Ersetzt KI Schauspieler?
alles geht schief
(24.09.2026) Tilly Norwood ist Hollywoods neue KI-Schauspielerin. Erschaffen wurde sie 2025 von Xicoia, der KI spezialisierten Abteilung der britischen Produktionsfirma Particle6 Group. Hinter dem Projekt steht die niederländische Filmemacherin und Komikerin Eline van der Velden.
Brünette Haare, braune Augen, britischer Akzent: Norwood soll wie eine echte Schauspielerin wirken. Doch genau das sorgt für Wirbel. Emily Blunt, Scarlett Johansson und Cate Blanchett äußerten öffentlich scharfe Kritik.
75 Interviews und alle gehen schief
Eigentlich sollte der Avatar nur Werbung für den Film Misaligned machen. Darin geht es um Tilly, ein „KI-Wesen“ ohne Körper und eigene Erfahrungen, das von einem bösartigen Bot dazu gebracht wird, seine Grenzen zu überschreiten und menschliche Wünsche und Impulse zu entwickeln. Der Filmtitel passt dabei erstaunlich gut: Bei ihren Interviews zeigte die „Hauptdarstellerin“, dass es mit dem Alignment, also die Anpassung von KI an menschliche Werte und Erwartungen, gar nicht klappt. Den heftigsten Ausrutscher hatte die KI-Darstellung in der britischen Talkshow Piers Morgan Uncensored. Mitten im Satz begann Norwood plötzlich Kantonesisch zu sprechen. "Da hatte ich anscheinend einen kleinen Ausrutscher. Ich wollte ganz sicher nicht plötzlich Chinesisch sprechen oder mich als Piers ausgeben", antwortete Norwood.
Hänger und totes Starren
Endloses warten, starren und plappern waren Hauptbestandteil des Interviews. Der KI-Bot hatte offensichtlich Schwierigkeiten bereits einfache Fragen zum Film zu beantworten. Oscarpreisträger Tom Conti wollte es genauer wissen: "Sind die anderen Darsteller in Misaligned ebenfalls KI-generiert?" „Das ist eine interessante Frage“, antwortete Norwood nach kurzer Denkpause. Statt einer klaren Antwort folgte allerdings ein Ausweichmanöver: "Der Film sei eine Hybridproduktion, an der weiterhin echte Regisseure, Drehbuchautoren und Cutter beteiligt seien. Es gehe nicht darum, Menschen zu ersetzen, sondern neue Formen des Geschichtenerzählens auszuprobieren."
Conti hakte nach. „Du hast meine Frage nicht wirklich verstanden“, stellte er fest und wollte erneut wissen, ob auch die anderen Schauspieler künstlich erzeugt wurden. Darauf folgte Stille. Die Software schien hängen geblieben zu sein, denn Nordwood reagierte nicht mehr.
Software spricht auf einmal chinesisch
Kurz darauf kam doch noch eine Antwort: Bei den anderen Darstellern handle es sich um „digitale Zwillinge“. Danach landete Norwood allerdings wieder bei ihrer Erklärung zur Hybridproduktion und wechselte mitten im Satz plötzlich ins Chinesische.
Ihre Schöpfer erklärten den Vorfall so: Tilly sei eben „autonom“ und habe lediglich mit ihren Sprachkenntnissen angeben wollen.
Ernüchterndes Ergebnis
Auch der Hollywood Reporter fragte sich zunächst: Warum eigentlich einen KI-Bot interviewen? Aus Neugier machte man es trotzdem. Das Ergebnis war allerdings ernüchternd. Das Gespräch sei schnell zu einer ziemlich inhaltsleeren Angelegenheit geworden. Von beeindruckender Technologie könne keine Rede sein. Stattdessen wirkte das Interview einstudiert, holprig und vollgepackt mit peinlichen Einzeilern.
Auch optisch überzeugte Norwood wenig. Die „Schauspielerin“ starrte ausdruckslos in die Kamera und wirkte, als hätte man sämtliche Gen-Z-Klischees aus einem TikTok-Account zusammengeklaubt.
Dass die KI bald echten Schauspielern ihren Job wegnimmt, ist nach diesen Interviews wohl eher unwahrscheinlich.
(ME)