Blumen in der Wüste?
Der Kronehit Faktencheck
(05.10.2026) Während weite Teile Europas mit Trockenheit und Wassermangel kämpfen, zeigt sich ausgerechnet eine der trockensten Regionen der Erde in einem spektakulären Farbenmeer. In der Atacama-Wüste in Chile blühen derzeit auf tausenden Quadratkilometern hunderte Pflanzenarten. Mitverantwortlich dafür ist das Klimaphänomen El Niño.
Rund 200 Pflanzenarten erwachen in der Wüste
Normalerweise fällt in der Atacama-Wüste kaum Regen. Doch ungewöhnliche Niederschläge haben dafür gesorgt, dass Samen und Knollen, die teilweise jahrelang im trockenen Boden überdauern, plötzlich austreiben.
Auf einer Fläche von rund 17.000 Quadratkilometern wachsen derzeit etwa 200 verschiedene Pflanzenarten. Der Höhepunkt der Blüte wird im Oktober erwartet, bis Ende November dürfte das Naturschauspiel noch zu sehen sein.
Rund eine Million Besucher werden in den betroffenen Nationalparks erwartet.
El Niño bringt Regen nach Südamerika
Der Grund für die ungewöhnlichen Niederschläge liegt auch bei El Niño. Dabei erwärmt sich das Oberflächenwasser im tropischen Pazifik ungewöhnlich stark. Gleichzeitig verändern sich die Passatwinde und damit auch die großen Luft- und Niederschlagsströmungen.
An der sonst extrem trockenen Pazifikküste Südamerikas kann dadurch deutlich mehr feuchte Luft ankommen. Für die Atacama bedeutet das Regen – und damit die Voraussetzung für das seltene „Desierto Florido“, die blühende Wüste.
Warum ist Europa gleichzeitig so trocken?
Dass es in Chile regnet, bedeutet allerdings nicht, dass dieser Regen Europa „fehlt“. El Niño verschiebt globale Wettermuster, wirkt sich aber in verschiedenen Regionen völlig unterschiedlich aus.
Die Trockenheit in Europa wird vor allem durch lange Hochdruckphasen, geringe Niederschläge und hohe Temperaturen verschärft. Bleibt Regen über Wochen aus, trocknen Böden und Flüsse zunehmend aus.
Hinzu kommt die Hitze: Je höher die Temperaturen steigen, desto mehr Wasser verdunstet aus Böden, Pflanzen und Gewässern. Dadurch kann sich eine bereits bestehende Dürre zusätzlich verstärken.
El Niño beeinflusst auch Europa – aber indirekt
El Niño kann zwar auch das europäische Wetter beeinflussen, der Zusammenhang ist hier jedoch wesentlich komplizierter als an der Pazifikküste Südamerikas.
Je nach Jahreszeit können sich durch die Veränderungen im Pazifik auch Jetstream, Tiefdruckgebiete und Sturmzüge über dem Atlantik verschieben. In Teilen Nord- und Westeuropas kann das später sogar mehr Regen und stürmischeres Wetter bringen.
Blühende Wüste ist nur ein kurzes Naturschauspiel
Für die Atacama ist der Regen außergewöhnlich wertvoll. Viele Pflanzen haben sich perfekt an jahrelange Trockenzeiten angepasst und warten im Boden auf genau solche seltenen Bedingungen.
Sobald ausreichend Wasser vorhanden ist, beginnt innerhalb kurzer Zeit die Blüte. Danach kehrt die Atacama-Wüste wieder zu ihrem extrem trockenen Normalzustand zurück.
Das scheinbare Paradox bleibt damit bestehen: Während Europa unter Trockenheit leidet, verwandelt ungewöhnlicher Regen eine der trockensten Wüsten der Welt für wenige Wochen in ein riesiges Blütenmeer.
(fd/apa)