Ferien sollen gekürzt werden?
Elternvertretung startet Debatte
(10.06.2026) Die Sommerferien könnten in Österreich künftig deutlich kürzer werden. Der Landesverband der Wiener Pflichtschulelternvereine fordert, die derzeit neunwöchigen Sommerferien auf sechs Wochen zu reduzieren. Die dadurch gewonnenen drei Wochen sollen für zusätzliche Bildungs- und Betreuungsangebote genutzt werden.
Der Vorschlag sorgt bereits jetzt für Diskussionen. Während die Elternvertretung auf Lernverluste und Betreuungsprobleme verweist, sehen Kritiker die Erholungsphase der Kinder gefährdet.
Eltern sehen Lernverluste nach langen Ferien
Für den Wiener Elternvertreter Georg Brockmeyer sind die neun Wochen Sommerferien nicht mehr zeitgemäß. Die Regelung stamme aus einer Zeit, in der Kinder während der Erntezeit auf landwirtschaftlichen Betrieben gebraucht wurden.
Heute würden die langen Ferien hingegen vor allem zu Problemen führen. Einerseits müssten viele Eltern die Betreuung ihrer Kinder über einen sehr langen Zeitraum organisieren. Andererseits würden Schüler während der Sommerpause wichtige Lerninhalte vergessen.
Tatsächlich zeigen Studien, dass es während längerer Ferien zu sogenannten "Ferieneffekten" kommen kann. Forscher der Universität Graz stellten fest, dass Schüler nach den Sommerferien vor allem in Mathematik, Rechtschreibung und logischem Denken schlechter abschnitten als vor den Ferien.
Sechs Wochen Ferien sind in vielen Ländern üblich
Die Wiener Elternvertretung verweist dabei auch auf andere europäische Länder. In Deutschland, Dänemark und Großbritannien dauern die Sommerferien vielerorts lediglich sechs Wochen.
Allerdings zeigt ein europäischer Vergleich, dass Österreich mit seinen neun Wochen Sommerferien keineswegs zu den Spitzenreitern zählt. In vielen Ländern Südeuropas dauern die Sommerferien sogar zehn bis zwölf Wochen oder noch länger.
Neue Sommerschule statt zusätzlicher Freizeit
Die frei werdenden drei Wochen sollen nach den Vorstellungen der Elternvertretung nicht einfach regulärer Unterricht werden. Stattdessen schlagen die Elternvertreter eine neue Form der Sommerschule vor.
Geplant sind unter anderem:
- Schwimmkurse
- Radfahrtrainings
- Projektwochen
- Sportangebote
- Altersübergreifende Lerngruppen
- Förderprogramme für Schüler mit Lernrückständen
- Zusatzangebote für besonders leistungsstarke Kinder
Als Vorbild werden die Wiener "Summer City Camps" genannt, die bereits heute Freizeit- und Bildungsangebote während der Ferien kombinieren.
Experten sehen Vor- und Nachteile
Die Diskussion über die Länge der Sommerferien wird seit Jahren geführt. Bildungsforscher weisen darauf hin, dass längere Ferien tatsächlich zu Wissensverlusten führen können. Besonders betroffen sind mathematische Fähigkeiten und Rechtschreibung, weil diese im Alltag seltener trainiert werden.
Gleichzeitig zeigen die Untersuchungen aber auch, dass viele dieser Verluste nach einigen Wochen Unterricht wieder aufgeholt werden können. Zudem benötigen Kinder und Jugendliche längere Erholungsphasen nach einem Schuljahr.
Bildungsministerium bisher gegen Kürzung
Bisher lehnt das Bildungsministerium eine Verkürzung der Sommerferien ab. In der Vergangenheit wurde argumentiert, dass Kinder die längere Auszeit zur Erholung benötigen. Auch wurde darauf verwiesen, dass Österreichs Sommerferien im europäischen Vergleich keineswegs außergewöhnlich lang seien.
(fd)