Tirol: Schwerer E-Scooter-Unfall
Hals unter Zaun eingeklemmt
(28.09.2026) Innerhalb weniger Stunden haben sich in Tirol und Niederösterreich zwei ungewöhnlich schwere E-Scooter-Unfälle ereignet. In Hall in Tirol musste ein 62-Jähriger von der Feuerwehr befreit werden, nachdem er nach einem Sturz mit dem Hals unter einem Maschendrahtzaun hängen geblieben war. Bereits am Vorabend war in Tulln an der Donau ein 18-jähriger Wiener mit vermutlich rund 115 km/h gegen ein massives Stahltor geprallt.
Hall in Tirol: Passantin findet 62-Jährigen unter Zaun
Der Unfall in Hall in Tirol ereignete sich am Sonntag gegen 17.20 Uhr auf der B171 Tiroler Straße. Nach Angaben der Polizei dürfte der 62-jährige Österreicher im Bereich eines Gewerbegebiets südöstlich des Stadtzentrums von der Fahrbahn beziehungsweise vom Gehsteig abgekommen und anschließend gegen einen Maschendrahtzaun gefahren sein.
Eine Passantin fand den Mann schließlich in einer äußerst gefährlichen Lage: Er hing mit dem Hals unter dem Zaun und konnte sich aus eigener Kraft nicht mehr befreien. Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr Hall in Tirol mussten ihn befreien. Anschließend wurde er mit Verletzungen unbestimmten Grades in das Krankenhaus Hall gebracht.
Alkomattest verweigert – Alkohol damit aber nicht bewiesen
Während der Unfallaufnahme verhielt sich der 62-Jährige laut Polizei unkooperativ und verweigerte einen Alkomattest. Gegen ihn werden deshalb mehrere Verwaltungsanzeigen bei der Bezirkshauptmannschaft Innsbruck erstattet. Ob der Mann tatsächlich alkoholisiert war, ist damit allerdings nicht festgestellt – die Verweigerung eines Tests ist für sich genommen kein Nachweis einer Alkoholisierung.
Tulln: Mit rund 115 km/h gegen massives Stahltor
Noch dramatischer war ein E-Scooter-Crash in Tulln am Samstagabend. Ein 18-Jähriger aus Wien-Donaustadt war gegen 20.10 Uhr im Bereich der Donaulände und des Donauhafens unterwegs. Wegen der laut Polizei nur spärlichen Beleuchtung seines Scooters dürfte er ein massives zweiflügeliges Stahltor übersehen haben.
Die Wucht des Aufpralls war enorm: Die Metallverankerung des Tores wurde abgerissen, der 18-Jährige kam erst dahinter schwer verletzt zum Liegen. Er war zunächst noch ansprechbar, wurde vom Notarzt jedoch in künstlichen Tiefschlaf versetzt und mit dem Rettungshubschrauber Christophorus 2 in das Universitätsklinikum St. Pölten geflogen.
GoPro lieferte entscheidenden Hinweis auf 115 km/h
Wie schnell der junge Mann tatsächlich unterwegs war, konnte die Polizei aufgrund einer GoPro-Aufzeichnung rekonstruieren. Unmittelbar vor dem Zusammenstoß dürfte der Scooter rund 115 km/h erreicht haben. Die Geschwindigkeit ist damit mehr als viermal so hoch wie jene, die für normale E-Scooter im österreichischen Straßenverkehr vorgesehen ist.
Nach zusätzlichen Medieninformationen soll der 18-Jährige kurz zuvor noch drei weitere E-Scooter-Fahrer überholt haben. Am Montag wurde zudem berichtet, dass er inzwischen wieder ansprechbar sei. Er soll unter anderem Rippenbrüche, einen Handbruch und einen Nasenbruch erlitten haben.
115 km/h: Rechtlich kein gewöhnlicher E-Scooter mehr
Nach österreichischem Recht gelten Fahrzeuge nur dann als E-Scooter im Sinn der Straßenverkehrsordnung, wenn sie höchstens 600 Watt Leistung haben und ihre Bauartgeschwindigkeit maximal 25 km/h beträgt. Ein Fahrzeug, das bauartbedingt Geschwindigkeiten in der Größenordnung von 115 km/h erreicht, fällt daher jedenfalls nicht mehr unter diese normale E-Scooter-Regelung.
Welche konkrete Fahrzeugklasse und welche Zulassungs-, Versicherungs- oder Führerscheinpflicht in einem solchen Fall greift, hängt von der technischen Ausführung und Zulassung des Fahrzeugs ab. Ohne genaue technische Daten des Tullner Scooters lässt sich die rechtliche Einstufung daher nicht abschließend bestimmen.
E-Scooter-Unfälle nehmen in Österreich deutlich zu
Die beiden Unfälle treffen auf eine Entwicklung, die Verkehrsexperten schon länger beschäftigt. Laut Statistik Austria wurden im Jahr 2025 2.597 E-Scooter-Fahrer bei Verkehrsunfällen verletzt – ein Plus von 24 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit war bereits etwa jeder 18. im Straßenverkehr Verletzte mit einem E-Scooter unterwegs.
Auch das Kuratorium für Verkehrssicherheit verweist auf steigende Unfallzahlen. Besonders häufig spielen Alleinunfälle, fehlende Schutzausrüstung, Ablenkung oder nicht angepasste Geschwindigkeit eine Rolle.
Zwei Unfälle innerhalb von nur einem Wochenende
Während der 62-Jährige in Hall in Tirol nach seinem Sturz aus seiner ungewöhnlichen Zwangslage gerettet werden musste, zeigt der Crash in Tulln, welche Dimension technisch stark leistungssteigerte Scooter erreichen können. Der 18-Jährige überlebte den Zusammenstoß mit dem Stahltor schwer verletzt und ist nach aktuellen Berichten wieder ansprechbar.
Beide Fälle werden von der Polizei weiter bearbeitet. Besonders beim Tullner Unfall dürfte neben dem Unfallhergang auch die technische und rechtliche Beschaffenheit des extrem schnellen Scooters von Interesse sein.
(fd/apa)