EZB erhöht Leitzins
2,25 auf 2,50 Prozent
(10.09.2026) Die Europäische Zentralbank (EZB) zieht die Zinszügel erneut an: Der für die Geldpolitik maßgebliche Einlagensatz steigt um 0,25 Prozentpunkte von 2,25 auf 2,50 Prozent. Damit erreicht das Zinsniveau den höchsten Stand seit rund eineinhalb Jahren. Es ist bereits die zweite Zinserhöhung 2026, nachdem die EZB im Juni erstmals wieder nach oben gegangen war.
Warum die EZB die Zinsen erhöht
Hauptgrund ist die hartnäckige Inflation im Euroraum. Sie lag zuletzt bei 3,3 Prozent und damit deutlich über dem EZB-Ziel von zwei Prozent. Vor allem die Folgen des Konflikts im Nahen Osten und stark gestiegene Energie- und Ölpreise sorgen weiter für Preisdruck. Öl kostete zuletzt wieder mehr als 100 Dollar je Barrel. Die EZB will verhindern, dass sich diese höheren Kosten dauerhaft in Waren, Dienstleistungen und Löhnen festsetzen.
Für 2026 erwartet die Notenbank weiterhin eine durchschnittliche Inflation von 3,0 Prozent. Auch 2027 soll sie mit 2,5 Prozent noch über dem Ziel liegen, 2028 werden 2,1 Prozent erwartet.
Was die Zinserhöhung für Kredite bedeutet
Für Verbraucher ist die Nachricht vor allem bei neuen Krediten und variabel verzinsten Finanzierungen relevant. Höhere EZB-Zinsen können dazu führen, dass Banken für Wohnbau-, Konsum- und Unternehmenskredite höhere Zinsen verlangen. Schon im Juli lag der durchschnittliche Zinssatz für neue Wohnbaukredite im Euroraum laut EZB bei rund 3,54 Prozent.
Wer einen Kredit mit langfristig fixem Zinssatz abgeschlossen hat, spürt die Zinserhöhung dagegen normalerweise nicht unmittelbar während der Fixzinsperiode.
Gute Nachricht für Sparer
Für Sparer kann die Zinserhöhung dagegen Vorteile bringen. Banken erhalten für Einlagen bei der EZB künftig höhere Zinsen und könnten einen Teil davon über bessere Konditionen für Tages- und Festgeld weitergeben. Eine automatische Erhöhung der Sparzinsen gibt es allerdings nicht.
Schon vor dem heutigen Zinsschritt war Bewegung am Markt zu beobachten: Die durchschnittlichen Tagesgeldangebote in Deutschland waren seit Jahresbeginn gestiegen, auch Festgeld wurde attraktiver.
Weitere Zinserhöhung schon im Dezember möglich
Ob es bei 2,50 Prozent bleibt, ist keineswegs sicher. An den Finanzmärkten wird bereits über einen weiteren Zinsschritt im Dezember 2026 spekuliert. EZB-Präsidentin Christine Lagarde macht weitere Entscheidungen jedoch von Inflation, Wirtschaftsentwicklung und neuen Daten abhängig.
Damit beginnt für Kreditnehmer erneut eine schwierigere Phase: Geld leihen dürfte tendenziell teurer werden – Sparen könnte sich dagegen wieder stärker lohnen.
(fd/apa)