Österreicherin endlich frei!

21 Monate Geiselhaft

(22.10.2026) Mehr als eineinhalb Jahre lang war ungewiss, ob sie jemals wieder nach Hause kommen würde. Jetzt gibt es die erlösende Nachricht: Die im westafrikanischen Niger entführte Österreicherin Eva G. ist nach mehr als 21 Monaten in Geiselhaft wieder frei. Außenministerin Beate Meinl-Reisinger bestätigt die Freilassung am Donnerstag, 22. Oktober 2026, offiziell. Die Ministerin konnte sogar bereits persönlich mit der Wienerin telefonieren. Auch eine gemeinsam mit ihr festgehaltene Schweizerin wurde freigelassen.

Außenministerin telefoniert mit befreiter Wienerin

Nach monatelanger Ungewissheit ist die Erleichterung groß. Die 75-jährige Österreicherin Eva G., die im Jänner 2025 in Niger verschleppt worden war, befindet sich nicht mehr in der Gewalt ihrer Entführer.

Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (NEOS) bestätigte am Donnerstag die Nachricht und berichtete von einem ersten persönlichen Telefonat mit der befreiten Frau.

„Ich konnte bereits mit Eva G. telefonieren. Es scheint ihr so weit gut zu gehen und ich bin sehr beeindruckt von dieser starken Frau“, erklärte die Außenministerin.

Wie stark die lange Gefangenschaft die Österreicherin körperlich und psychisch belastet hat, ist derzeit nicht bekannt. Dass sie wieder in Freiheit ist und Kontakt zu österreichischen Behörden aufnehmen konnte, ist jedoch ein entscheidender Durchbruch.

Im Jänner 2025 aus ihrem Zuhause entführt

Der Fall begann am 11. Jänner 2025 in der Wüstenstadt Agadez im Norden Nigers. Bewaffnete Männer drangen damals in das Haus der Österreicherin ein und verschleppten sie.

Eva G. lebte bereits seit fast 30 Jahren in Niger. Sie engagierte sich dort unter anderem für Bildung, Kultur und die Unterstützung junger Menschen. Seit 1996 war sie in der Region aktiv und gründete später ein Kompetenzzentrum für Ausbildungs- und Entwicklungsprojekte.

Ihre Entführung sorgte deshalb nicht nur in Österreich, sondern auch in der Region Agadez für große Bestürzung.

Lange blieb völlig unklar, wer genau die Frau festhielt und unter welchen Bedingungen sie leben musste.

Auch Schweizerin aus Geiselhaft befreit

Gemeinsam mit der Österreicherin wurde eine Schweizer Staatsbürgerin freigelassen, die im April 2025 ebenfalls in Agadez entführt worden war.

Beide Frauen hatten sich über viele Jahre hinweg in Niger engagiert. Nach Medienberichten wurden sie zeitweise im Grenzgebiet zwischen Niger und Mali festgehalten.

Am Mittwochabend, 21. Oktober, meldete die Nachrichtenagentur Reuters erstmals unter Berufung auf zwei mit dem Vorgang vertraute offizielle Quellen, dass die beiden Frauen in die ostlibysche Stadt Benghazi gebracht worden seien.

Der lokale Sender al-Masar berichtete anschließend ebenfalls über ihre Freilassung. Am Donnerstag folgte schließlich die offizielle Bestätigung aus Österreich.

Welche Rolle spielte Saddam Haftar bei der Freilassung?

Besonders interessant sind die Berichte über die Vermittlung der Freilassung. Nach Angaben des libyschen Fernsehsenders al-Masar soll Saddam Haftar, ein einflussreicher Militärvertreter im Osten Libyens und Sohn des Machthabers Khalifa Haftar, eine zentrale Rolle gespielt haben.

Demnach setzte er sich auf Bitten der Angehörigen für die beiden Frauen ein und half dabei, ihre Freilassung und ihre Ankunft in Benghazi zu ermöglichen.

Auch Reuters berichtete unter Berufung auf offizielle Quellen über eine Beteiligung Haftars an der Operation.

Wie die Verhandlungen genau abliefen, ob Bedingungen vereinbart wurden oder ob eine Gegenleistung erfolgte, ist bislang nicht öffentlich bekannt. Die Berichte über Haftars Rolle lassen sich daher nicht in allen Einzelheiten unabhängig überprüfen.

Hoffnung auf Freiheit gab es bereits im September

Schon am 11. September 2026 waren erstmals Berichte aufgetaucht, wonach die Österreicherin und die Schweizerin freikommen könnten.

Das österreichische Außenministerium sprach damals von ermutigenden Informationen. Gleichzeitig wurde aber davor gewarnt, die Freilassung bereits als abgeschlossen zu betrachten.

Der Prozess sei komplex und gefährlich, hieß es damals aus dem Ministerium. Eine sichere Übergabe hatte zu diesem Zeitpunkt noch nicht stattgefunden.

Auch der Sohn der Österreicherin äußerte im September Hoffnung, dass seine Mutter nicht mehr unmittelbar in der Gewalt der ursprünglichen Geiselnehmer sei.

Erst jetzt, mehr als einen Monat später, ist die Freilassung offiziell bestätigt.

Warum sind Entführungen in Niger so gefährlich?

Niger liegt in der westafrikanischen Sahelzone, einer Region, in der sich die Sicherheitslage in den vergangenen Jahren erheblich verschlechtert hat. Bewaffnete Gruppen, kriminelle Netzwerke und islamistische Milizen sind in verschiedenen Gebieten aktiv.

Besonders im Grenzraum zwischen Niger, Mali und Burkina Faso kommt es immer wieder zu Angriffen, Entführungen und bewaffneten Auseinandersetzungen.

Zu den aktiven Gruppierungen gehören Ableger des sogenannten Islamischen Staats sowie mit Al-Kaida verbundene Organisationen. Welche Gruppierung die Österreicherin tatsächlich festhielt, wurde von den Behörden bislang nicht abschließend öffentlich bestätigt.

Nach ihrer Entführung hatte die Al-Kaida-nahe Gruppierung JNIM eine Beteiligung an dem Fall bestritten.

Wann kommt die Österreicherin nach Hause?

Nach Angaben regionaler Medien sollen die beiden Frauen nach ihrer Befreiung zunächst in Benghazi in Libyen angekommen sein.

Das nigrische Nachrichtenportal Aïr Info berichtete, dass für Donnerstag ein Flug von Benghazi über Wien in die Schweiz vorgesehen gewesen sei. Dabei sollte die Österreicherin in Wien und die Schweizerin anschließend in ihrer Heimat übergeben werden.

(fd/apa)

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