Spritpreise schießen nach oben
ÖGB fordert Preisbremse
(20.07.2026) Die steigenden Energiepreise infolge der jüngsten Eskalation im Nahen Osten sorgen auch in Österreich für politische Diskussionen. Der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) fordert die Bundesregierung auf, die frühere Margenbegrenzung für Diesel und Heizöl wieder einzuführen. Hintergrund sind deutlich gestiegene Ölpreise und die Sorge, dass sich die Entwicklung an den heimischen Zapfsäulen weiter verschärfen könnte.
ÖGB verlangt Rückkehr zur Margenregelung
Seit Juni wurde der umstrittene Margeneingriff im Rahmen der österreichischen Spritpreisbremse ausgesetzt. Seither profitieren Autofahrer nur noch von der gesenkten Mineralölsteuer (MöSt), während die Preisgestaltung der Mineralölunternehmen nicht mehr gedeckelt ist.
Für den ÖGB ist das angesichts der internationalen Lage ein Fehler. Die Leiterin des volkswirtschaftlichen Referats, Angela Pfister, kritisierte, die Abschwächung der Preisbremse sei "völlig unverständlich", solange der Konflikt im Nahen Osten ungelöst bleibe. Die frühere Margenregelung habe nachweislich dazu beigetragen, Preisspitzen abzufedern. Gleichzeitig fordert die Gewerkschaft mehr Transparenz bei der Preisbildung von Kraftstoffen. Auch in Deutschland steigen die Preise wieder.
Eskalation im Iran-Konflikt treibt Ölpreis
Auslöser der neuen Preissorgen ist die dramatische Entwicklung im Nahen Osten. Nach erneuten Angriffen auf Schiffe und militärischen Auseinandersetzungen rund um die Straße von Hormuz sprang der Preis für die Nordsee-Ölsorte Brent in der Nacht auf Montag zeitweise auf 91,42 US-Dollar pro Barrel. Damit wurde erstmals seit Juni wieder die Marke von 90 Dollar überschritten.
Im weiteren Handelsverlauf entspannte sich die Lage etwas. Berichte über mögliche neue Gespräche zwischen den USA und dem Iran drückten den Ölpreis wieder auf 88,18 US-Dollar je Barrel. Dennoch bleibt das Preisniveau deutlich höher als noch Anfang Juli.
Spritpreise in Österreich bereits deutlich gestiegen
Die höheren Rohölpreise machen sich bereits an den österreichischen Tankstellen bemerkbar. Laut aktuellen Daten der E-Control sind die Preise innerhalb weniger Wochen deutlich gestiegen.
Die Entwicklung im Überblick:
- Diesel am 1. Juli: 1,72 Euro pro Liter (Median)
- Diesel am 19. Juli: 1,919 Euro pro Liter (Median)
- Anstieg: rund 20 Cent pro Liter
- Superbenzin am 1. Juli: 1,669 Euro pro Liter (Median)
- Superbenzin am 19. Juli: 1,794 Euro pro Liter (Median)
- Anstieg: rund 12,5 Cent pro Liter
Sollte der Ölpreis dauerhaft auf hohem Niveau bleiben oder weiter steigen, rechnen Marktbeobachter mit weiteren Preisaufschlägen an den Zapfsäulen. In Deutschland ist der Sprit noch teurer als bei uns.
Auch Gaspreise erreichen den höchsten Stand seit März
Nicht nur Öl verteuerte sich zuletzt deutlich. Auch der europäische Gaspreis zog kräftig an. Der richtungsweisende TTF-Terminkontrakt stieg am Montag zeitweise auf 60,66 Euro je Megawattstunde. Später fiel der Preis zwar wieder auf 59,44 Euro, liegt aber weiterhin rund 3,6 Prozent über dem Niveau vom Freitag. Seit Monatsbeginn hat sich Erdgas damit um etwa 35 Prozent verteuert.
Straße von Hormuz bleibt zentraler Risikofaktor
Im Mittelpunkt der Sorgen steht weiterhin die Straße von Hormuz – eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten für den weltweiten Öl- und Gashandel. Nach Angaben internationaler Marktbeobachter wurden seit Donnerstag keine LNG-Tanker mehr bei der Durchfahrt registriert. Zwar schalten einige Schiffe aus Sicherheitsgründen ihre Transponder ab, dennoch sorgt die Entwicklung an den Energiemärkten für große Nervosität.
Parallel dazu haben die USA ihre Militärpräsenz in der Region verstärkt und greifen nach eigenen Angaben weiterhin Ziele im Iran an, um Angriffe auf Handelsschiffe zu verhindern. Gleichzeitig meldeten mehrere mit Washington verbündete Golfstaaten erneut iranische Drohnenangriffe und Luftalarm.
Experten warnen vor weiteren Preissteigerungen
Energieexperten sehen das Risiko einer weiteren Eskalation als hoch an. Sollten Ölanlagen in der Region beschädigt oder die Schifffahrtsroute durch die Straße von Hormuz länger blockiert werden, könnte der Ölpreis erneut deutlich steigen. Das hätte auch direkte Auswirkungen auf die Preise für Treibstoffe und Heizöl in Europa.
Vor diesem Hintergrund wächst in Österreich der politische Druck auf die Bundesregierung. Der ÖGB fordert die Wiedereinführung der Margenbegrenzung, um Verbraucher vor weiteren Preissprüngen bei Diesel und Heizöl zu schützen. Ob die Regierung den Forderungen nachkommt, ist derzeit noch offen.
(fd/apa/krone)