Mädchen (14) totgefahren

Fahrer mit Freispruch!

(14.07.2026) Das aktuelle Urteil aus den Niederlanden sorgt derzeit für großes Aufsehen. Das Gericht in Haarlem hat einen 33-jährigen Autofahrer aus Deutschland vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung und der Fahrerflucht freigesprochen. Der Mann hatte im Sommer 2020 die 14-jährige Tamar auf einer Landstraße tödlich erfasst. Der Fall beschäftigte die Öffentlichkeit über Jahre und erhielt zuletzt auch internationale Aufmerksamkeit, nachdem Tech-Milliardär Elon Musk den Fall auf der Plattform X thematisiert hatte.

Tragischer Unfall nach Streit mit den Eltern

In der Nacht auf den 25. Juli 2020 hatte die damals 14-jährige Tamar nach einem Streit ihr Elternhaus verlassen. Wenige Stunden später wurde sie leblos neben einer Landstraße zwischen Monnickendam und Marken gefunden. Ermittlungen ergaben, dass sie von einem Auto erfasst worden war.

Der heute 33-jährige Fahrer war damals mit drei Begleitern unterwegs. Während der Fahrt blickte er nach eigenen Angaben kurz auf die Navigation seines Beifahrers. Kurz darauf habe er etwas überfahren und gedacht, es handle sich um ein Tier oder eine Bodenwelle. Deshalb setzte er seine Fahrt fort.

Warum sprach das Gericht den Mann frei?

Nach Ansicht des Gerichts konnte nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden, dass der Fahrer strafrechtlich verantwortlich ist.

Die Richter begründeten den Freispruch unter anderem damit:

  • Es sei nicht bewiesen, dass der Fahrer durch den kurzen Blick auf die Navigation grob unaufmerksam gewesen sei.
  • Laut Gericht habe der Blick auf die Navigation möglicherweise nur rund 2,5 Sekunden gedauert.
  • Auf der dunklen Landstraße habhatr Fahrer nachts nicht mit einer Person auf der Fahrbahn rechnen müssen.
  • Es sei glaubhaft, dass der Mann davon ausging, ein Tier oder einen Gegenstand überfahren zu haben, und deshalb nicht bemerkte, einen Menschen erfasst zu haben.

Deshalb wurde der Angeklagte sowohl vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung als auch von jenem der Fahrerflucht freigesprochen.

Offene Fragen bleiben

Im Verfahren spielte auch die Frage eine Rolle, warum Tamar nicht mehr an der Stelle lag, an der sie angefahren wurde. Nach Angaben des Gerichts gibt es keine Beweise dafür, dass der Fahrer oder seine Mitfahrer das Mädchen nach dem Unfall bewegt haben. Ebenso konnte nicht geklärt werden, wie Tamar an ihre spätere Fundstelle gelangte.

Eltern reagieren erschüttert

Für die Familie des Mädchens ist das Urteil ein schwerer Schlag. Die Eltern verließen während der Urteilsverkündung den Gerichtssaal. Ihr Anwalt bezeichnete die Entscheidung als schwer nachvollziehbar und sprach von einem bitteren Tag für die Familie.

Auch das niederländische Openbaar Ministerie (Staatsanwaltschaft) kündigte an, das Urteil nun genau zu prüfen. Innerhalb von zwei Wochen kann noch Berufung eingelegt werden.

In sozialen Netzwerken sorgt der Freispruch für eine intensive Diskussion. Viele Nutzer zeigen sich fassungslos und kritisieren, dass ein Blick von rund 2,5 Sekunden auf die Navigation nach Ansicht des Gerichts nicht als grob fahrlässig bewertet wurde. Andere weisen darauf hin, dass ein Strafgericht Schuld zweifelsfrei nachweisen müsse und ein tragischer Ausgang allein nicht automatisch eine strafrechtliche Verurteilung rechtfertige. Auch die Frage, ob der Fahrer hätte anhalten müssen, wird in den Online-Debatten kontrovers diskutiert.

(fd)

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