Diesel um 1,36 Euro pro Liter?
Katastrophenzustand in Texas
(30.09.2026) Für Autofahrer in Österreich klingt der Preis beinahe traumhaft: Diesel kostet in Texas derzeit umgerechnet rund 1,36 Euro pro Liter. Trotzdem hat der republikanische Gouverneur Greg Abbott für den gesamten US-Bundesstaat den Katastrophenzustand ausgerufen. Der Grund ist nicht der absolute Preis im europäischen Vergleich, sondern der massive Preissprung innerhalb weniger Monate und die Sorge vor einer Dieselknappheit, die Landwirtschaft, Güterverkehr und damit auch die Lebensmittelpreise trifft.
Diesel kostet in Texas aktuell 5,83 Dollar pro Gallone
Nach aktuellen Daten des US-Automobilclubs AAA kostet Diesel in Texas im Durchschnitt 5,8253 US-Dollar pro Gallone. Eine US-Gallone entspricht rund 3,785 Litern. Beim aktuellen Wechselkurs ergibt das rund 1,36 Euro pro Liter. Noch vor einem Jahr lag der Dieselpreis in Texas bei lediglich 3,20 Dollar pro Gallone.
Damit ist Diesel innerhalb eines Jahres um mehr als 80 Prozent teurer geworden. Den bisherigen Rekord erreichte Texas erst am 19. September 2026 mit durchschnittlich 5,9797 Dollar pro Gallone. Ende August waren es noch rund 5,20 Dollar.
In Österreich wäre 1,36 Euro derzeit ein Schnäppchen
Besonders auffällig wird die Situation beim Vergleich mit Österreich. Hier lag der österreichweite Medianpreis für Diesel laut E-Control zuletzt bei rund 2,25 Euro pro Liter. Mitte September wurde mit 2,268 Euro sogar ein neuer Tages-Höchstwert erreicht. Damit kostet Diesel in Texas trotz des dortigen Katastrophenzustands umgerechnet derzeit fast 40 Prozent weniger als in Österreich.
Der Vergleich zeigt allerdings auch, warum dieselben Preise in unterschiedlichen Ländern völlig anders wahrgenommen werden. Die USA haben wesentlich niedrigere Kraftstoffsteuern als viele europäische Staaten. Entsprechend sind amerikanische Autofahrer und Unternehmen an deutlich niedrigere Spritpreise gewöhnt.
Warum Texas trotzdem den Katastrophenzustand ausruft
Abbott begründet die drastische Maßnahme vor allem mit den Auswirkungen auf die Landwirtschaft und den Güterverkehr. Texas gehört zu den größten Agrar- und Logistikstandorten der Vereinigten Staaten. Landwirtschaftliche Maschinen, schwere Lastwagen und große Teile der Lieferketten sind vom Diesel abhängig.
In der offiziellen Katastrophenerklärung heißt es, die Dieselknappheit stelle eine unmittelbare Gefahr für die öffentliche Sicherheit und die Wirtschaft dar. Höhere Treibstoffkosten würden Landwirte, Transportunternehmen und die Bauwirtschaft belasten und letztlich zu höheren Preisen für Lebensmittel und andere Waren führen. Der Katastrophenzustand gilt für alle 254 Bezirke von Texas.
Roter Diesel darf plötzlich auf die Straße
Mit der Notmaßnahme lockert Texas mehrere Vorschriften. Besonders ungewöhnlich: Rot eingefärbter Diesel, der normalerweise nur für landwirtschaftliche Maschinen, Baumaschinen und andere Offroad-Fahrzeuge gedacht ist, darf vorübergehend auch auf öffentlichen Straßen verwendet werden.
Chemisch unterscheidet sich dieser Diesel nicht wesentlich vom normalen Treibstoff. Die rote Färbung zeigt jedoch an, dass darauf normalerweise keine Straßen-Kraftstoffsteuer entrichtet wurde. Deshalb ist seine Verwendung in gewöhnlichen Straßenfahrzeugen normalerweise verboten. Abbott setzt diese Beschränkungen und damit verbundene Strafen vorübergehend aus, um mehr Diesel verfügbar zu machen. Die eigentliche Kraftstoffsteuer selbst wurde jedoch nicht abgeschafft.
Schwerere Lkw dürfen unterwegs sein
Zusätzlich lockert Texas Vorschriften für schwere Transporte. Fahrzeuge mit Treibstoff, landwirtschaftlichen Produkten oder Holz dürfen vorübergehend schwerere Ladungen transportieren. Das zulässige Gesamtgewicht kann unter den neuen Regeln bis zu 95.000 Pfund, also rund 43 Tonnen, betragen.
Dadurch sollen mit weniger Fahrten größere Mengen Diesel und andere wichtige Güter transportiert werden können. Außerdem wurden Teile der texanischen Vorschriften für emissionsärmeren Diesel ausgesetzt, soweit dies bundesrechtlich möglich ist.
Abbott bittet Washington um weitere Ausnahme
Der Gouverneur geht noch einen Schritt weiter und hat die amerikanische Umweltbehörde EPA aufgefordert, zeitweise auch bestimmte bundesweite Vorschriften für besonders schwefelarmen Diesel zu lockern.
Abbott argumentiert, dass dadurch mehr Diesel für Texas verfügbar gemacht und der Preisdruck reduziert werden könnte. In seinem Schreiben an die EPA verweist er ausdrücklich auf den Rekordpreis von knapp 5,98 Dollar pro Gallone im September.
Iran-Konflikt lässt Energiepreise steigen
Ein wesentlicher Hintergrund für die Preisexplosion ist die angespannte Lage auf den internationalen Energiemärkten. Der seit Monaten andauernde Konflikt zwischen den USA, Israel und dem Iran hat nach Angaben texanischer Medien Öl- und Gasexporte aus dem Nahen Osten beeinträchtigt und die Energiepreise weltweit nach oben getrieben.
Anfang Februar kostete Diesel in Texas noch rund 3,30 Dollar pro Gallone. Ende September sind es fast 5,83 Dollar. Genau dieser schnelle Anstieg ist entscheidend für die Notmaßnahmen – nicht die Frage, ob 1,36 Euro pro Liter im internationalen Vergleich günstig erscheinen.
Kritik an Abbott und Streit über Steuern
Die hohen Spritpreise sind in den USA inzwischen auch ein politisches Thema. Die Demokraten in Texas fordern unter anderem eine Entlastung bei der Kraftstoffsteuer und machen auch die Außen- und Handelspolitik der Regierung von Präsident Donald Trump für einen Teil des Preisdrucks verantwortlich.
Abbotts Büro hält dagegen, dass der Gouverneur Steuern nicht einfach im Alleingang abschaffen könne. Seine Maßnahmen konzentrieren sich deshalb vorerst darauf, Vorschriften zu lockern und mehr Diesel auf den Markt zu bringen.
Katastrophenzustand
Wichtig ist dabei: Der Katastrophenzustand bedeutet nicht, dass die Tankstellen in Texas flächendeckend leer sind. Die Erklärung schafft vor allem rechtliche Möglichkeiten, um bei einer angespannten Versorgung schneller handeln zu können.
Offiziell begründet Texas die Maßnahme mit einer drohenden beziehungsweise bereits spürbaren Dieselknappheit und den wirtschaftlichen Folgen der Rekordpreise. Sie soll vor allem Landwirtschaft und Transportwirtschaft entlasten und zusätzliche Treibstoffmengen verfügbar machen.
1,36 Euro in Texas – mehr als 2 Euro in Österreich
Was für österreichische Autofahrer paradox klingt, hat deshalb einen einfachen Hintergrund: Spritpreise sind relativ zu dem Preisniveau zu sehen, an das ein Land gewöhnt ist. In Österreich lag Diesel zuletzt bei mehr als zwei Euro pro Liter. In Texas gilt ein Preis von umgerechnet rund 1,36 Euro bereits als außergewöhnlich hoch.
Der treffendere Vergleich lautet daher nicht: „Texas ruft wegen 1,36 Euro Diesel den Katastrophenzustand aus.“ Entscheidend ist vielmehr, dass sich der Dieselpreis dort innerhalb eines Jahres von rund 3,20 auf 5,83 Dollar pro Gallone erhöht hat und damit Landwirtschaft, Lkw-Verkehr und Lieferketten zunehmend unter Druck geraten.
(fd/krone)