Rekord-Hitzesommer

Gewessler stellt Klima-Ultimatum

(11.09.2026) Nach dem heißesten Sommer der österreichischen Messgeschichte erhöht Grünen-Chefin Leonore Gewessler den Druck auf die Bundesregierung. Weil das angekündigte neue Klimaschutzgesetz noch nicht als fertiges Gesetz vorliegt, haben die Grünen für Montag, 14. September, eine Sondersitzung des Nationalrats verlangt. Dort sollen sich ÖVP, SPÖ und NEOS einem politischen „Klimatest“ stellen. Das Parlament bestätigt die Sondersitzung; die Klimadebatte soll gegen 12 Uhr beginnen.

Österreich 2026: heißester Sommer seit Messbeginn

Den politischen Vorstoß verbindet Gewessler mit der Bilanz des Hitzesommers 2026. Die ist tatsächlich außergewöhnlich: Laut GeoSphere Austria war der meteorologische Sommer der heißeste der Messgeschichte. Die Durchschnittstemperatur lag 2,6 Grad über dem Klimamittel 1991 bis 2020, an mehr als 100 Messstationen wurden Rekorde registriert. Am 5. August wurden in Bad Deutsch-Altenburg 41,2 Grad erreicht – ein neuer österreichischer Temperaturrekord. Gleichzeitig gehörte der Sommer zu den trockensten seit Beginn der Aufzeichnungen.

Für Gewessler ist diese Bilanz ein Beleg dafür, dass beim Klima- und Hitzeschutz in Österreich schneller gehandelt werden müsse. Sie wirft der Dreierkoalition vor, den Sommer mit Ankündigungen verstreichen gelassen zu haben, während Hitze und Trockenheit Menschen, Landwirtschaft und Natur belasteten.

Regierung hat sich auf Ziel für 2040 geeinigt

Ganz untätig war die Bundesregierung allerdings nicht. ÖVP, SPÖ und NEOS einigten sich bereits im August auf die Grundzüge eines neuen Klimagesetzes. Österreich soll demnach bis 2040 klimaneutral werden. Ein dazugehöriger Klimafahrplan soll bis Ende 2027 beschlossen werden und unter anderem Sektorziele, Maßnahmen, Zeitpläne und Zuständigkeiten festlegen. Die Regierung bezeichnet die Einigung als wichtigen Schritt für die österreichische Klimapolitik.

Am 9. September befasste sich auch der Ministerrat mit dem Vorhaben. Bundeskanzler Christian Stocker kündigte an, das Klimagesetz nun in Begutachtung schicken zu wollen. Damit gibt es eine politische Einigung und einen Ministerratsbeschluss, die weitere gesetzgeberische Umsetzung steht jedoch noch bevor.

Streit um Verbindlichkeit und mögliche Sanktionen

Genau hier setzt die Kritik der Grünen an. Gewessler bezweifelt, dass das geplante Gesetz ausreichend verbindlich sein wird. Landwirtschafts- und Klimaminister Norbert Totschnig (ÖVP) hatte erklärt, der vorgesehene Klimafahrplan solle ohne Sanktionen auskommen. Gleichzeitig sieht das Modell laut NEOS einen Korrekturmechanismus vor, falls Österreich vom Klimakurs abweicht.

Auch innerhalb der Wirtschaft gibt es Widerstand gegen Teile des Vorhabens. Die Wirtschaftskammer Österreich kritisiert insbesondere das Ziel der Klimaneutralität bereits 2040 und warnt vor zusätzlichen Belastungen für Unternehmen und den Standort.

Gewessler fordert Hitzeschutz für Schulen und Pflegeheime

Die Grünen wollen die Sondersitzung deshalb für einen Dringlichen Antrag nutzen. Gefordert werden ein Klimaschutzgesetz mit verbindlichen Zielen sowie ein schnellerer Ausstieg aus fossiler Energie. Hinzu kommen ein österreichweites Wasserentnahmeregister, stärkerer Bodenschutz und konsequentere Renaturierung.

Ein weiterer Schwerpunkt ist der Hitzeschutz. Besonders gefährdete Einrichtungen wie Kindergärten, Schulen, Alten- und Pflegeheime sollen besser gekühlt und auf künftige Hitzewellen vorbereitet werden. Gewessler hatte bereits Ende August auf die gesundheitlichen Folgen extremer Temperaturen hingewiesen und mehr Kühlmöglichkeiten, Schatten und Begrünung verlangt.

Trockenheit wird ebenfalls zum politischen Thema

Neben der Hitze war Dürre eines der dominierenden Probleme des Sommers. Die Regierung verband ihre Einigung zum Klimagesetz im August mit einem 240 Millionen Euro schweren Dürre-Hilfspaket für die Landwirtschaft. Gleichzeitig sollen Maßnahmen für Bodenschutz und Klimaanpassung vorangetrieben werden.

Für die Grünen reicht das nicht aus. Gewessler verlangt strukturelle Maßnahmen gegen sinkende Wasserreserven, ausgetrocknete Böden und zunehmende Hitze. Geld, das aus ihrer Sicht in klimaschädliche Förderungen oder neue Straßenprojekte fließt, wäre ihrer Argumentation zufolge besser in Hitzeschutz und Klimaschutz investiert.

Sondersitzung wird zum Klimatest für ÖVP, SPÖ und NEOS

Die Sondersitzung des Nationalrats am Montag trägt offiziell den Titel „Hitze, Dürre, Feuer – wie schützen Sie die Menschen, Herr Bundeskanzler?“. Laut Parlamentsdirektion dürfte Bundeskanzler Stocker dabei voraussichtlich von Staatssekretär Alexander Pröll vertreten werden.

Dass der Dringliche Antrag der Grünen eine Mehrheit erhält, gilt angesichts der Mehrheitsverhältnisse von ÖVP, SPÖ und NEOS als unwahrscheinlich. Politisch geht es Gewessler daher vor allem darum, die Regierungsparteien öffentlich zu konkreten Positionen bei Klimagesetz, Hitzeschutz, Wasser, Boden und fossiler Energie zu zwingen.

Nach dem österreichischen Rekordsommer 2026 dürfte die Debatte damit deutlich an Schärfe gewinnen: Während die Regierung auf ihre Einigung zur Klimaneutralität 2040 verweist, werfen die Grünen ihr fehlendes Tempo und zu wenig Verbindlichkeit vor. Am Montag wird dieser Konflikt erstmals nach dem Hitzesommer wieder direkt im österreichischen Nationalrat in Wien ausgetragen.

(fd/apa)

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