Kältetelefon in Österreich

Diese Nummern retten Leben

(04.11.2026) Die Temperaturen sinken – und für Menschen, die auf der Straße schlafen, kann bereits eine einzige kalte Nacht lebensgefährlich werden. In mehreren Bundesländern sind deshalb wieder die Kältetelefone und Winternothilfen gestartet. Wer einen obdachlosen Menschen im Freien entdeckt, kann mit einem kurzen Anruf dafür sorgen, dass Streetworker vorbeikommen, warme Kleidung oder Schlafsäcke bringen und einen Platz in einer Notschlafstelle vermitteln.

Besonders wichtig: Es gibt kein einziges österreichweites Kältetelefon mit einer gemeinsamen Nummer. Je nach Bundesland gelten unterschiedliche Telefonnummern und Erreichbarkeitszeiten.

Wien: Kältetelefon rund um die Uhr erreichbar

In Wien ist das Caritas-Kältetelefon unter 01/480 45 53 erreichbar. Seit 28. Oktober ist die Leitung wieder 24 Stunden täglich und sieben Tage die Woche besetzt. Die Winternothilfe läuft bis Ende April 2027.

Wer einen Menschen sieht, der bei Kälte im Freien schläft, kann dessen Aufenthaltsort melden. Die Streetwork-Teams versuchen anschließend, die Person möglichst zeitnah aufzusuchen.

Dabei werden Schlafsäcke, warme Kleidung, Hygieneartikel und heiße Getränke ausgegeben. Wenn die betroffene Person möchte, versuchen die Sozialarbeiter außerdem, einen warmen Schlafplatz in einem Notquartier zu organisieren.

Mehr als 15.500 Anrufe in nur einem Winter

Wie wichtig das Angebot ist, zeigen die Zahlen aus dem vergangenen Winter. Allein in Wien wurde das Kältetelefon mehr als 15.500 Mal angerufen.

Mehr als 490 akut obdachlose Menschen konnten dadurch in Notquartiere vermittelt werden. Hunderte weitere Menschen wurden unter anderem mit winterfesten Schlafsäcken versorgt.

Besonders dramatisch war die Kältewelle im Jänner 2026. Damals starben in Wien zwei obdachlose Männer auf der Straße an den Folgen der Kälte. In einzelnen Fällen konnten Menschen nach Hinweisen aus der Bevölkerung laut Caritas noch in letzter Minute erreicht werden.

Erste Einsätze bereits kurz nach dem Start

Auch der Winter 2026/27 hat bereits gezeigt, wie schnell das Kältetelefon gebraucht wird.

Allein innerhalb der ersten 24 Stunden nach dem Start gingen in Wien 66 Meldungen ein. Zwei Menschen konnten in eine Notunterkunft gebracht werden. Eine der Personen war zu diesem Zeitpunkt bereits stark unterkühlt.

Gerade deshalb appellieren die Hilfsorganisationen, nicht erst bei tiefen Minusgraden zu reagieren. Auch Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt können in Verbindung mit Nässe, Wind, schlechter Kleidung und einem geschwächten Gesundheitszustand gefährlich werden.

Was soll ich tun, wenn ich einen Obdachlosen sehe?

Die Caritas empfiehlt zunächst, die Person – wenn möglich – anzusprechen und zu fragen, ob sie Unterstützung möchte.

Für das Kältetelefon helfen vor allem folgende Informationen:

  • genauer Aufenthaltsort
  • Datum und ungefährer Zeitpunkt
  • Beschreibung der Person
  • Informationen darüber, ob die Person einen Schlafsack oder warme Kleidung besitzt
  • wenn möglich eine Rückrufnummer

Das Kältetelefon ist allerdings kein Rettungsnotruf.

Wenn jemand nicht mehr ansprechbar ist, verwirrt wirkt, stark zittert, offensichtlich verletzt oder bereits stark unterkühlt ist, sollte nicht auf Streetworker gewartet werden. Dann muss unmittelbar die Rettung unter 144 gerufen werden.

Streetworker können nicht immer sofort kommen

Ein Anruf beim Kältetelefon bedeutet nicht automatisch, dass wenige Minuten später ein Fahrzeug vor Ort ist.

Vor allem in Wien gehen in besonders kalten Nächten teilweise hunderte Meldungen ein. Streetwork-Teams fahren die gemeldeten Orte ab und versuchen, die Betroffenen möglichst rasch zu erreichen.

Das Kältetelefon dient deshalb vor allem dazu, Aufenthaltsorte bekanntzumachen, die den Hilfsorganisationen bisher möglicherweise nicht bekannt waren.

Obdachlose Menschen schlafen teilweise an versteckten Orten – etwa in Parks, Hauseingängen, Bahnhofsbereichen oder anderen geschützten Plätzen. Ohne Hinweise aus der Bevölkerung wissen Streetworker oftmals nicht, wo sich eine Person gerade aufhält.

Diese Kältetelefone gibt es in Österreich

Je nach Bundesland unterscheiden sich Telefonnummern und Zeiten deutlich.

Wien:
01/480 45 53
24 Stunden täglich
28. Oktober bis 28. April

Burgenland:
0676/8373-0322
täglich von 8 bis 22 Uhr

  1. November bis 31. März

Steiermark:
0676/8801-58111
täglich von 18 bis 24 Uhr
11. November bis 31. März

Kärnten:
0463/3960-60
täglich von 18 bis 6 Uhr

  1. November bis 31. März

Salzburg:
0676/8482-10651
24 Stunden täglich

  1. November bis 31. März

Tirol:
0512/2144-7
24 Stunden täglich

  1. November bis 30. April
    Das Angebot wird von den Tiroler Sozialen Diensten betrieben.

Oberösterreich – Linzer Stadtgebiet:
0732/776767-560
Kältetelefon des Sozialvereins B37/OBST

  1. November bis 31. März
    Dienstag und Donnerstag von 10 bis 12 Uhr telefonisch besetzt. Außerhalb dieser Zeiten ist das Streetwork-Team unterwegs; Meldungen können auf dem Anrufbeantworter hinterlassen werden.

Niederösterreich hat kein eigenes landesweites Kältetelefon

Eine Besonderheit gibt es in Niederösterreich: Dort existiert derzeit kein mit Wien vergleichbares landesweites Kältetelefon.

In St. Pölten gibt es unter anderem Notschlafangebote des Vereins Emmaus. Dieser ist unter 0676/886 44 0 erreichbar.

In Wiener Neustadt betreibt der Verein für soziale Betreuung Niederösterreich-Süd Hilfs- und Notschlafangebote. Erreichbar ist dieser unter 02622/23191.

Bei einem akuten medizinischen Notfall gilt auch in Niederösterreich: 144 wählen.

Vorarlberg setzt auf mehrere Anlaufstellen

Auch in Vorarlberg gibt es nicht dieselbe klassische Kältetelefon-Struktur wie beispielsweise in Wien oder Salzburg.

Das Caritas Center Feldkirch ist unter 05522/200-1700 werktags von 8 bis 12 Uhr erreichbar.

Die Notschlafstelle am Jahnplatz in Feldkirch ist unter 05522/200-1200 erreichbar und von 16.30 bis 8 Uhr geöffnet.

Zusätzlich gibt es das Caritas Café unter 05522/200-1570.

Kälte-App als Alternative zum Telefon

In Wien können Hinweise auch digital über die KälteApp des Fonds Soziales Wien übermittelt werden.

Nutzer können dort den Standort einer obdachlosen Person melden. Die Information wird an die Straßensozialarbeit weitergegeben, damit Mitarbeiter die betreffende Person aufsuchen können.

Im vergangenen Winter wurden über die App rund 3.200 Meldungen abgegeben.

Wien stellt 1.000 zusätzliche Schlafplätze bereit

Parallel zum Kältetelefon läuft das Winterpaket 2026/27 des Fonds Soziales Wien.

Bis 28. April stehen rund 1.000 zusätzliche Plätze für obdachlose Einzelpersonen und Paare zur Verfügung. Zusätzlich gibt es Plätze für 38 Familien sowie 255 Plätze in Wärmestuben.

Zehn Notquartiere sind während des Winterpakets rund um die Uhr geöffnet.

Neu dabei ist unter anderem das Notquartier in der Siemensstraße in Floridsdorf mit zunächst 180 Plätzen. Bei längeren Kälteperioden können dort zusätzliche Kapazitäten aktiviert werden.

Rund 160 Plätze des Winterpakets sind speziell für obdachlose Frauen vorgesehen.

Tausende Menschen in Österreich ohne eigene Wohnung

Obdach- und Wohnungslosigkeit betrifft deutlich mehr Menschen, als im Alltag auf der Straße sichtbar sind.

Laut Statistik Austria waren zuletzt 21.073 Menschen in Österreich offiziell als obdach- oder wohnungslos registriert. Die tatsächliche Zahl kann darüber liegen, weil nicht jeder Betroffene in offiziellen Statistiken aufscheint.

Mit 11.512 registrierten Personen entfiel mehr als die Hälfte davon auf Wien.

Österreichweit betreibt die Caritas 79 Einrichtungen für Menschen ohne Wohnung mit rund 2.700 Schlafplätzen. Dazu kommen Angebote anderer Hilfsorganisationen und der Länder und Gemeinden.

Nicht jeder möchte in eine Notschlafstelle

Eine schwierige Situation für Streetworker entsteht, wenn Betroffene angebotene Hilfe ablehnen.

Erwachsene Menschen können grundsätzlich selbst entscheiden, ob sie in ein Notquartier gehen möchten. Streetworker versuchen deshalb häufig, über mehrere Kontakte Vertrauen aufzubauen.

Wer eine Unterkunft nicht annehmen möchte, kann je nach Situation zumindest mit Schlafsack, Decken, warmer Kleidung, Essen oder heißen Getränken versorgt werden.

Das bedeutet auch: Ein Anruf beim Kältetelefon garantiert nicht, dass die Person anschließend von der Straße verschwindet. Er sorgt aber dafür, dass professionelle Helfer wissen, wo sich jemand befindet, und Unterstützung anbieten können.

Ein Anruf kann entscheidend sein

Die wichtigste Botschaft der Hilfsorganisationen für den Winter ist deshalb simpel: Nicht wegschauen.

Wer einen obdachlosen Menschen in der Kälte sieht, kann ihn ansprechen und das zuständige Kältetelefon verständigen. Bei akuter Gefahr oder wenn eine Person nicht mehr reagiert, gilt dagegen sofort: Rettung unter 144 rufen.

Gerade die Bilanz des vergangenen Winters zeigt, was ein solcher Hinweis bewirken kann: Tausende Meldungen führten Streetworker zu Menschen, die sonst möglicherweise unbemerkt eine eisige Nacht im Freien verbracht hätten.

(fd)

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