Firmenpleiten auf Rekordhoch

7.000 allein in Österreich

(06.05.2026) So viele Firmenpleiten wie noch nie seit mehr als 20 Jahren: Westeuropa erlebt derzeit eine massive Insolvenzwelle. Laut einer aktuellen Erhebung des Gläubigerschutzverbandes Creditreform stieg die Zahl der Unternehmensinsolvenzen 2025 auf insgesamt 197.610 Fälle – der höchste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2002. Auch Österreich bleibt von der Krise nicht verschont. Hierzulande stiegen die Firmenpleiten bereits das vierte Jahr in Folge.

Schwacher Welthandel belastet Unternehmen massiv

Als Hauptgründe nennen Experten die schwache Weltwirtschaft, hohe Energiepreise und internationale Krisen.

„Wir sind in einer neuen Realität seit 2020“, erklärte Patrik-Ludwig Hantzsch von der Creditreform Wirtschaftsforschung.

Die zahlreichen Krisen der vergangenen Jahre würden sich mittlerweile „kumulieren“ und hätten eine strukturelle Krise ausgelöst.

Besonders problematisch seien:

  • hohe Energiekosten
  • sinkende Exportquoten
  • geopolitische Konflikte
  • schwacher Konsum
  • steigender Wettbewerbsdruck

Fast 200.000 Firmenpleiten in Westeuropa

Insgesamt registrierten die untersuchten Staaten in Westeuropa 2025 rund 4,8 Prozent mehr Unternehmensinsolvenzen als im Jahr davor.

Besonders starke Anstiege gab es in:

  • Schweiz: +35,3 Prozent
  • Griechenland: +24,4 Prozent
  • Finnland: +12,1 Prozent
  • Deutschland: +8,8 Prozent

Österreich lag mit einem Plus von 4,3 Prozent im europäischen Mittelfeld.

Einige Länder verzeichneten dagegen Rückgänge, darunter:

  • Niederlande
  • Irland
  • Norwegen

Fast 7.000 Firmenpleiten in Österreich

In Österreich stieg die Zahl der Firmeninsolvenzen auf 6.982 Fälle. Im Jahr davor waren es noch 6.693.

Damit nähert sich Österreich wieder den Höchstständen der Finanzkrise 2009, als erstmals mehr als 7.000 Firmenpleiten registriert wurden.

Besonders betroffen war der Dienstleistungssektor.

Mehr als die Hälfte aller Insolvenzen entfiel auf:

  • Dienstleistungen: 52,7 Prozent
  • Handel
  • Gastronomie
  • Bauwirtschaft

Während die Pleiten bei Dienstleistern deutlich zunahmen, gab es etwa im Baugewerbe zuletzt leichte Rückgänge.

Verbraucher halten ihr Geld zurück

Vor allem Handel und Gastronomie leiden laut Experten unter der Kaufzurückhaltung vieler Menschen.

„Der Verbraucher lässt das Geld in der Tasche“, sagte Hantzsch.

Auch das verarbeitende Gewerbe kämpft weiter mit Problemen. Dort stiegen die Insolvenzen ebenfalls an – wenn auch nicht mehr ganz so stark wie im Jahr davor.

Erste leichte Entspannung in Österreich

Trotz der dramatischen Zahlen gibt es zuletzt erste Anzeichen für eine leichte Entspannung.

Im ersten Quartal 2026 gingen die Unternehmensinsolvenzen in Österreich laut Creditreform um 2,1 Prozent zurück.

Bei eröffneten Insolvenzverfahren gab es sogar:

  • minus 7,2 Prozent im ersten Quartal
  • minus 11 Prozent im April

Deshalb rechnet Creditreform für 2026 erstmals wieder mit leicht sinkenden Insolvenzzahlen.

Erwartet werden weniger als 6.800 Firmenpleiten.

Situation in Osteuropa deutlich besser

Deutlich stabiler zeigt sich die Lage in Mittel- und Osteuropa.

Dort sank die Zahl der Unternehmensinsolvenzen 2025 insgesamt um 7,1 Prozent auf 36.939 Fälle.

Besonders starke Rückgänge gab es in:

  • Kroatien
  • Polen
  • Ungarn
  • Slowakei

Nur wenige Länder verzeichneten steigende Zahlen, darunter:

  • Bulgarien
  • Rumänien
  • Slowenien
  • Tschechien

Handel und Dienstleistungen besonders betroffen

Sowohl in West- als auch in Osteuropa zählen Handel und Dienstleistungen zu den am stärksten betroffenen Branchen.

In Mittel- und Osteuropa entfielen:

  • 33,7 Prozent der Insolvenzen auf den Handel
  • 32,7 Prozent auf Dienstleistungen
  • jede fünfte Insolvenz auf die Baubranche

Experten gehen davon aus, dass die wirtschaftliche Unsicherheit auch in den kommenden Monaten hoch bleiben wird.

(fd/apa)

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