Houthis erobern Meerenge?
Verschärfung der Ölkrise?
(11.09.2026) Die vom Iran unterstützten Houthi-Rebellen im Jemen haben ihre Position am Bab al-Mandab massiv ausgebaut und damit eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt unter zusätzlichen Druck gesetzt. Nach der Einnahme der Hafenstadt Mokka (Mocha) brachten die Houthis am Freitag auch die strategisch gelegene Insel Mayyun, auch Perim genannt, sowie nach Regierungsangaben den Küstenort Dhubab unter ihre Kontrolle. Von einer vollständigen Sperre der Meerenge kann derzeit allerdings noch nicht gesprochen werden – die Miliz verfügt nun aber über eine deutlich stärkere militärische Position entlang des Nadelöhrs zwischen Rotem Meer und Golf von Aden.
Bab al-Mandab wird zum neuen Brennpunkt im Nahen Osten
Der Bab al-Mandab liegt zwischen Jemen auf der Arabischen Halbinsel sowie Dschibuti und Eritrea in Afrika. Die Meerenge bildet den südlichen Zugang zum Roten Meer und damit zur Route über den Suezkanal nach Europa. An ihrer schmalsten Stelle ist sie nur rund 29 Kilometer breit. Eine längerfristige Blockade würde zahlreiche Tanker und Containerschiffe zwingen, den wesentlich längeren Weg um das Kap der Guten Hoffnung in Südafrika zu nehmen.
Die Bedeutung ist 2026 noch einmal deutlich gestiegen. Weil der Verkehr durch die Straße von Hormuz infolge des Konflikts mit dem Iran stark eingebrochen ist, leitete unter anderem Saudi-Arabien zusätzliche Ölmengen über seine Ost-West-Pipeline an das Rote Meer um. Im zweiten Quartal 2026 passierten nach Angaben der US-Energiebehörde EIA durchschnittlich rund 8,1 Millionen Barrel Rohöl und Ölprodukte pro Tag den Bab al-Mandab – gegenüber 5,4 Millionen Barrel Ende 2025.
Insel Mayyun liegt mitten in strategischer Meerenge
Besonders brisant ist die Einnahme von Mayyun beziehungsweise Perim. Die kleine Vulkaninsel liegt direkt im Bab al-Mandab und teilt die Passage in zwei Fahrrinnen. Ein Vertreter der international anerkannten jemenitischen Regierung sowie ein Houthi-Vertreter bestätigten die Einnahme der Insel. Zuvor hatten die Rebellen bereits Mokka an der Küste des Roten Meeres unter ihre Kontrolle gebracht.
Damit können die Houthis den Schiffsverkehr in dem Gebiet wesentlich stärker bedrohen und überwachen. Das Wall Street Journal spricht angesichts der Einnahme von Mayyun und Dhubab bereits von einer faktisch stark erweiterten Kontrolle über den strategischen Engpass. Eine tatsächliche komplette Blockade des internationalen Schiffsverkehrs ist am Freitag jedoch nicht bestätigt.
Houthis: Internationale Schifffahrt soll weiter möglich sein
Die Houthis selbst versuchen gleichzeitig, Sorgen vor einer vollständigen Schließung zu dämpfen. Ihre Führung erklärte, die internationale Schifffahrt im Roten Meer und im Bab al-Mandab bleibe sicher und könne weiterlaufen. Das gilt nach Darstellung der Miliz jedoch ausdrücklich nicht uneingeschränkt für saudische Schiffe: Gegen Saudi-Arabien hält die Houthi-Seite an ihrer angekündigten Seeblockade fest.
Damit ist die Schlagzeile von einer „Einnahme der Meerenge“ nur mit Einschränkung korrekt. Die Houthis haben nicht das Meer selbst besetzt und die Passage bislang nicht vollständig geschlossen, kontrollieren nach ihren jüngsten Geländegewinnen aber entscheidende Positionen auf der jemenitischen Seite und mitten in der Meerenge.
Saudi-Arabien bombardiert Flughafen von Mokka
Saudi-Arabien reagierte militärisch auf den Vormarsch. Am Freitag griffen saudische Kampfjets nach übereinstimmenden Berichten den Flughafen von Mokka an, den die Houthis kurz zuvor unter ihre Kontrolle gebracht hatten. Die Houthi-Seite meldete zwei Angriffe. Nach Angaben von AP wurden zunächst keine Todesopfer durch diese Attacken gemeldet.
Die Kämpfe markieren eine dramatische Verschärfung des Jemen-Konflikts, nachdem die seit 2022 bestehende fragile Waffenruhe bereits zunehmend zerfallen war. Mehr als 46.000 Menschen sollen infolge der jüngsten Kämpfe um Mokka geflohen sein.
Saudi-Kronprinz bittet Trump um US-Angriffe
Die Lage sorgt offenbar auch im saudischen Königshaus für große Nervosität. Nach Informationen von Axios telefonierte Kronprinz Mohammed bin Salman am Donnerstag zweimal mit US-Präsident Donald Trump und drängte Washington zu militärischen Angriffen auf die Houthis. Trump lehnte eine direkte Intervention dem Bericht zufolge ab.
Die USA wollen Saudi-Arabien demnach zwar stärker unterstützen und haben selbst ein erhebliches Interesse daran, den Zugang zum Roten Meer offen zu halten. Washington versucht jedoch offenbar, eine weitere direkte Front zu vermeiden, während der Konflikt mit Iran weiterhin militärische und diplomatische Ressourcen bindet.
Ölpreis steigt über 100 Dollar
An den Rohstoffmärkten zeigen sich die Folgen der Eskalation bereits deutlich. Brent-Rohöl stieg am Freitag zeitweise auf mehr als 107 Dollar pro Barrel, während auch US-Öl deutlich über der Marke von 100 Dollar gehandelt wurde. Marktteilnehmer reagieren damit unter anderem auf die Gefahr, dass nach der Straße von Hormuz nun auch der zweite für die Region entscheidende Seeweg stärker eingeschränkt werden könnte.
Das Szenario ist insbesondere für Saudi-Arabien gefährlich: Wegen der Einschränkungen in Hormuz hat der Golfstaat einen größeren Teil seiner Ölversorgung über die East-West-Pipeline nach Yanbu am Roten Meer umgeleitet. Von dort aus führt der Weg Richtung Europa durch den Bab al-Mandab und anschließend über den Suezkanal. Gerät nun auch diese Route unter stärkeren Druck, werden die Ausweichmöglichkeiten für saudische Exporte kleiner.
Pakistan warnt Iran wegen Houthi-Angriffen
Auch Pakistan schaltet sich zunehmend in die Krise ein. Nach Angaben pakistanischer Sicherheitskreise forderte Islamabad den Iran mehrfach auf, mäßigend auf die Houthis einzuwirken. Armeechef Asim Munir soll bei einem Besuch in Teheran vor Konsequenzen gewarnt haben, sollten die Rebellen den Schiffsverkehr im Roten Meer tatsächlich massiv stören. Pakistan und Saudi-Arabien sind militärisch eng verbunden.
Der Iran gilt als wichtigster internationaler Unterstützer der Houthis. Behauptungen aus saudischen und jemenitischen Regierungs- und Geheimdienstkreisen, wonach iranische Revolutionsgarden den Vormarsch unmittelbar steuern, sind allerdings nicht unabhängig bestätigt. Teheran weist eine direkte militärische Kontrolle der Miliz zurück.
Droht jetzt tatsächlich eine Blockade des Roten Meeres?
Entscheidend werden die kommenden Tage. Durch die Einnahme von Mokka, Mayyun und weiteren Stellungen an der jemenitischen Westküste verfügen die Houthis über erheblich größeren Einfluss auf den Bab al-Mandab. Gleichzeitig erklären sie bislang, den allgemeinen internationalen Handel nicht stoppen zu wollen.
(fd/apa)