UNO evakuiert Seeleute
Frachter passieren Hormuz
(24.06.2026) Nach monatelangen Behinderungen im Persischen Golf gibt es erstmals deutliche Zeichen einer Entspannung in der Straße von Hormuz. Unter einem neuen Evakuierungs- und Sicherheitsplan der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation (IMO) haben erste Handelsschiffe die strategisch wichtige Meerenge wieder erfolgreich passiert. Die IMO bestätigte, dass erste Schiffe die Passage bereits genutzt haben. Laut Schiffsverfolgungsdaten durchquerten in den vergangenen Stunden mehrere Frachtschiffe und Schüttgutfrachter die Meerenge zwischen dem Iran und Oman. Weitere Dutzende Schiffe bereiten sich derzeit auf die Durchfahrt vor.
Tausende Seeleute sitzen seit Monaten fest
Die Straße von Hormuz zählt zu den wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt. Rund ein Fünftel des globalen Ölhandels wird normalerweise über die Meerenge abgewickelt.
Seit Beginn des Konflikts zwischen den USA, Israel und dem Iran war die Passage jedoch massiv eingeschränkt. Hunderte Schiffe konnten den Persischen Golf nicht verlassen, Tausende Seeleute saßen fest. Nach Angaben der IMO betrifft die Krise mehr als 11.000 Seeleute auf hunderten Schiffen. Frühere Schätzungen gingen sogar von bis zu 20.000 betroffenen Besatzungsmitgliedern aus.
UNO startet Evakuierungsplan
Die Internationale Seeschifffahrtsorganisation arbeitet seit Monaten an einem Sicherheitskonzept für die betroffenen Schiffe. Ziel ist es, die festgesetzten Besatzungen schrittweise aus der Gefahrenzone zu bringen und gleichzeitig die Handelsschifffahrt wieder in Gang zu setzen.
Nach Angaben der IMO soll der aktuelle Plan Hunderten Schiffen eine sichere Passage ermöglichen. Die Organisation arbeitet dabei mit Oman, dem Iran und weiteren internationalen Partnern zusammen.
Trump: Iran verlangt keine Gebühren
Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgte eine Erklärung von US-Präsident Donald Trump. Er teilte mit, dass der Iran den USA zugesichert habe, keine Gebühren, Zölle oder sonstigen Abgaben für die Durchfahrt durch die Straße von Hormuz zu verlangen.
Sollte sich diese Zusage als falsch herausstellen, würden die laufenden Verhandlungen zwischen Washington und Teheran sofort beendet werden, kündigte Trump an.
Zuletzt hatte es Berichte gegeben, wonach der Iran und Oman künftig gemeinsame Dienstleistungen für die Schifffahrt organisieren und dafür möglicherweise Gebühren verlangen könnten. Diese Diskussion sorgt weiterhin für Unsicherheit in der internationalen Schifffahrtsbranche.
Diplomatische Gespräche laufen weiter
Parallel dazu bemühen sich mehrere Staaten um eine langfristige Lösung. Katars Regierungschef Sheikh Mohammed bin Abdulrahman al-Thani reiste am Mittwoch in den Oman, um Gespräche zwischen den Golfstaaten, dem Irak und dem Iran vorzubereiten.
Geplant sind weitere Treffen, bei denen über die künftige Verwaltung und Sicherheit der Wasserstraße beraten werden soll. Die Straße von Hormuz wird von Iran und Oman kontrolliert und gilt als einer der wichtigsten strategischen Engpässe des Welthandels.
Vollständige Normalisierung noch nicht in Sicht
Trotz der ersten erfolgreichen Passagen warnen Experten vor zu viel Optimismus. Noch immer befinden sich zahlreiche Schiffe in Wartestellung. Zudem erschweren Minenfelder und Sicherheitsrisiken die Rückkehr zum normalen Schiffsverkehr. Branchenvertreter gehen davon aus, dass es noch Monate dauern könnte, bis die Handelsroute wieder vollständig ausgelastet ist.
Dennoch gilt die Wiederaufnahme erster Fahrten als wichtiges Signal für die Weltwirtschaft. Vor allem die Energie- und Rohstoffmärkte beobachten die Entwicklung genau, da die Straße von Hormuz eine Schlüsselrolle für den globalen Handel mit Öl und Gas spielt.
(fd/apa)