Raketenangriff auf Krim
Storm-Shadows im Einsatz?
(27.05.2026) In der Nacht auf heute ist es zu neuen schweren Angriffen auf russisches Gebiet und die annektierte Schwarzmeer-Halbinsel Krim gekommen. Nach Angaben russischer Behörden setzte die Ukraine dabei Drohnen und erstmals seit längerer Zeit offenbar auch wieder westliche Storm-Shadow-Marschflugkörper ein. Besonders betroffen waren Sewastopol auf der Krim sowie mehrere Regionen im Süden Russlands.
Luftalarm auf der Krim und Explosionen in Sewastopol
Laut dem von Russland eingesetzten Gouverneur von Sewastopol, Michail Raswoschajew, wurde kurz nach Mitternacht Luftalarm ausgelöst. Die russische Luftabwehr habe mehr als 20 ukrainische Drohnen abgefangen. Mehrere Explosionen waren über der Hafenstadt zu hören. (Reuters)
Nach russischen Angaben wurden bei den Angriffen mehrere Gebäude beschädigt – darunter eine Filiale der russischen Zentralbank und ein achtstöckiges Wohnhaus. Verletzte habe es vorläufig nicht gegeben.
Die Stadt Sewastopol gilt als strategisch besonders wichtig, da dort die russische Schwarzmeerflotte stationiert ist. Seit Beginn des Ukraine-Krieges steht die Region immer wieder im Fokus ukrainischer Angriffe.
Russland meldet 140 abgefangene Drohnen
Das russische Verteidigungsministerium erklärte, insgesamt seien in der Nacht 140 ukrainische Drohnen abgewehrt worden. Betroffen gewesen seien mehrere Regionen im Süden und Westen Russlands.
Auch im russischen Schwarzmeerhafen Tuapse kam es laut Behörden zu Zwischenfällen. Trümmerteile einer abgeschossenen Drohne hätten dort einen Brand in einem Terminal ausgelöst. Das Feuer sei jedoch rasch gelöscht worden. Außerdem wurden Fenster eines Hochhauses und mehrerer Wohnhäuser beschädigt.
Storm-Shadow-Raketen sorgen für Nervosität im Kreml
Besonders brisant: Russische Behörden sprechen davon, dass die Ukraine bei den Angriffen auch Storm-Shadow-Marschflugkörper eingesetzt habe. Diese weitreichenden Präzisionswaffen werden von einem britisch-französischen Konsortium hergestellt und gelten als wichtige westliche Unterstützung für die Ukraine.
In Frankreich werden die Raketen unter dem Namen SCALP geführt. Bereits in der Vergangenheit hatte Russland scharf auf Einsätze dieser Waffen reagiert und die Botschafter Großbritanniens sowie Frankreichs einbestellt.
Vor allem der mögliche Einsatz gegen Ziele auf der Krim sorgt im Kreml regelmäßig für große Nervosität. Russland betrachtet die 2014 annektierte Halbinsel als eigenes Staatsgebiet, während die internationale Gemeinschaft die Krim weiterhin als Teil der Ukraine ansieht.
Zwei Verletzte nach Angriff auf Taganrog
Auch die südrussische Hafenstadt Taganrog war laut Behörden Ziel eines Angriffs. Dort wurden nach Angaben der Bürgermeisterin Swetlana Kambulowa zwei Menschen verletzt. Eine Rakete sei von der Luftabwehr abgefangen worden.
Russische Militärblogger berichteten zudem über verstärkte Aktivitäten ukrainischer Drohnen in mehreren Regionen nahe der Grenze zur Ukraine.
Ukraine meldet russische Gegenangriffe
Parallel zu den Angriffen auf russisches Gebiet meldete die Ukraine neue russische Attacken auf die Regionen Dnipropetrowsk und Saporischschja. Laut ukrainischen Behörden wurden dabei mindestens 21 Menschen verletzt. Mehrere Wohnhäuser und zivile Infrastruktur seien beschädigt worden.
Die gegenseitigen Luftangriffe haben sich in den vergangenen Monaten massiv intensiviert. Beide Seiten setzen zunehmend auf Drohnen, Raketen und Präzisionswaffen, um militärische Infrastruktur und Nachschublinien des Gegners zu treffen.
Krieg zwischen Russland und Ukraine eskaliert weiter
Die jüngsten Angriffe zeigen erneut, wie stark sich der Krieg mittlerweile auch auf russisches Gebiet ausweitet. Vor allem die Krim und russische Grenzregionen geraten immer häufiger ins Visier ukrainischer Drohnen und Raketen.
Militärexperten sehen darin eine Strategie Kiews, russische Militärkapazitäten zu schwächen und den Druck auf Moskau zu erhöhen. Gleichzeitig wächst die Sorge vor einer weiteren Eskalation zwischen Russland und westlichen Unterstützerstaaten der Ukraine.
(fd/apa)