UNO-Generaldebatte in New York
Mit Stocker, vdb & Co.
(22.09.2026) Die UNO-Generaldebatte in New York beginnt unter dem Eindruck des anhaltenden Krieges zwischen dem Iran und den USA. Kurz vor dem Auftakt ist der iranische Außenminister Abbas Araqchi in New York eingetroffen. Dort sind zahlreiche diplomatische Gespräche geplant – darunter auch ein Treffen mit Österreichs Außenministerin Beate Meinl-Reisinger. Auch Bundespräsident Alexander Van der Bellen ist zur hochrangigen UNO-Woche nach New York gereist. Gleichzeitig sendet Teheran neue Signale, wonach eine Rückkehr zu Verhandlungen mit Washington möglich sein könnte.
Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei der Straße von Hormus, die für den internationalen Öl- und Gashandel von enormer Bedeutung ist. Aus iranischen Regierungskreisen wurde berichtet, Teheran könne die Meerenge innerhalb weniger Tage wieder öffnen, falls die USA ihren militärischen Druck reduzieren und die Blockade iranischer Häfen aufheben. Allerdings gibt es dazu widersprüchliche Angaben aus dem Iran.
Abbas Araqchi in New York eingetroffen
Irans Außenminister Abbas Araqchi traf am Montagabend Ortszeit in New York ein. Kurz nach seiner Ankunft telefonierte er nach Angaben iranischer Staatsmedien mit UNO-Generalsekretär António Guterres.
Araqchi erklärte, die iranische Delegation wolle bei der UNO die Interessen und Rechte des iranischen Volkes vertreten. Nach Angaben des iranischen Außenministeriums sind während der hochrangigen UNO-Woche zahlreiche Gespräche mit Außenministern und anderen internationalen Vertretern vorgesehen.
Die Generaldebatte der 81. UNO-Generalversammlung beginnt am Dienstag, dem 22. September 2026, im UNO-Hauptquartier in New York und dauert bis zum 28. September.
Treffen mit Außenministerin Meinl-Reisinger geplant
Auch Österreich spielt bei den diplomatischen Kontakten rund um die UNO-Generalversammlung eine Rolle. Außenministerin Beate Meinl-Reisinger will sich am Rande der Treffen mit ihrem iranischen Amtskollegen Araqchi austauschen.
Für Österreich hat der Konflikt nicht nur außenpolitische Bedeutung. Die Auswirkungen des Krieges im Nahen Osten sind auch bei Energiepreisen, Ölversorgung und Treibstoffpreisen spürbar. Meinl-Reisinger setzt bei der UNO-Woche auf zahlreiche bilaterale Gespräche und internationale Kontakte.
Als Sitz der Internationalen Atomenergieorganisation IAEO in Wien besitzt Österreich zudem eine besondere Verbindung zu den internationalen Verhandlungen über das iranische Atomprogramm.
Neben Meinl-Reisinger ist auch Bundespräsident Alexander Van der Bellen bei der UNO-Woche in New York. Österreich wird bei der hochrangigen Woche außerdem von Bundeskanzler Christian Stocker vertreten.
Van der Bellen, Stocker und Meinl-Reisinger starteten bereits am Montag gemeinsam in die diplomatischen Termine rund um die 81. UNO-Generalversammlung und trafen unter anderem UNO-Generalsekretär António Guterres.
Für Van der Bellen steht die diesjährige UNO-Generalversammlung auch unter besonderen Vorzeichen: Österreich wird 2027 und 2028 als nichtständiges Mitglied im UNO-Sicherheitsrat vertreten sein. Der Bundespräsident will die Tage in New York deshalb auch nutzen, um Österreich als Partner in Fragen von Sicherheit, Frieden und internationaler Zusammenarbeit zu positionieren.
Auf Van der Bellens Programm stehen neben Gesprächen mit Guterres auch ein Treffen mit UNO-Menschenrechtskommissar Volker Türk sowie mehrere bilaterale Gespräche mit Staats- und Regierungschefs. Am Mittwoch will Van der Bellen zudem am Gipfeltreffen der Internationalen Krim-Plattform teilnehmen und dort eine Rede halten. Ebenfalls vorgesehen ist ein Auftritt bei einer Veranstaltung anlässlich von 75 Jahren Genfer Flüchtlingskonvention.
Damit ist Österreich während einer der diplomatisch wichtigsten Wochen des Jahres gleich auf mehreren Ebenen in New York vertreten: Van der Bellen als Bundespräsident, Stocker als Bundeskanzler und Meinl-Reisinger als Außenministerin.
Irans Präsident Pezeshkian ebenfalls in New York
Neben Araqchi ist auch der iranische Präsident Masoud Pezeshkian nach New York gereist. Damit befindet sich einer der ranghöchsten Vertreter der Islamischen Republik seit Beginn des Krieges auf amerikanischem Boden.
Pezeshkian soll am Mittwoch, 23. September, vor der UNO-Generalversammlung sprechen. Vor seiner Abreise erklärte er laut iranischen Staatsmedien, die Position seines Landes bei den Vereinten Nationen mit Nachdruck vertreten zu wollen.
Sein Auftritt wird besonders aufmerksam verfolgt, weil derzeit offen ist, ob die UNO-Woche tatsächlich zu neuen indirekten oder direkten Gesprächen zwischen Iran und USA führen könnte.
Iran stellt neue Verhandlungen mit den USA in Aussicht
Parallel zur Ankunft der iranischen Delegation sind aus Teheran neue Signale gekommen. Parlamentspräsident Mohammad Baqer Qalibaf erklärte, Diplomatie bedeute für den Iran keine Kapitulation.
Diplomatische Verhandlungen könnten nach seiner Darstellung vielmehr dazu dienen, militärische und politische Stärke in konkrete politische Ergebnisse umzusetzen.
Damit stellte ein hochrangiger Vertreter der iranischen Führung wieder öffentlich einen diplomatischen Ausweg aus dem Krieg in Aussicht.
Schnelle Zugeständnisse an Washington kündigte Qalibaf allerdings nicht an. Seine Botschaft an US-Präsident Donald Trump blieb deutlich: Die USA könnten dem Iran ihren politischen Willen nicht aufzwingen.
Straße von Hormus innerhalb von sieben Tagen öffnen?
Für die internationalen Energie- und Finanzmärkte ist vor allem eine Meldung zur Straße von Hormus brisant. Ein hochrangiger iranischer Vertreter soll erklärt haben, der Iran könne die wichtige Schifffahrtsroute innerhalb von sieben Tagen wieder öffnen.
Als Voraussetzung wurden demnach eine Verringerung des amerikanischen militärischen Drucks sowie die Aufhebung beziehungsweise Lockerung der Blockade iranischer Häfen genannt.
Der Vorschlag soll bereits über Vermittler an Washington weitergegeben worden sein. Die iranische Delegation in New York verfüge demnach über ausreichende Vollmachten, um Gespräche über eine Wiederaufnahme der Diplomatie voranzutreiben.
Allerdings muss diese Darstellung mit Vorsicht behandelt werden: Aus dem Iran kamen dazu auch widersprüchliche Angaben. Damit ist derzeit nicht abschließend geklärt, ob tatsächlich ein formelles Angebot zur Wiederöffnung der Straße von Hormus vorliegt oder lediglich verschiedene diplomatische Optionen diskutiert werden.
Straße von Hormus bleibt entscheidend für Ölpreis und Europa
Die Straße von Hormus gehört zu den wichtigsten Energierouten der Welt. Ein erheblicher Teil der internationalen Öl- und Flüssiggastransporte aus der Golfregion führt durch die Meerenge zwischen Iran und Oman.
Seit der weitgehenden Schließung der Route hat sich die Lage auf den internationalen Energiemärkten erheblich verschärft. Die Sorge vor Lieferausfällen und längeren Transportwegen hat die Ölpreise stark steigen lassen.
Genau deshalb reagieren die Märkte empfindlich auf jedes diplomatische Signal aus Teheran oder Washington. Bereits Berichte über eine mögliche Wiedereröffnung der Straße von Hormus sorgten am Dienstag für fallende Ölpreise. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent fiel wieder unter die Marke von 100 Dollar.
(fd/apa)