Trump auf Putin-kuschel-Kurs?

Midterms: Trump denkt an sich

(19.10.2026) Kurz vor den US-Zwischenwahlen sorgt Donald Trump mit seiner Russland-Politik für heftige Kritik. Der US-Präsident lockert Sanktionen gegen Moskau, vereinbart einen Diesel-Deal mit Wladimir Putin und erhöht gleichzeitig den Druck auf die Ukraine. Während Trump von Fortschritten bei Friedensverhandlungen spricht, warnen Experten vor einer gefährlichen Schwächung Kiews. Auch innerhalb seiner eigenen Republikanischen Partei wächst der Widerstand.

Trump setzt Russland-Sanktionen überraschend aus

Die jüngste Entscheidung aus Washington sorgt international für Aufsehen. US-Präsident Donald Trump hat wichtige Teile eines neuen Sanktionspakets gegen Russland vorerst ausgesetzt. Die Maßnahmen sollten Moskau wirtschaftlich stärker unter Druck setzen und waren zuvor mit Unterstützung beider großer US-Parteien beschlossen worden.

Trump begründete die Aussetzung mit den nationalen Interessen der USA und seinen Bemühungen um eine Friedenslösung im Ukraine-Krieg. Zusätzliche Sanktionen würden Russland möglicherweise vom Verhandlungstisch vertreiben, argumentiert der Präsident. Er selbst spricht von großen Fortschritten.

Kritiker befürchten dagegen, dass Kremlchef Wladimir Putin dadurch wirtschaftlich und politisch gestärkt wird, während Russland seine Angriffe auf die Ukraine fortsetzt.

Diesel-Deal mit Putin soll Spritpreise senken

Für besonders große Diskussionen sorgt ein neues Dieselabkommen zwischen den USA und Russland. Washington hat dafür bestimmte Handelsbeschränkungen gelockert. Die entsprechende Genehmigung soll bis 7. April 2027 gelten.

Trump will damit die hohen Treibstoffpreise in den USA bekämpfen. Gerade vor den wichtigen Kongresswahlen Anfang November ist die Teuerung ein großes innenpolitisches Thema.

Allerdings bezweifeln Experten, dass zusätzliche russische Diesellieferungen die Preise tatsächlich deutlich senken können. Gleichzeitig könnte Russland durch die Exporte neue Einnahmen erzielen, die indirekt auch den Krieg gegen die Ukraine finanzieren.

Ukraine fürchtet Verlust wichtiger US-Unterstützung

Während Trump auf eine Annäherung an Moskau setzt, verschärft sich der Konflikt mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Trump wirft ihm vor, nicht ausreichend an einer Beendigung des Krieges interessiert zu sein.

Besonders kritisch ist die Situation bei der militärischen Unterstützung. Zuletzt gab es Einschränkungen bei Satellitenkommunikation und Geheimdienstinformationen, auf die die ukrainischen Streitkräfte angewiesen sind. Wer die Einschränkungen veranlasste und in welchem Umfang die Unterstützung inzwischen wiederhergestellt wurde, ist teilweise umstritten.

Die Ukraine benötigt zudem dringend weitere Patriot-Abwehrraketen, um ihre Städte und Energieversorgung vor russischen Angriffen zu schützen.

US-Zwischenwahlen erhöhen den Druck auf Trump

Hinter dem außenpolitischen Kurswechsel steht möglicherweise auch der wachsende innenpolitische Druck. Am 3. November 2026 finden in den USA die sogenannten Midterms statt. Dabei werden das gesamte Repräsentantenhaus und ein Teil des Senats neu gewählt.

Hohe Energiepreise und die Folgen des Iran-Krieges belasten die politische Debatte. Trump hatte seinen Wählern unter anderem niedrigere Lebenshaltungskosten und ein Ende langwieriger militärischer Konflikte versprochen.

Politikexperten vermuten deshalb, dass der Präsident mit einer Annäherung an Putin sowohl wirtschaftliche Entlastung als auch einen diplomatischen Erfolg vor der Wahl erreichen möchte. Ob diese Strategie aufgeht, ist allerdings offen.

Kritik kommt auch aus Trumps eigener Partei

Die Russland-Politik stößt inzwischen nicht nur bei Demokraten und europäischen Verbündeten auf Widerstand. Auch mehrere republikanische Politiker äußerten Bedenken gegen die Lockerung der Sanktionen.

Sie warnen davor, dass Washington dadurch Druckmittel gegenüber Moskau verliert und gleichzeitig die eigene Position im Ukraine-Krieg schwächt.

Für Europa könnte Trumps neuer Kurs weitreichende Folgen haben. Sollte die Unterstützung aus den USA weiter zurückgehen, müssten die europäischen Staaten noch größere Teile der finanziellen und militärischen Hilfe für die Ukraine übernehmen.

Putin profitiert – während Russland weiter angreift

Am 19. Oktober meldete die Ukraine erneut schwere russische Angriffe auf ihre Energieinfrastruktur. Zahlreiche Anlagen wurden beschädigt, Hunderttausende Menschen waren von Stromausfällen betroffen.

Damit wächst die Sorge vor einem weiteren schwierigen Kriegswinter. Während Trump seine Annäherung an Putin als Chance für Frieden darstellt, sieht die ukrainische Regierung in den amerikanischen Zugeständnissen eine Schwächung ihrer Verhandlungsposition.

(fd/apa)

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