Terminal für Asylverfahren
Schnellverfahren in Schwechat
(11.05.2026) Am Flughafen Wien-Schwechat entsteht ein neues Grenzterminal für Asylverfahren. Mit dem Projekt setzt Österreich zentrale Teile des neuen EU-Asyl- und Migrationspakts um. Ziel sind schnellere Verfahren, strengere Kontrollen und raschere Zurückweisungen direkt an der EU-Außengrenze.
Innenminister Gerhard Karner sprach bei der Präsentation in Schwechat von einem „wesentlichen Baustein für einen dichten und funktionierenden EU-Außengrenzschutz“.
Neues Asylzentrum direkt im Transitbereich
Das neue Grenzterminal wird am Flughafen Wien im bestehenden Objekt 988 eingerichtet und umfassend modernisiert. Laut Innenministerium soll die Generalsanierung bis Ende 2026 abgeschlossen werden. Die Inbetriebnahme ist für das erste Quartal 2027 geplant.
Wichtig dabei: Die betroffenen Personen gelten rechtlich nicht als eingereist. Sie bleiben während des gesamten Verfahrens im Transitbereich des Flughafens.
Laut Innenministerium können Menschen im Grenzverfahren dort bis zu 24 Wochen festgehalten werden. In Ausnahmefällen sind sogar bis zu 26 Wochen möglich.
Drei Schritte im neuen Grenzverfahren
Das neue Verfahren soll deutlich schneller ablaufen als bisher. Laut Innenministerium ist der Ablauf in drei zentrale Schritte gegliedert.
1. Screening durch die Polizei
Zunächst erfolgt eine umfassende Kontrolle durch die Polizei. Dazu gehören:
- Identitätsprüfung
- Sicherheitskontrolle
- Gesundheitscheck
- Überprüfung besonderer Schutzbedürfnisse
2. Asylverfahren durch das BFA
Anschließend übernimmt das Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl (BFA) das eigentliche Asylverfahren.
Dabei wird geprüft, ob überhaupt Aussicht auf Schutzstatus besteht.
3. Rasche Rückführung
Wird die Einreise verweigert, startet unmittelbar das Rückkehrverfahren. Danach erfolgt die Zurückweisung der betroffenen Person.
Wer vom neuen Verfahren betroffen ist
Das neue Grenzverfahren soll vor allem für Personen gelten:
- aus Herkunftsländern mit niedriger Anerkennungsquote
- bei falschen oder widersprüchlichen Angaben
- bei Sicherheitsbedenken
Laut Innenministerium betrifft die Regelung grundsätzlich alle sechs internationalen Flughäfen Österreichs:
- Wien
- Linz
- Salzburg
- Innsbruck
- Graz
- Klagenfurt
Die Verfahren werden allerdings zentral in Wien abgewickelt. Innenminister Karner sprach von einer „Bündelung“ am Flughafen Schwechat.
Flughafen Wien als wichtigste Schengen-Außengrenze Österreichs
Der Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit, Franz Ruf, bezeichnete den Flughafen Wien als „wichtigste Schengen-Außengrenze Österreichs“.
Laut den aktuellen Zahlen werden dort jährlich rund zehn Millionen Ein- und Ausreisen registriert. Etwa 500 Asylanträge pro Jahr betreffen den Flughafen Wien direkt.
Mit dem neuen Terminal soll Österreich künftig schneller auf irreguläre Migration reagieren können.
Millioneninvestition für Umbau
Der Flughafen Wien investiert laut Vorstandsdirektor Günther Ofner insgesamt 7,5 Millionen Euro in den Umbau des neuen Grenzterminals. Vier Millionen Euro kommen dabei aus EU-Fördermitteln.
Ofner bezeichnete den Flughafen Wien als „Bollwerk der Sicherheit“ und verwies außerdem auf den erfolgreichen Start des neuen europäischen Entry-Exit-Systems (EES).
Neues Entry-Exit-System bereits aktiv
Das seit Oktober laufende Entry-Exit-System erfasst Reisende aus Drittstaaten bei der Ein- und Ausreise in den Schengen-Raum digital.
Gespeichert werden unter anderem:
- biometrische Daten
- Einreisezeitpunkte
- Ausreisezeitpunkte
Das System soll illegale Aufenthalte leichter erkennbar machen und die Kontrolle der EU-Außengrenzen verschärfen.
Kritik von Menschenrechtsorganisationen erwartet
Menschenrechtsorganisationen kritisieren ähnliche Modelle bereits seit Jahren. Vor allem die lange Unterbringung von Asylsuchenden im Transitbereich von Flughäfen sorgt regelmäßig für Diskussionen.
Befürworter argumentieren dagegen mit schnellerer Abwicklung, höherer Sicherheit und einer besseren Kontrolle irregulärer Migration.
Mit dem neuen Grenzterminal in Schwechat wird Österreich nun eines der ersten Länder sein, das die neuen EU-Asylregeln in größerem Stil praktisch umsetzt.
(fd/apa)