Millionen Hackerangriffe
Auch Österreich betroffen!
(22.10.2026) Plötzlich sind Nachrichtenportale, Behörden-Websites und andere wichtige Internetseiten nicht mehr erreichbar. Dahinter steckt eine gefährliche Sicherheitslücke, die weltweit für Alarm sorgt. Innerhalb weniger Stunden registrierte der Internetdienstleister Cloudflare Millionen von Angriffsversuchen. Auch in Österreich gingen zahlreiche Websites vorsorglich offline, darunter jene des Landes Niederösterreich. Doch wie gefährlich ist die Situation für normale Internetnutzer, und können jetzt persönliche Daten gestohlen werden?
Sicherheitslücke sorgt für Millionen Angriffsversuche
Die Sicherheitswarnung vom Mittwoch, 21. Oktober 2026, betrifft einen wichtigen Bestandteil des Internets. In der weit verbreiteten Programmiersprache PHP, die im Hintergrund unzähliger Websites verwendet wird, wurden zwei besonders gefährliche Sicherheitslücken entdeckt.
Das Problem: Kriminelle könnten diese Schwachstellen ausnutzen, um aus der Ferne in schlecht geschützte Websites einzudringen. Im schlimmsten Fall könnten sie die Kontrolle über einen Server übernehmen, Inhalte verändern oder auf dort gespeicherte Daten zugreifen.
Wie ernst die Situation ist, zeigen die Zahlen des US-Unternehmens Cloudflare. Dessen Chef Matthew Prince berichtete, dass die Angriffsversuche nach der Bekanntgabe der Schwachstellen explosionsartig zunahmen. Zunächst wurden Tausende Versuche registriert, kurz darauf Zehntausende und Hunderttausende. Inzwischen ist von Millionen Angriffsversuchen die Rede.
Das bedeutet allerdings nicht, dass auch Millionen Websites erfolgreich gehackt wurden. Die Zahl beschreibt registrierte Versuche, die Sicherheitslücken auszunutzen.
Auch in Österreich waren zahlreiche Websites offline
Die Auswirkungen waren bereits am Mittwoch in Österreich deutlich zu spüren. Zahlreiche Einrichtungen nahmen ihre Internetseiten vorsorglich vom Netz, um mögliche Angriffe zu verhindern.
In Niederösterreich war unter anderem die offizielle Website des Landes Niederösterreich zeitweise nicht erreichbar. Auch die Niederösterreichischen Nachrichten (NÖN), die Pädagogische Hochschule Niederösterreich und die FH Wiener Neustadt meldeten Einschränkungen beziehungsweise vorübergehende Abschaltungen.
Darüber hinaus waren österreichweit unter anderem die Websites der Universität Wien und der Technischen Universität Wien von vorsorglichen Maßnahmen betroffen.
Wichtig ist dabei: Eine abgeschaltete Website bedeutet nicht automatisch, dass sie gehackt wurde. Viele Betreiber reagierten bewusst frühzeitig auf die Sicherheitswarnung und wollten ihre Systeme erst nach einer Überprüfung beziehungsweise einem Update wieder vollständig freigeben.
Warum verschwinden plötzlich ganze Internetseiten?
Der Grund für die zahlreichen Ausfälle ist vergleichsweise einfach: Eine Website kann nach außen völlig normal aussehen, während im Hintergrund eine gefährliche Sicherheitslücke besteht.
Wird diese Schwachstelle von Kriminellen ausgenutzt, könnten sie unter Umständen auf den Server zugreifen, der die Website betreibt. Deshalb entscheiden sich manche Unternehmen und Behörden dafür, ihre Internetangebote vorübergehend abzuschalten.
Lieber eine Website für einige Stunden nicht erreichbar machen, als einen möglichen Einbruch in die eigenen Systeme riskieren.
Die österreichischen IT-Sicherheitsexperten von CERT.at hatten bereits vor der Veröffentlichung der Sicherheitsupdates gewarnt und Website-Betreibern empfohlen, ihre Systeme entsprechend vorzubereiten.
Seit Mittwoch stehen Korrekturen bereit, mit denen Betreiber die gefährlichen Schwachstellen schließen können.
Was bedeutet das für dich als Internetnutzer?
Wer ganz normal mit dem Smartphone im Internet surft, muss wegen dieser Sicherheitslücke zunächst keine besonderen Einstellungen verändern. Denn das Problem befindet sich auf den Servern der Websites und nicht unmittelbar auf deinem Handy oder Computer.
Trotzdem kann die Situation indirekte Folgen haben. Bestimmte Websites könnten vorübergehend nicht erreichbar sein. Onlineformulare, Kundenportale oder andere digitale Dienstleistungen könnten zeitweise ausfallen, wenn Betreiber ihre Systeme aus Sicherheitsgründen abschalten.
Problematisch wird es vor allem dann, wenn Kriminelle tatsächlich Zugriff auf eine ungeschützte Website erhalten. Je nachdem, welche Informationen dort gespeichert sind, könnten auch persönliche Daten von Nutzern gefährdet sein.
Nicht jeder Besucher einer betroffenen Website muss deshalb mit einem Datendiebstahl rechnen. Ob tatsächlich Informationen entwendet wurden, hängt davon ab, ob ein Angriff erfolgreich war und welche Systeme betroffen sind.
Können auch Passwörter und Bankdaten gestohlen werden?
Grundsätzlich besteht bei einem erfolgreichen Angriff auf einen Webserver die Gefahr, dass dort gespeicherte Informationen in falsche Hände geraten. Dazu könnten beispielsweise Kontaktdaten, Benutzerkonten oder andere persönliche Informationen gehören.
Der österreichische IT-Unternehmer Alexander Windbichler vom Cloud-Anbieter Anexia erklärte allerdings gegenüber Ö1, dass Bankkonten und Bankdaten durch diese konkrete Sicherheitslücke nicht unmittelbar betroffen seien.
Das ist eine wichtige Unterscheidung: Die Schwachstelle richtet sich gegen bestimmte Webserver und bedeutet nicht, dass Hacker plötzlich Zugriff auf sämtliche Bankkonten in Österreich haben.
Dennoch warnen Sicherheitsexperten davor, dass bereits manipulierte Websites später für weitere Angriffe missbraucht werden könnten.
Muss ich jetzt mein Passwort ändern?
Ein sofortiger Passwortwechsel ist für alle Internetnutzer aufgrund dieser Sicherheitslücke nicht generell notwendig. Anders sieht es aus, wenn ein Dienst, bei dem man ein Benutzerkonto besitzt, einen tatsächlichen Datenabfluss meldet und zum Passwortwechsel auffordert.
Grundsätzlich ist es sinnvoll, für verschiedene Websites unterschiedliche Passwörter zu verwenden und, wenn möglich, eine zusätzliche Anmeldebestätigung einzurichten.
Außerdem sollten Nutzer bei ungewöhnlichen E-Mails oder Nachrichten vorsichtig sein. Besonders dann, wenn angeblich wegen eines Sicherheitsproblems dringend ein Passwort eingegeben oder ein unbekannter Link geöffnet werden soll.
Auch regelmäßige Updates von Smartphone, Computer und Browser bleiben wichtig. Sie schließen zwar nicht die Sicherheitslücke auf fremden Websites, schützen aber vor anderen bekannten Angriffsmöglichkeiten.
Sicherheitslücke betrifft Websites auf der ganzen Welt
Das Problem ist keineswegs auf Österreich beschränkt. Auch in Deutschland, Frankreich, Belgien und den Niederlanden waren Behördenportale und weitere Onlineangebote zeitweise nicht erreichbar.
Dass sich die Auswirkungen so weit verbreiten können, liegt daran, dass PHP bei einem großen Teil aller Websites eingesetzt wird. Auch bekannte Systeme wie WordPress, Joomla und Drupal können diese Technik nutzen.
Sicherheitsexperten sprechen deshalb von einer außergewöhnlich schwerwiegenden Schwachstelle. Europäische und österreichische Cybersicherheitsbehörden haben Website-Betreiber aufgerufen, die verfügbaren Updates möglichst rasch einzuspielen.
Wie lange dauert es, bis alles wieder funktioniert?
Seit 21. Oktober 2026 stehen Sicherheitsupdates bereit. Viele Anbieter können ihre Systeme damit absichern und anschließend wieder online nehmen.
Wie schnell das gelingt, hängt von der jeweiligen Website und ihrer technischen Infrastruktur ab. Manche Angebote waren nur kurz abgeschaltet, andere benötigen mehr Zeit für Aktualisierungen und Sicherheitsprüfungen.
Für normale Internetnutzer lautet die wichtigste Botschaft deshalb: Die Gefahr ist ernst, aber nicht jedes Smartphone, jeder Computer oder jedes Bankkonto ist dadurch automatisch bedroht.
Wer vorübergehend eine Fehlermeldung auf einer Website sieht, muss auch nicht sofort von einem Hackerangriff ausgehen. In vielen Fällen handelt es sich um eine bewusste Sicherheitsmaßnahme der Betreiber.
(fd/apa)