Neue "Spaßsteuer" im Anmarsch?

Zahlen wir nicht schon genug?

(14.09.2026) In Wien wächst der Widerstand gegen den geplanten „Kultur-Euro“. Hinter dem harmlos klingenden Namen könnte eine neue Abgabe auf Eintrittskarten für Konzerte, Theater, Kinos, Museen, Bälle und andere Veranstaltungen stehen. Diskutiert wird laut bisherigen Berichten unter anderem ein Aufschlag von bis zu 12,5 Prozent. Fix beschlossen ist dieses Modell allerdings noch nicht: Die Stadt prüft unterschiedliche Varianten, Details sollen erst im Herbst präsentiert werden. Auch eine tatsächlich pauschale Abgabe von einem Euro steht im Raum.

Bis zu 12,5 Prozent mehr – so teuer könnte es werden

Sollte Wien tatsächlich das 12,5-Prozent-Modell wählen und sollten Veranstalter die zusätzlichen Kosten vollständig an das Publikum weitergeben, wäre aus dem „Kultur-Euro“ schnell deutlich mehr als ein Euro geworden. Ein Kinoticket um 12 Euro würde rechnerisch um 1,50 Euro, ein Konzertticket um 100 Euro um 12,50 Euro und eine Ballkarte um 200 Euro um 25 Euro teurer.

Vorbild dürfte der bereits bestehende Sportförderungsbeitrag sein. Bei Sportveranstaltungen beträgt dieser in Wien seit März 2026 grundsätzlich 12,5 Prozent des Eintrittsentgelts. Laut ORF bringt der sogenannte „Sportgroschen“ der Stadt rund 2,5 Millionen Euro jährlich.

Veranstalter warnen vor Folgen für ganz Wien

Die Kritik aus der Kultur- und Freizeitwirtschaft wird inzwischen immer lauter. Die Wirtschaftskammer warnt, dass praktisch jede öffentliche Veranstaltung mit Eintritt betroffen sein könnte – vom großen Stadionkonzert bis zum Vereinsfest. Gerade kleinere Veranstalter könnten einen zweistelligen Aufschlag nicht einfach selbst übernehmen.

Auch die Interessengemeinschaft Österreichische Veranstaltungswirtschaft (IGÖV) zeichnet ein drastisches Szenario. Nach ihren Berechnungen könnten rund 30 Millionen Besuche kultureller Veranstaltungen, mehr als 26.000 Künstlerinnen und Künstler in Österreich und bis zu 60.000 direkt oder indirekt mit der Kulturbranche verbundene Arbeitsplätze betroffen sein. Die Interessensvertretung warnt im schlimmsten Fall vor Jobverlusten bei Künstlern sowie Beschäftigten in Technik, Sicherheit, Grafik, Gastronomie und anderen Bereichen.

Wiener Bälle wären ebenfalls betroffen

Besonders brisant ist die Diskussion für die weltbekannte Wiener Ballsaison. Sie erreichte 2025/26 einen Rekord: Rund 605.000 Gäste besuchten die Wiener Bälle, der damit verbundene Umsatz lag bei knapp 240 Millionen Euro. Rund ein Drittel der Ballgäste kam aus dem Ausland – und gab zusätzlich Geld für Hotels, Gastronomie, Taxis und Einkäufe aus.

Eine zusätzliche Ticketabgabe würde deshalb nicht nur Ballveranstalter treffen. Kritiker befürchten Auswirkungen auf die gesamte Wiener Tourismus- und Freizeitwirtschaft.

Sorge um internationale Superstars

Besonders scharf argumentieren große Konzertveranstalter. Als Beispiel wird Coldplay genannt: Die Band spielte 2024 vier ausverkaufte Konzerte im Wiener Ernst-Happel-Stadion. Nach Angaben der Branche wurden dabei pro Konzert rund fünf Millionen Euro Ticketumsatz erzielt. Eine Abgabe von 12,5 Prozent hätte rechnerisch rund 2,5 Millionen Euro zusätzliche Belastung für alle vier Shows bedeutet.

Das größere Risiko sehen Veranstalter allerdings bei der internationalen Konkurrenz um Tourneen: Weltstars könnten Wien künftig auslassen, wenn Konzerte hier durch zusätzliche Abgaben deutlich teurer oder für Veranstalter weniger rentabel werden. Ob es tatsächlich dazu kommt, lässt sich derzeit allerdings nicht seriös vorhersagen.

Auch Hotellerie warnt vor neuer Belastung

Widerstand kommt zudem aus der Hotelbranche. Die Österreichische Hotelvereinigung kritisiert, dass der mögliche Kultur-Euro mit weiteren Belastungen zusammenfällt. Wien hat bereits eine Erhöhung der Ortstaxe beschlossen – zunächst auf fünf Prozent und ab Juli 2027 auf acht Prozent. Die Hotellerie befürchtet deshalb Nachteile für Wien als Kultur- und Tourismusdestination.

Noch ist die 12,5-Prozent-Steuer nicht beschlossen

Bei aller Aufregung ist entscheidend: Eine allgemeine 12,5-Prozent-Kultursteuer ist derzeit noch nicht fix. Nach dem aktuell bekannten Stand prüft die Stadt verschiedene Modelle. Unklar ist auch noch, welche Veranstaltungen tatsächlich erfasst würden, welche Ausnahmen möglich wären und ob ein fixer Betrag oder ein prozentueller Zuschlag kommt.

Fest steht jedoch bereits jetzt: Der Widerstand wächst. Für Veranstalter, Kinos, Theater, Künstler, Bälle und Tourismus geht es um Millionen – für die Wienerinnen und Wiener ganz konkret um die Frage, wie viel Kino, Konzert, Kabarett oder Ballbesuch künftig kosten werden.

(fd/apa)

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