 5.500 Personen sind derzeit laufende Asylwerber.
Nach Angaben der Bundesbetreuungsagentur konnten durch die Reduzierung der Quartiere auf acht Standorte zudem erhebliche Kosten eingespart werden.
Österreich verzeichnet stärkste Rückgänge in der EU
Nach Angaben des Innenministeriums gehört Österreich gemeinsam mit Polen zu jenen EU-Mitgliedstaaten, die derzeit den stärksten Rückgang bei den Asylanträgen verzeichnen.
Positiv bewertet wurde zudem die Umsetzung des neuen EU-Asylpakts, das seit 39 Tagen gilt. Laut Innenministerium sei die Einführung bislang planmäßig verlaufen.
FPÖ: „Kein Grund zur Entwarnung“
Kritik an der Bilanz von Innenminister Karner kommt von der FPÖ. Sicherheitssprecher Gernot Darmann sprach von einer „statistischen Schönfärberei“. Die sinkenden Asylzahlen würden nichts an den Problemen ändern, die durch die hohe Zuwanderung der vergangenen Jahre entstanden seien.
Karner hält dagegen, dass der deutliche Rückgang der Asylanträge sowie die erstmals seit Jahrzehnten höhere Zahl an Außerlandesbringungen ein Beleg dafür seien, dass die Maßnahmen der Bundesregierung Wirkung zeigen.
(fd/apa)