Wer hat Antworten für Berlin?

Die Linke oder die AfD?

(21.09.2026) Der Wahlerfolg zeigt vor allem, wie stark sich Berlin politisch auseinanderentwickelt. Die Linke setzt auf mehr staatliche Eingriffe, Umverteilung und stärkeren Mieterschutz. Die AfD stellt dagegen vor allem Migration, Sicherheit und die Frage in den Mittelpunkt, wer bei knappen staatlichen Ressourcen zuerst berücksichtigt werden soll.

Die Linke: Mieten drücken, große Konzerne zur Kasse bitten

Bei der Wohnungspolitik will die Linke deutlich stärker eingreifen. Für die mehr als 380.000 landeseigenen Wohnungen fordert sie einen Mietendeckel. Große Immobilienkonzerne sollen nach dem Volksentscheid vergesellschaftet werden. Außerdem sollen private Vermieter bei Neuvermietungen stärker verpflichtet werden, Wohnungen zu bezahlbaren Preisen anzubieten. Die Linke Berlin

Auch sozialpolitisch verfolgt die Partei einen klaren Kurs: mehr öffentliche Kontrolle, stärkere Umverteilung und mehr Schutz für Menschen mit niedrigen Einkommen. Beim Wohnen sollen soziale Kriterien stärker zählen als Einkommen oder Herkunft.

AfD: Weniger Migration und Vorrang für bereits Ansässige

Die AfD setzt einen deutlich anderen Schwerpunkt. In ihren Berliner Programmen fordert sie eine restriktivere Migrationspolitik und verbindet diese ausdrücklich mit dem angespannten Wohnungsmarkt. In Treptow-Köpenick wirbt die Partei etwa mit der Forderung nach „bezahlbarem Wohnraum – zuerst für Einheimische“ und spricht sich gegen eine aus ihrer Sicht zu starke Belastung von Bezirken durch Migration aus. AfD Treptow-Köpenick

Der Unterschied zur Linken könnte kaum größer sein: Während die Linke Geflüchteten ausdrücklich Zugang zu regulären und bezahlbaren Wohnungen ermöglichen und Unterkünfte stärker in öffentliche oder gemeinnützige Hand bringen will, möchte die AfD den Zugang über eine deutlich restriktivere Zuwanderungspolitik begrenzen.

Wohnungsnot wird damit auch zur Migrationsfrage

Genau hier treffen sich zwei der größten Berliner Konfliktthemen. Wohnungen sind knapp, gleichzeitig konkurrieren immer mehr Menschen um bezahlbaren Wohnraum.

Die Linke sieht das Hauptproblem vor allem bei hohen Mieten, privaten Renditeinteressen und zu wenig sozialem Wohnungsbau. Die AfD betont dagegen stärker den zusätzlichen Druck, den Zuwanderung auf Wohnraum und öffentliche Infrastruktur aus ihrer Sicht erzeugt. Beide Parteien versprechen Lösungen – aber aus völlig unterschiedlichen politischen Richtungen.

CDU zwischen beiden Lagern

Für die CDU wird genau diese Polarisierung zum Problem. Auf der einen Seite steht eine Linke, die mit Mieterschutz und sozialer Umverteilung mobilisiert. Auf der anderen Seite gewinnt die AfD mit einem wesentlich härteren Kurs bei Migration und Sicherheit. Bundeskanzler Friedrich Merz und die CDU müssen deshalb beantworten, wie sie gleichzeitig Wähler zurückgewinnen wollen, die einen strengeren Migrationskurs verlangen, und jene, die vor allem wegen Mieten, Lebenshaltungskosten und sozialer Unsicherheit unzufrieden sind. Der Berliner Wahlausgang macht sichtbar, dass die Union von beiden Seiten unter Druck steht.

Merz selbst machte nach den Niederlagen aber klar, dass er weitermachen will. Das Ergebnis in Mecklenburg-Vorpommern bezeichnete er zwar als „Desaster“, zugleich kündigte er an, am Reformkurs der Bundesregierung festzuhalten. Deutschland brauche weitere Veränderungen bei Wirtschaft, Steuern, Bürokratie und Renten, argumentierte der Kanzler. Einen Rückzug oder einen Wechsel an der CDU-Spitze stellte er nicht in Aussicht.

Damit steigt allerdings auch der persönliche Druck auf Merz: Wenn die CDU weiter Wähler sowohl an die AfD als auch an Parteien links der Mitte verliert, wird die Frage lauter werden, ob sein Kurs die Union tatsächlich wieder verbreitern kann. Vorerst setzt Merz jedoch ausdrücklich auf Weitermachen statt Neustart.

(fd)

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