Bub (9) ertrinkt bei Ausflug!
Brunnen unzureichend gesichert?
(21.09.2026) Der Tod des neunjährigen Vincenzo Lantieri beschäftigt die italienische Justiz bis heute. Der Bub stürzte am 27. Juni 2024 während eines Sommercamps auf einem landwirtschaftlichen Anwesen bei Palazzolo Acreide auf Sizilien in einen rund 15 Meter tiefen artesischen Brunnen. Trotz eines sofortigen Rettungsversuchs konnte Vincenzo nicht mehr gerettet werden. Mehr als zwei Jahre später müssen sich neun Personen wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung verantworten.
Ausflug auf landwirtschaftliches Anwesen endet tödlich
Vincenzo nahm an einem sogenannten Grest, einem italienischen Sommer- und Ferienprogramm für Kinder, teil. Die Gruppe hielt sich an diesem Tag auf einem landwirtschaftlich genutzten Anwesen in der Contrada Falabia nahe Palazzolo Acreide auf. Das Gelände wurde auch für Aktivitäten mit Kindern genutzt.
Dort befand sich ein artesischer Brunnen. Dabei handelt es sich nicht um einen klassischen Ziehbrunnen mit Kurbel und Eimer, sondern um einen senkrechten Wasserschacht, dessen Öffnung normalerweise durch eine Abdeckung gesichert ist.
Abdeckung gibt nach – Bub stürzt in die Tiefe
Nach der Rekonstruktion der Ermittler soll Vincenzo auf die Abdeckung des Brunnens gestiegen sein. Die Konstruktion gab nach und der Neunjährige stürzte in den Schacht. Der Brunnen war etwa 15 Meter tief, die Wasseroberfläche befand sich mehrere Meter unterhalb der Öffnung.
Eine 54-jährige Betreuerin versuchte sofort, dem Kind zu helfen und stieg selbst in den Brunnen hinab. Dabei geriet auch sie in Schwierigkeiten. Einsatzkräfte der Feuerwehr konnten die Frau schließlich retten. Für Vincenzo kam jedoch jede Hilfe zu spät. Eine spätere Obduktion ergab Ertrinken als Todesursache.
War der Brunnen ausreichend gesichert?
Im Mittelpunkt der Ermittlungen steht seither die Frage, wie ein Kind während eines betreuten Ferienprogramms überhaupt Zugang zu einem derart gefährlichen Schacht bekommen konnte.
Die Staatsanwaltschaft untersucht unter anderem, ob der Brunnen ausreichend abgesichert und gekennzeichnet war. Ebenso geht es um die Frage, ob Betreuungspersonen ihre Aufsichtspflichten erfüllt haben und ob bekannte Gefahrenstellen auf dem Gelände entsprechend gesichert worden waren.
Nach Ansicht der Ermittler könnte der Tod des Kindes möglicherweise durch bessere Sicherheitsmaßnahmen verhindert worden sein. Ob einzelne Personen tatsächlich strafrechtlich verantwortlich sind, muss nun das Gericht entscheiden.
Zunächst zehn Beschuldigte – jetzt neun Angeklagte
Im Verlauf der Ermittlungen gerieten zunächst zehn Personen ins Visier der Staatsanwaltschaft. Inzwischen müssen sich neun Angeklagte vor Gericht verantworten. Darunter befinden sich Verantwortliche des Geländes sowie Personen, die an der Betreuung der Kinder beteiligt waren.
Der zentrale Vorwurf lautet: fahrlässige Tötung. Die Ermittlungen beschäftigten sich sowohl mit der Sicherung des Brunnens als auch mit der Organisation des Sommercamps und der Beaufsichtigung der Kinder.
Familie fordert vollständige Aufklärung
Vincenzos Eltern verlangen bis heute eine vollständige Aufklärung der Tragödie. Der Fall erhielt im März 2026 erneut große Aufmerksamkeit in Italien, nachdem die Fernsehsendung „Le Iene“ über den Tod des Kindes und die Ermittlungen berichtete.
Für die Familie steht vor allem eine Frage im Mittelpunkt: Hätte Vincenzos Tod verhindert werden können? Genau das soll nun im Verfahren geklärt werden.
Das Gericht muss entscheiden, wer für die Sicherheit auf dem Gelände verantwortlich war, ob der Brunnen ausreichend geschützt wurde und ob bei der Betreuung der Kinder Fehler gemacht wurden. Bis zu einer rechtskräftigen Entscheidung gilt für alle Angeklagten die Unschuldsvermutung.
(fd)