Sprit- und Gaspreise steigen
Österreich unter Druck
(14.09.2026) Satellitenbilder (das Titelbild) zeigen das Ausmaß der Schäden an der Ölpipeline Saudi-Arabiens. Der Konflikt im Nahen Osten treibt die Energiepreise wieder kräftig nach oben. Der Preis für ein Barrel Brent-Rohöl stieg am Montagvormittag zeitweise um mehr als drei Prozent auf rund 108 US-Dollar. Auslöser sind neue Sorgen um die weltweite Ölversorgung: Saudi-Arabien musste nach Drohnenangriffen seine strategisch wichtige Ost-West-Pipeline vorübergehend schließen. Gleichzeitig bleiben die Lage an der Straße von Hormuz und die zunehmenden Spannungen am Bab al-Mandab hochriskant.
Benzin und Diesel in Österreich: Preisentwicklung
Für Autofahrer in Österreich ist die Entwicklung besonders relevant. Kurz vor dem heute gesetzlich vorgesehenen Preisänderungsfenster um 12 Uhr lag der österreichweite Median laut laufend ausgewerteten E-Control-Daten bei rund 1,881 Euro je Liter Super 95 und 2,169 Euro je Liter Diesel. Die Daten um 11.30 Uhr umfassten mehr als 2.900 Tankstellen.
Der typische 12-Uhr-Sprung kostet Autofahrer zusätzlich
Dass der Zeitpunkt relevant ist, zeigen die vergangenen Wochen deutlich. In den vergangenen 30 Tagen sprang der Dieselpreis an 20 von 24 beobachteten Tagen um 12 Uhr nach oben, im Durchschnitt um rund 2,9 Cent je Liter. Bei Super 95 gab es an 20 von 26 Tagen einen Preissprung, durchschnittlich um rund 3,1 Cent. Bei einer 50-Liter-Tankfüllung entsprechen drei Cent mehr bereits etwa 1,50 Euro Mehrkosten. Diese Werte beschreiben den jüngsten Durchschnitt des 12-Uhr-Effekts und sind noch nicht mit dem endgültigen heutigen Österreich-Wert gleichzusetzen.
Wochenvergleich zeigt bereits massiven Preisschub
Wie schnell sich die Lage zuletzt verschärft hat, zeigt die offizielle wöchentliche Erhebung. Eurosuper 95 verteuerte sich von 1,784 auf 1,912 Euro je Liter – ein Plus von 12,8 Cent beziehungsweise 7,2 Prozent. Diesel stieg von 1,993 auf 2,126 Euro, also um 13,3 Cent beziehungsweise 6,7 Prozent. Damit kostete eine 50-Liter-Füllung Diesel gegenüber der vorangegangenen Erhebung bereits rund 6,65 Euro mehr, bei Super waren es rund 6,40 Euro. In Deutschland ist das Ganze noch teurer!
Saudi-Arabiens wichtigste Ausweichroute fällt aus
Der neuerliche Ölpreisschub hat vor allem mit der angespannten Versorgungslage zu tun. Saudi-Arabiens rund 1.200 Kilometer lange East-West-Pipeline transportiert normalerweise Millionen Barrel Rohöl täglich vom Osten des Landes zum Roten Meer und ermöglicht damit Exporte, ohne die weitgehend beeinträchtigte Straße von Hormuz passieren zu müssen. Nach den jüngsten Angriffen wurde die Leitung vorsorglich geschlossen. Marktbeobachter schätzen, dass über diese Route zuletzt rund vier bis fünf Prozent des weltweiten Ölangebots transportiert werden konnten.
Zusätzlich haben die Huthi-Rebellen im Jemen ihre Position an wichtigen Schifffahrtswegen im Roten Meer ausgebaut. Auch ein geplantes Treffen zwischen dem Iran und den Golfstaaten zur Entschärfung der Lage wurde verschoben. Damit schwinden vorerst die Hoffnungen auf eine rasche Normalisierung der Öltransporte.
Neben Öl gerät auch Erdgas stärker unter Druck. Der europäische Referenzpreis TTF war zuletzt bis auf über 80 Euro je Megawattstunde gestiegen. Anfang September lag er noch bei rund 72 bis 74 Euro. Gründe sind unter anderem Risiken für LNG-Lieferungen durch den Persischen Golf sowie niedrigere europäische Speicherstände als im Vorjahr.
Genau hier setzt eine aktuelle ESPON-Simulation an: Die Auswirkungen eines starken Gaspreisschocks wären innerhalb der EU sehr unterschiedlich. Staaten mit höherem Anteil an erneuerbarer Energie oder Kernenergie, besserer Energieeffizienz und stärker diversifizierten Gasimporten sind robuster. Dazu zählen der Analyse zufolge unter anderem Österreich, Deutschland, Frankreich, Skandinavien, Spanien, Portugal und Italien.
Österreich besser geschützt – Industrie bleibt verwundbar
Deutlich stärker betroffen wären hingegen Teile Mittel- und Osteuropas, darunter Polen, Tschechien, die Slowakei, Ungarn und die baltischen Staaten. Besonders empfindlich reagieren energieintensive Branchen wie Metall-, Zement- und Glasindustrie, Raffinerien sowie Chemieunternehmen. Steigende Gaspreise können außerdem die Strompreise nach oben ziehen, wenn Gaskraftwerke für die Stromerzeugung benötigt werden.
Für Österreich bedeutet das: Das Energiesystem ist im europäischen Vergleich zwar vergleichsweise widerstandsfähig, gegen einen länger anhaltenden internationalen Öl- und Gaspreisschock ist aber auch Österreich nicht immun. Besonders sichtbar wird das derzeit an den Zapfsäulen. Bleiben die saudische Pipeline geschlossen und die Verkehrswege rund um Hormuz und das Rote Meer gestört, dürfte der Preisdruck bei Diesel, Benzin, Gas und Strom hoch bleiben.
(fd/apa)