"Bernd das Brot" in Silber?
Der Kronehit Faktencheck
(25.08.2026) Erst Silberbrot, jetzt wieder Miesepeter in Braun: Bernd das Brot hat seine unfreiwillige Glitzerphase überstanden. Unbekannte hatten die bekannte KiKA-Figur neben dem Erfurter Rathaus in der Nacht auf Freitag nahezu vollständig mit silberner Farbe besprüht. Passanten entdeckten die Sachbeschädigung am 21. August gegen 6.30 Uhr und verständigten die Polizei.
Nur einen Tag später war der größte Teil des Schadens bereits beseitigt. Bildhauer Frank Meyer, der die Figur einst miterschaffen hatte, arbeitete laut Stadt rund sieben Stunden an der Reinigung und entfernte die Farbe unter anderem mit Benzin. Seit Samstag ist Bernd damit wieder weitgehend „golden-braun, mürrisch und glanzlos“ – ganz so, wie Fans ihn kennen.
Sieben Stunden Arbeit gegen die Silberfarbe
Ganz einfach war die Reinigung allerdings nicht. Die Oberfläche der Figur ist nicht vollkommen glatt, sondern soll die Struktur einer Brotkruste darstellen. Dadurch konnte die silberne Farbe in kleine Vertiefungen eindringen.
Mit verschiedenen Reinigungsverfahren und Feinarbeit mit Pinseln gelang es dennoch, die Beschichtung fast vollständig zu entfernen. In einzelnen Poren schimmert weiterhin etwas Silber durch – eine kleine Erinnerung an Bernds kurzes Leben als „Silberbrot“.
Eine umfassende Demontage und Restaurierung war damit offenbar nicht notwendig.
Polizei sucht weiter nach den Tätern
Wer Bernd das Brot versilbert hat, ist bislang nicht bekannt. Die Polizei leitete ein Ermittlungsverfahren wegen Sachbeschädigung ein.
Nach Entdeckung der Farbattacke suchte eine Streife die Umgebung rund um Fischmarkt und Rathaus ab, konnte aber keine Verdächtigen finden. Die Polizei bittet weiterhin Menschen, die in der Nacht verdächtige Beobachtungen gemacht haben, sich zu melden. Die Höhe des entstandenen Sachschadens war zunächst nicht beziffert worden.
Für die Stadt Erfurt war es nach eigenen Angaben einer der massivsten Vandalismusfälle an einer der beliebten KiKA-Figuren.
Bernd steht seit 2007 neben dem Erfurter Rathaus
Die rund zwei Meter hohe Bernd-Figur gehört inzwischen selbst zu den bekannten Sehenswürdigkeiten der Thüringer Landeshauptstadt. Sie wurde 2007 am Fischmarkt neben dem Rathaus aufgestellt, passend zum Sitz des Kinderkanals KiKA in Erfurt. Die Plastik wurde von den Bildhauern Frank Meyer und Thomas Lindner geschaffen.
Neben Bernd sind in Erfurt zahlreiche weitere bekannte Kinderfernsehfiguren zu finden – darunter die Maus und der Elefant, das Sandmännchen, Käpt'n Blaubär und Hein Blöd.
Die Figuren gehören zu den beliebtesten Fotomotiven der Stadt, werden allerdings immer wieder beschädigt.
Bernd wurde sogar schon einmal entführt
Für Bernd das Brot ist die Silber-Attacke nicht einmal das außergewöhnlichste Kapitel seiner Zeit in Erfurt.
Im Januar 2009 verschwand die rund 125 Kilogramm schwere Figur plötzlich von ihrem Standort. Hinter der Aktion standen Sympathisanten der Besetzung des ehemaligen Topf-&-Söhne-Geländes, die mit der „Entführung“ Aufmerksamkeit für ihren Protest erzeugen wollten.
Elf Tage später wurde Bernd auf dem Gelände einer ehemaligen Kaserne in Nohra zwischen Erfurt und Weimar wiedergefunden und anschließend an seinen Platz am Rathaus zurückgebracht.
Auch danach blieb es nicht immer ruhig: 2010 wurde Bernd unter anderem mit schwarzem Stift beschmiert. Andere KiKA-Figuren in Erfurt wurden ebenfalls beschädigt – beim Sandmännchen schlugen Unbekannte 2022 ein Loch in die Figur, Hein Blöd wurde 2019 sogar der Kopf abgeschlagen.
Erst 2024 wurde Bernd umfassend restauriert
Besonders ärgerlich für die Stadt: Die Figur war erst im August 2024 umfassend aufgearbeitet worden. Schäden wurden damals beseitigt und die Oberfläche erneuert.
Umso größer war die Sorge nach der aktuellen Farbattacke, dass erneut eine aufwendige Restaurierung nötig sein könnte. Diesmal ging es aber glimpflicher aus.
Vom Silberbrot wieder zum mürrischen Original
In den sozialen Netzwerken sorgten die Bilder des vollständig silbernen Bernd schnell für Aufmerksamkeit und zahlreiche Witze. Selbst die Stadt Erfurt nahm die Aktion mit dem für die Figur typischen trockenen Humor.
Nach der Reinigung ist der kurze Ausflug ins glamouröse Leben jedenfalls beendet. Bernd steht wieder braun neben dem Rathaus – mit verschränkten Armen, schlechter Laune und nur noch einigen silbernen Stellen in den Poren.
Die eigentliche Frage bleibt damit offen: Wer ausgerechnet Deutschlands berühmtestes schlecht gelauntes Brot zum glänzenden „Silberbrot“ machen wollte, muss die Polizei noch herausfinden.
(fd/apa)