Längere Öffnungszeiten?

Sonn- und Feiertagsarbeit?

(22.10.2026) Noch schnell nach der Arbeit einkaufen, am Samstagabend Lebensmittel besorgen oder sogar am Sonntag in den Supermarkt gehen: Was für viele Menschen praktisch wäre, sorgt in Österreich für eine heftige Diskussion. BILLA und andere Handelsvertreter fordern längere Ladenöffnungszeiten. Jetzt bekommt die Debatte auch Unterstützung aus der Bundesregierung. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer zeigt sich offen für Änderungen und unterstützt einen Vorschlag der NEOS. Doch bedeutet das wirklich, dass Supermärkte bald auch sonntags aufsperren dürfen? Die Bevölkerung auf Social Media zeigt sich gespalten.

BILLA fordert sechs zusätzliche Öffnungsstunden pro Woche

Den jüngsten Anstoß lieferte REWE-Österreich-Chef Marcel Haraszti. Zum Handelskonzern gehören unter anderem BILLA, BILLA Plus, PENNY, BIPA und ADEG. Haraszti fordert, die gesetzlichen Öffnungsmöglichkeiten für klassische Geschäfte auszuweiten.

Derzeit dürfen gewöhnliche Geschäfte in Österreich grundsätzlich höchstens 72 Stunden pro Woche geöffnet haben. Der REWE-Chef möchte diese Grenze auf 78 Stunden erhöhen. Damit hätten Supermärkte sechs zusätzliche Stunden zur Verfügung, die sie innerhalb der erlaubten Öffnungszeiten nutzen könnten.

Das bedeutet allerdings nicht, dass jede BILLA-Filiale automatisch sechs Stunden länger offen haben würde. Die Unternehmen könnten selbst entscheiden, an welchen Tagen sich längere Öffnungszeiten lohnen.

Warum sollen Supermärkte länger offen haben?

Aus Sicht des Handels haben sich die Einkaufsgewohnheiten verändert. Viele Menschen arbeiten länger, pendeln oder erledigen ihre Einkäufe erst am Abend. Gleichzeitig spielt die Konkurrenz durch den Onlinehandel eine immer größere Rolle.

Längere Öffnungszeiten könnten es Kundinnen und Kunden erleichtern, ihren Einkauf mit Beruf und Alltag zu vereinbaren. Für Handelsunternehmen geht es auch darum, Umsätze im stationären Handel zu halten.

Die Wirtschaftskammer zeigt sich grundsätzlich offen für eine Diskussion. WKÖ-Handelsobmann Rainer Trefelik brachte zuletzt unter anderem längere Öffnungszeiten am Samstagabend und bis zu zehn verkaufsoffene Sonntage pro Jahr ins Gespräch.

Eine solche Regelung ist allerdings bisher nicht beschlossen.

Wirtschaftsminister unterstützt Vorstoß der NEOS

Jetzt kommt Bewegung in die politische Diskussion. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) unterstützt den Ansatz von NEOS-Staatssekretär Sepp Schellhorn, bestimmte Geschäfte künftig von den bisherigen Ladenöffnungsbeschränkungen auszunehmen.

Dabei geht es ausdrücklich um Betriebe, in denen keine angestellten Mitarbeiter beschäftigt sind. Das können etwa digitale Selbstbedienungsmärkte, kleine Nahversorger ohne Verkaufspersonal oder sogenannte Verkaufsboxen sein.

Hattmannsdorfer erklärte gegenüber dem Kurier, dass solche Verkaufsformen nicht denselben Regeln unterliegen sollten wie gewöhnliche Geschäfte mit Personal.

Bei klassischen Supermärkten ist der Minister dagegen vorsichtiger. Ob Nahversorger künftig etwa samstags bis 19 Uhr oder donnerstags bis 21 Uhr öffnen sollten, ließ er offen. Er sprach sich aber für eine Diskussion über flexiblere Öffnungszeiten aus.

BILLA-Boxen könnten auch sonntags öffnen

Besonders konkret ist die Debatte bei kleinen Selbstbedienungsgeschäften. Die sogenannten BILLA-Boxen funktionieren ohne klassisches Verkaufspersonal. Kunden können ihre Lebensmittel selbst auswählen und an einer Selbstbedienungskassa bezahlen.

Allerdings gelten auch für solche Verkaufscontainer grundsätzlich die Beschränkungen des österreichischen Öffnungszeitengesetzes. Ein entsprechender Entscheid des Verfassungsgerichtshofs hatte die Expansionspläne von BILLA gebremst.

Nach Angaben des Konzerns gibt es derzeit österreichweit nur vier solcher Selbstbedienungsboxen. Ein Testlauf mit Regionalboxen in Kärnten wurde eingestellt.

Mit einer Gesetzesänderung könnten diese Angebote künftig auch nach 20 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen geöffnet haben. Gerade für kleinere Gemeinden ohne eigenen Nahversorger könnte das neue Einkaufsmöglichkeiten schaffen.

Umfrage: Fast drei Viertel wollen flexiblere Einkaufszeiten

BILLA verweist bei seiner Forderung auf eine vom Konzern beauftragte Umfrage unter rund 1.000 Menschen. Demnach sprechen sich knapp 73 Prozent der Befragten dafür aus, dass personallose Selbstbedienungsmärkte bei entsprechendem Bedarf auch abends sowie an Sonn- und Feiertagen öffnen dürfen.

Das Ergebnis zeigt aus Sicht des Unternehmens, dass es einen Bedarf für flexiblere Einkaufsmöglichkeiten gibt. Allerdings betrifft die Umfrage speziell personallose Nahversorger und ist keine allgemeine Zustimmung zur Sonntagsöffnung aller Supermärkte.

Auch die Interessen von Kundschaft und Handelsbeschäftigten müssen bei einer möglichen Reform berücksichtigt werden.

Gewerkschaft warnt vor längeren Arbeitszeiten

Deutliche Kritik kommt von der Gewerkschaft GPA. Deren Vorsitzende Barbara Teiber hält wenig davon, die erlaubten Öffnungszeiten gewöhnlicher Geschäfte von 72 auf 78 Stunden zu verlängern.

Ihr Argument: Was Kundinnen und Kunden innerhalb von 72 Stunden nicht einkaufen, werde nicht automatisch in den zusätzlichen sechs Stunden verkauft.

Die Gewerkschaft befürchtet außerdem einen höheren Druck auf Handelsangestellte. Besonders betroffen wären Beschäftigte mit Betreuungspflichten, darunter viele Frauen. Denn gerade am Abend und am Wochenende stehen nicht überall ausreichende Kinderbetreuungsmöglichkeiten zur Verfügung.

Aus Sicht der Arbeitnehmervertretung darf mehr Flexibilität beim Einkaufen deshalb nicht zulasten der Beschäftigten gehen.

Feiertagszuschläge sollen steuerfrei werden

Wirtschaftsminister Hattmannsdorfer brachte im Zusammenhang mit der Debatte noch einen weiteren Vorschlag ins Spiel: Zuschläge für Arbeit an Sonn- und Feiertagen sollen steuerfrei werden.

Damit könnten Beschäftigte, die an solchen Tagen arbeiten, finanziell stärker profitieren. Der Minister begründet seine Forderung damit, dass besondere Arbeitsleistungen auch entsprechend belohnt werden sollten.

Gleichzeitig betont Hattmannsdorfer, dass er grundsätzlich am arbeitsfreien Sonntag festhalten möchte.

Wichtig ist: Die Steuerbefreiung der Sonn- und Feiertagszuschläge ist derzeit eine politische Forderung. Sie bedeutet weder, dass alle Zuschläge bereits steuerfrei sind, noch dass künftig automatisch alle Geschäfte sonntags öffnen dürfen.

Wie lange dürfen Geschäfte derzeit öffnen?

Nach dem österreichischen Öffnungszeitengesetz dürfen gewöhnliche Geschäfte grundsätzlich Montag bis Freitag zwischen 6 und 21 Uhr sowie samstags zwischen 6 und 18 Uhr geöffnet haben. Zusätzlich gilt die Grenze von 72 Stunden pro Kalenderwoche.

An Sonn- und Feiertagen bleiben die meisten Supermärkte geschlossen. Ausnahmen gibt es beispielsweise für bestimmte Geschäfte an Bahnhöfen und Flughäfen, in Tourismusgebieten oder aufgrund spezieller regionaler Regelungen.

Deshalb können Kundinnen und Kunden schon heute an einzelnen Standorten am Sonntag einkaufen, etwa bei ausgewählten BILLA-Filialen an Verkehrsknotenpunkten.

Eine flächendeckende Sonntagsöffnung ist das allerdings nicht.

Wann könnten die neuen Öffnungszeiten kommen?

Einen konkreten Starttermin für längere Ladenöffnungszeiten gibt es derzeit nicht. Die Bundesregierung diskutiert verschiedene Möglichkeiten, eine entsprechende Gesetzesänderung wurde aber noch nicht beschlossen.

Am weitesten reicht derzeit die politische Übereinstimmung bei Geschäften ohne angestelltes Verkaufspersonal. Für klassische Supermärkte bleiben Fragen zu Arbeitszeiten, Personalbedarf und Sonntagsruhe offen.

Für Kundinnen und Kunden bedeutet das: Wer künftig auch spätabends oder am Sonntag Lebensmittel einkaufen möchte, könnte zunächst vor allem von zusätzlichen Selbstbedienungsläden profitieren. Ob BILLA, PENNY und andere Supermärkte generell länger offen haben dürfen, hängt von weiteren politischen Verhandlungen ab.

(fd/apa)

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