Sprit bald bei 3 Euro?

Merz kündigt Entlastung an

(15.09.2026) Die Spritpreise in Deutschland steigen weiter auf Rekordniveau. Ein Liter Super E10 kostete zuletzt im bundesweiten Tagesdurchschnitt 2,286 Euro, Diesel lag bei 2,412 Euro. Damit ist Benzin so teuer wie noch nie, Diesel liegt nur noch wenige Cent unter seinem bisherigen Rekord. Gleichzeitig warnt der Tankstellen-Interessenverband davor, dass Spritpreise von drei Euro pro Liter bald möglich sein könnten.

Tankstellenverband warnt vor Drei-Euro-Marke

Herbert Rabl vom Tankstellen-Interessenverband (TIV) rechnet damit, dass Autofahrer sich auf noch deutlich höhere Preise einstellen müssen. „Wir werden uns damit auseinandersetzen müssen, dass wir Spritpreise um drei Euro bekommen“, sagte er der „Rheinischen Post“. An manchen Autobahntankstellen seien solche Preise bereits Realität.

Rabl kritisiert vor allem die Mineralölkonzerne. Seiner Ansicht nach würden die aktuell hohen Preise genutzt, um kräftig zu verdienen. Gleichzeitig würden auch die Tankstellenbetreiber unter der Situation leiden.

ADAC sieht drei Euro noch nicht als wahrscheinlich

Ganz so weit ist es im bundesweiten Durchschnitt allerdings noch nicht. Der ADAC sieht derzeit keine unmittelbaren Anzeichen dafür, dass Benzin oder Diesel flächendeckend auf drei Euro steigen. Dafür müssten sich vor allem die internationalen Ölpreise noch einmal deutlich erhöhen.

Die Drei-Euro-Marke ist damit derzeit eher ein mögliches Krisenszenario als eine konkrete Prognose.

Nahost-Krise treibt Ölpreis nach oben

Ein wichtiger Grund für die hohen Spritpreise ist die angespannte Lage im Nahen Osten. Der Preis für Rohöl der Nordseesorte Brent stieg zuletzt auf rund 107 Dollar pro Barrel. Angriffe auf Energieinfrastruktur in Saudi-Arabien sowie die Unsicherheit rund um die Straße von Hormus und die Meerenge Bab al-Mandab sorgen für Nervosität auf den internationalen Märkten.

Die deutsche Bundesregierung betont allerdings, dass derzeit keine unmittelbaren Versorgungsengpässe bei Öl und Gas zu erwarten seien. Deutschland sei über die betroffenen Routen nur begrenzt abhängig.

Deutschland deutlich teurer als Österreich

Auffällig ist vor allem der Preisunterschied zu Österreich. Dort kostet Benzin derzeit im Schnitt rund 1,94 Euro pro Liter, Diesel etwa 2,21 Euro.

Damit ist Benzin in Deutschland aktuell rund 34 Cent pro Liter teurer, Diesel rund 20 Cent. Bei einer Tankfüllung von 50 Litern ergibt das beim Benzin bereits einen Unterschied von rund 17 Euro.

Steuern machen großen Teil des Spritpreises aus

Ein erheblicher Teil des Preises an der Zapfsäule entfällt auf Steuern und Abgaben. Laut ADAC machten diese zuletzt rund 57 Prozent des Benzinpreises und etwa 47 Prozent des Dieselpreises aus.

Die Energiesteuer beträgt derzeit 65,45 Cent pro Liter Benzin und 47,04 Cent bei Diesel. Dazu kommen Mehrwertsteuer und CO₂-Kosten.

Der Tankstellenverband fordert deshalb unter anderem eine Senkung der Mehrwertsteuer, um Autofahrer kurzfristig zu entlasten.

Merz kündigt Entlastungen an

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat inzwischen angekündigt, auf die hohen Preise reagieren zu wollen. Viele Menschen seien täglich auf ihr Auto angewiesen und hätten inzwischen eine Belastungsgrenze erreicht.

Welche Maßnahme konkret kommen soll, steht noch nicht fest. Merz kündigte aber an, dass die Bundesregierung sehr bald einen Vorschlag vorlegen werde.

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) brachte unter anderem gezielte Direktzahlungen für einkommensschwächere Haushalte ins Gespräch. Auch eine Überprüfung der Energiesteuern steht zur Diskussion.

Streit um Spritpreisdeckel

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) fordert einen Spritpreisdeckel nach Luxemburger Vorbild. Sie argumentiert, dass vor allem Pendler, Handwerker, Pflegekräfte und Landwirte die hohen Preise kaum noch stemmen könnten.

Andere Politiker fordern eine Senkung der Energiesteuer. Der Wirtschaftsrat der CDU lehnt neue Tankrabatte oder staatliche Preisdeckel dagegen ab und fordert stattdessen eine stärkere Kontrolle durch das Bundeskartellamt.

Wie teuer wird Tanken noch?

Ob Benzin und Diesel tatsächlich die Marke von drei Euro pro Liter erreichen, hängt vor allem von der weiteren Entwicklung im Nahen Osten und vom internationalen Ölpreis ab.

Fest steht: Benzin ist in Deutschland bereits auf Rekordniveau, Diesel steht kurz davor. Sollte sich die geopolitische Lage weiter verschärfen, könnten die Preise an den Tankstellen noch deutlich steigen.

Wie sieht es bei uns aus?

Median:

Super 95: Burgenland ca. 1,92 €/l – Tirol ca. 2,02 €/l

Diesel: Burgenland ca. 2,18 €/l – Tirol ca. 2,29 €/l

Innerhalb Österreichs gibt es enorme Unterschiede: Im Bundesländer-Vergleich ist das Burgenland derzeit am günstigsten, während Autofahrer in Tirol am meisten bezahlen. Noch größer ist die Spanne bei einzelnen Tankstellen: Super 95 kostet österreichweit zwischen 1,66 und 2,21 Euro, Diesel zwischen 1,73 und 2,48 Euro pro Liter.

(fd/apa)

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