Terror in Wien

6 Jahre danach

(02.11.2026) Sechs Jahre nach dem Terroranschlag in der Wiener Innenstadt hat Österreich am Montag der Opfer gedacht. Am Desider-Friedmann-Platz legten Vertreter von Bund, Stadt Wien und Sicherheitsbehörden Kränze nieder. Bei dem islamistisch motivierten Anschlag am 2. November 2020 waren vier Menschen getötet und zahlreiche weitere verletzt worden.

Gedenken am Desider-Friedmann-Platz

An der Gedenkveranstaltung nahmen unter anderem Vizekanzler Andreas Babler (SPÖ), Innenminister Gerhard Karner (ÖVP), Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS), Staatssekretär Jörg Leichtfried, Wiens Bürgermeister Michael Ludwig sowie hochrangige Polizeivertreter teil. Kränze, Blumen und Kerzen erinnerten an die Opfer des Anschlags.

Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) konnte wegen einer Auslandsreise nicht teilnehmen. In einer Aussendung betonte er, eine freie Gesellschaft sei nicht selbstverständlich und müsse gegen Angriffe auf den Rechtsstaat verteidigt werden.

Babler: Mehr Unterstützung für Verbrechensopfer

Vizekanzler Babler verband das Gedenken mit der Verantwortung des Staates gegenüber Menschen, die nach Gewalttaten mit körperlichen oder psychischen Folgen leben müssen.

Im Mittelpunkt steht dabei auch eine Reform des Verbrechensopfergesetzes. Nach aktuellen Plänen sollen Entschädigungen ausgeweitet und Hilfen leichter zugänglich werden. Die „Krone“ berichtet unter anderem von einer geplanten Verdoppelung des Schmerzensgeldes auf bis zu 24.000 Euro sowie höheren Zuschüssen zu Bestattungskosten.

Karner verweist auf Veränderungen beim Verfassungsschutz

Innenminister Karner erklärte, der Anschlag vom November 2020 habe zahlreiche Veränderungen bei Polizei und Verfassungsschutz ausgelöst. Österreichs Sicherheitsstrukturen wurden nach dem Attentat umfassend überprüft und teilweise neu organisiert.

Auch Bürgermeister Ludwig stellte beim Gedenken den gesellschaftlichen Zusammenhalt in den Mittelpunkt. Hass und Terror dürften die Stadt nicht spalten. Bildungsminister Wiederkehr betonte ebenfalls die Bedeutung des gemeinsamen Eintretens gegen Extremismus und Gewalt.

Vier Menschen starben bei Anschlag in der Wiener Innenstadt

Am Abend des 2. November 2020, unmittelbar vor Beginn eines Corona-Lockdowns, hatte ein bewaffneter 20-jähriger Anhänger des sogenannten Islamischen Staates in der Wiener Innenstadt das Feuer auf Passanten und Lokalbesucher eröffnet.

Innerhalb weniger Minuten wurden vier Menschen getötet und 23 weitere Personen verletzt, darunter auch ein Polizist. Der Täter bewegte sich unter anderem durch Bereiche rund um Schwedenplatz, Seitenstettengasse, Judengasse und Ruprechtsplatz. Gegen 20.09 Uhr wurde er von Einsatzkräften der WEGA erschossen.

Van der Bellen erinnert auch an Helfer

Bundespräsident Alexander Van der Bellen erinnerte zum Jahrestag nicht nur an die Getöteten, sondern auch an jene Menschen, die damals andere schützten oder Verletzten halfen und zum Teil selbst bis heute unter den Folgen der Tat leiden.

Auch sechs Jahre danach bleibt der Anschlag damit nicht nur ein Kapitel der österreichischen Terrorgeschichte. Für Überlebende, Angehörige und Helfer können körperliche und psychische Folgen bis heute spürbar sein.

Unterschiedliche politische Bewertungen der Folgen

Während Vertreter der Regierungsparteien beim Jahrestag vor allem auf Zusammenhalt und Reformen bei Sicherheitsbehörden verwiesen, übte FPÖ-Chef Herbert Kickl Kritik. Er erklärte, der Anschlag habe aus seiner Sicht Schwächen im Umgang mit islamistischem Extremismus offengelegt, die weiterhin nicht ausreichend behoben seien.

Unabhängig von den politischen Bewertungen stand am Montag jedoch das Gedenken an die vier getöteten Menschen und die zahlreichen Verletzten im Mittelpunkt. Sechs Jahre nach jener Nacht erinnert der Desider-Friedmann-Platz weiter sichtbar an die Opfer des Terroranschlags von Wien.

(fd/apa)

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