Machtkampf in der SPÖ?

Zeiler will Parteichef werden

(25.09.2026) In der SPÖ zeichnet sich ein offener Machtkampf um die Parteispitze ab. Der international tätige Medienmanager Gerhard Zeiler hat erstmals klar erklärt, dass er bereit wäre, SPÖ-Bundesparteivorsitzender zu werden. Amtsinhaber und Vizekanzler Andreas Babler denkt allerdings nicht daran, seinen Posten freiwillig zu räumen. Damit könnte die Entscheidung letztlich bei den Mitgliedern der Partei landen. Babler hatte noch am 23. September öffentlich erklärt, er werde „natürlich“ Parteivorsitzender bleiben.

Zeiler: „Ich glaube, dass ich die richtige Person bin“

Der 71-jährige Gerhard Zeiler erklärte in einem Interview, er traue sich zu, die SPÖ aus ihrer derzeit schwierigen Situation zu führen. Nun müsse die Partei entscheiden, ob sie ihn an ihrer Spitze wolle. Zeiler spricht von einem notwendigen politischen Neustart und fordert mehr Wirtschaftskompetenz, Veränderungsbereitschaft und eine verständlichere Zukunftsvision.

Damit werden aus den seit Wochen kursierenden Spekulationen erstmals konkrete Ambitionen. Noch Anfang September war Zeilers Interesse lediglich aus Parteikreisen kolportiert worden. Zuletzt hatte er bereits Gespräche mit mehreren führenden Sozialdemokraten und Landesorganisationen geführt.

Wer ist Gerhard Zeiler?

Zeiler gehört seit Jahrzehnten zu den bekanntesten österreichischen Medienmanagern. Seine Karriere begann allerdings in der SPÖ: Er arbeitete unter anderem als Pressesprecher der sozialdemokratischen Bundeskanzler Fred Sinowatz und Franz Vranitzky. Später wurde er ORF-Generalsekretär und von 1994 bis 1998 ORF-Generalintendant.

Danach führte Zeiler unter anderem RTL Television und die RTL Group. Heute ist er President International bei Warner Bros. Discovery und trägt dort Verantwortung für internationale Geschäfte in mehr als 200 Märkten.

Babler wurde erst im März wiedergewählt

Für Andreas Babler kommt die neue Herausforderung nur wenige Monate nach seiner Wiederwahl. Beim SPÖ-Bundesparteitag am 7. März 2026 erhielt er 81,51 Prozent der Delegiertenstimmen. Regulär ist der Vorsitz auf drei Jahre angelegt.

Ein Konkurrent kann Babler daher nicht einfach durch eine öffentliche Kandidatur aus dem Amt drängen. Nach dem neuen SPÖ-Modell kann eine Direktwahl des Parteivorsitzes unter anderem dann ausgelöst werden, wenn zehn Prozent der Parteimitglieder innerhalb eines Kalenderquartals eine solche Abstimmung verlangen. Auch der Bundesparteivorstand kann einen Direktwahlprozess einleiten. Treten mindestens zwei Kandidaten an, entscheiden die Mitglieder.

SPÖ-Länder reagieren unterschiedlich

Eine geschlossene Unterstützung für Zeiler gibt es bisher nicht. Besonders kritisch äußerte sich bereits Burgenlands Landeshauptmann Hans Peter Doskozil. Er hatte Anfang September erklärt, dass er in Zeiler derzeit keinen überzeugenden Wechsel für die Parteispitze sehe. Ein persönliches Treffen zwischen Doskozil und Zeiler ist dennoch geplant.

Andere Landesorganisationen halten sich mit einer eindeutigen Position zurück. Vorarlbergs SPÖ-Chef Mario Leiter zeigte sich offen dafür, Zeilers politische Konzepte anzuhören. Aus der Steiermark kamen respektvolle Worte über dessen wirtschaftliche und internationale Erfahrung. Salzburgs Parteichef Peter Eder wiederum fordert vor allem, dass die SPÖ ihre anhaltenden Personaldebatten beendet.

Druck auf Babler ist zuletzt gestiegen

Die Führungsdebatte kommt nicht aus dem Nichts. Seit Wochen gibt es innerhalb der SPÖ Diskussionen über ihre politische Ausrichtung und schwache Umfragewerte. Zuletzt wurde auch aus Teilen der Gewerkschaft eine „personelle Neuausrichtung“ thematisiert. Gleichzeitig warnen andere Sozialdemokraten davor, die Schwierigkeiten der Partei ausschließlich an Babler festzumachen.

Babler selbst machte zuletzt klar, dass er weiterarbeiten will. Damit stehen sich nun erstmals zwei klare Positionen gegenüber: Zeiler erklärt seine Bereitschaft zur Kandidatur, Babler will Parteichef bleiben.

Mitglieder könnten über SPÖ-Spitze entscheiden

Entscheidend wird nun sein, ob Zeiler innerhalb der Partei genügend Unterstützung erhält, um einen formellen Wahlprozess auszulösen. Ohne einen solchen Schritt bleibt Babler regulär Vorsitzender.

Kommt es dagegen zur Direktwahl, wäre das keine bloße Mitgliederbefragung: Nach den neuen SPÖ-Regeln ist das Ergebnis verbindlich, sofern sich mehr als 20 Prozent der stimmberechtigten Mitglieder beteiligen. Damit könnte die Frage Babler oder Zeiler am Ende unmittelbar von der Parteibasis entschieden werden.

(fd/apa)

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