15k Euro fürs länger arbeiten

Wer findet mit 60 noch 'nen Job?

(17.09.2026) Bis zu 15.000 Euro im Jahr steuerfrei weiterarbeiten, gleichzeitig wird über eine Pension Richtung 67 diskutiert: Österreich steckt mitten in der nächsten großen Pensionsdebatte. Doch dabei stellt sich eine ganz praktische Frage: Wie realistisch ist längeres Arbeiten überhaupt, wenn Menschen schon mit über 50 deutlich schwerer einen neuen Job finden? Genau hier zeigen aktuelle Arbeitsmarktzahlen einen deutlichen Widerspruch.

Wer länger arbeitet, soll bis zu 15.000 steuerfrei bekommen

Am 23. September soll der Nationalrat über das Paket „Arbeiten im Alter“ entscheiden. Ab 2027 sollen Menschen, die das gesetzliche Pensionsalter erreicht haben und weiterarbeiten, einen Steuerfreibetrag von bis zu 1.250 Euro pro Monat beziehungsweise 15.000 Euro pro Jahr bekommen. Zusätzlich sollen für diese Arbeit keine eigenen Pensionsversicherungsbeiträge mehr anfallen.

Das gilt sowohl für Menschen, die ihren Pensionsantritt aufschieben, als auch für Pensionisten mit einem zusätzlichen Job. Wer bereits Pension bezieht und die Begünstigung nutzen will, muss grundsätzlich mindestens 40 Versicherungsjahre vorweisen; für Frauen gibt es wegen der schrittweisen Anhebung ihres Pensionsalters Übergangsregeln.

Gleichzeitig steht plötzlich die Pension mit 67 im Raum

Parallel dazu wird über ein noch höheres gesetzliches Pensionsalter diskutiert. WIFO-Chef Gabriel Felbermayr brachte zuletzt ein Antrittsalter Richtung 67 ins Gespräch. Die NEOS halten eine Diskussion darüber angesichts der demografischen Entwicklung ausdrücklich für notwendig. Auch die Industriellenvereinigung fordert eine schrittweise Anhebung des gesetzlichen Pensionsalters.

Das bedeutet allerdings nicht, dass die Pension mit 67 beschlossen wäre. Derzeit handelt es sich um eine politische und wirtschaftliche Debatte.

Das Problem beginnt für manche schon lange vor 65

Denn wer seinen Arbeitsplatz mit Anfang oder Mitte 50 verliert, erlebt möglicherweise eine ganz andere Realität. Nach aktuellen Zahlen des AMS gehört fast jede dritte arbeitslose Person in Österreich zur Gruppe 50+. Und mit dem Alter dauert die Jobsuche deutlich länger.

Im Durchschnitt waren Arbeitslose 2025 rund 129 Tage ohne Job. Bei den 55- bis 59-Jährigen waren es 147 Tage, bei den 60- bis 64-Jährigen bereits 168 Tage. Das sind im Schnitt fast fünfeinhalb Monate.

Eine magische Grenze bei 52 Jahren gibt es statistisch zwar nicht. Aber wer mit 52 oder 55 seinen Job verliert, fällt bereits in jene Altersgruppe, bei der das AMS selbst von schwierigeren Wiedereinstiegschancen spricht.

„Bis 67 arbeiten“ – aber wer stellt einen mit 60 noch ein?

Noch deutlicher wird das Problem bei einem Blick auf die Unternehmen. Nach Angaben der Arbeiterkammer gibt es in Österreich rund 25.000 mittlere und größere Betriebe mit mehr als 20 Beschäftigten – nur rund ein Viertel davon beschäftigt überhaupt Menschen zwischen 60 und 64 Jahren. Die AK verweist außerdem darauf, dass zwei von fünf Menschen aus der Arbeitslosigkeit direkt in die Pension wechseln. Diese Zahlen stammen von der Arbeitnehmervertretung und sind Teil ihrer Argumentation gegen ein höheres Pensionsalter.

Auch das AMS Wien beschreibt das Problem deutlich: Wenn die Wirtschaft nach einer schwachen Phase wieder anzieht, würden häufig zunächst jüngere Arbeitskräfte profitieren, während Menschen über 50, die ihren Job verloren haben, schwerer wieder hineinkommen.

Und wie viele arbeiten mit 65 überhaupt noch?

Auch hier sind die Zahlen interessant. Die Erwerbstätigkeit älterer Menschen ist in Österreich zwar massiv gestiegen. Bei den 50- bis 54-Jährigen arbeiten 86,7 Prozent, bei den 55- bis 59-Jährigen noch 81 Prozent. Danach fällt die Quote allerdings deutlich: Von den 60- bis 64-Jährigen sind noch 40 Prozent erwerbstätig.

Bei den 65- bis 69-Jährigen sind es nur noch 11,6 Prozent. Vor 20 Jahren waren es allerdings lediglich 5,8 Prozent – der Anteil hat sich also verdoppelt.

Diese Zahl bedeutet allerdings nicht, dass nur zwölf Prozent der über 65-Jährigen gesundheitlich arbeiten könnten. Viele sind schlicht bereits regulär in Pension.

Ist man mit 65 überhaupt noch arbeitsfähig?

Darauf gibt es keine seriöse Zahl, die für alle Menschen gilt. 65-Jährige sind nicht automatisch arbeitsunfähig – genauso wenig können alle problemlos mehrere weitere Jahre Vollzeit arbeiten. Entscheidend sind Gesundheit, Beruf und Arbeitsbedingungen.

Das österreichische Gesundheitsportal weist darauf hin, dass bestimmte körperliche Fähigkeiten mit zunehmendem Alter nachlassen können. Gleichzeitig verfügen ältere Beschäftigte häufig über mehr Erfahrung, Fachwissen und soziale Kompetenz. Besonders entscheidend sei deshalb, Arbeitsplätze altersgerecht zu gestalten.

Ein 66-jähriger Büroangestellter hat schließlich andere körperliche Anforderungen als jemand, der seit 45 Jahren am Bau arbeitet, schwere Lasten hebt oder im Schichtdienst tätig ist.

Mehr als 114.000 Pensionen wegen Arbeitsunfähigkeit

Dass Gesundheit bereits vor dem normalen Pensionsalter für viele Menschen zum Problem wird, zeigen auch andere Zahlen. Ende 2025 wurden in Österreich rund 114.300 Pensionen wegen geminderter Arbeitsfähigkeit beziehungsweise dauernder Erwerbsunfähigkeit ausbezahlt. Besonders viele Bezieher waren zwischen 50 und 64 Jahre alt.

Das ist kein Beweis gegen längeres Arbeiten insgesamt – zeigt aber, warum die Frage nach dem Pensionsalter nicht nur mit steigender Lebenserwartung beantwortet werden kann.

Streit um angebliche 36 Milliarden Pensionskosten

Und dann ist da noch der große Streit ums Geld. Seniorenbund-Präsidentin Ingrid Korosec argumentiert, dass von rund 36 Milliarden Euro, die häufig dem Pensionsbereich zugerechnet werden, etwa 27 Prozent in Wahrheit Sozial-, Gesundheits- und Familienleistungen seien.

Sie nennt unter anderem 1,3 Milliarden Euro für die Ausgleichszulage, Kindererziehungszeiten und rund 1,8 Milliarden Euro Rehabilitationskosten. Diese Leistungen seien notwendig, hätten aber ihrer Ansicht nach mit der eigentlichen Alterspension nichts zu tun. Deshalb fordert sie „Kostenwahrheit“ statt einer Debatte, in der sämtliche Ausgaben zusammengerechnet würden.

NEOS und Industriellenvereinigung halten dagegen: Unabhängig davon, unter welcher Budgetüberschrift einzelne Leistungen verbucht werden, müsse der Staat immer höhere Ausgaben für Pensionen und pensionsnahe Leistungen finanzieren. Deshalb müsse auch über das Antrittsalter gesprochen werden.

Die entscheidende Frage kommt vor der Pension

Genau deshalb dürfte die Diskussion über 67, längeres Arbeiten und Steuervorteile noch heftiger werden. Denn 15.000 Euro steuerfrei klingen attraktiv – aber nur für jemanden, der mit 65 überhaupt noch arbeiten kann und einen Arbeitsplatz hat.

Die Zahlen zeigen beide Seiten: Immer mehr Österreicher arbeiten tatsächlich länger. Gleichzeitig dauert die Jobsuche gerade bei älteren Arbeitslosen erheblich länger, und nur eine Minderheit arbeitet nach dem 65. Geburtstag überhaupt noch weiter.

Damit stellt sich vor jeder Diskussion über ein höheres Pensionsalter eine mindestens ebenso wichtige Frage: Wie sollen Menschen länger arbeiten, wenn sie schon Jahre davor keinen Arbeitgeber mehr finden?

(fd/apa/krone)

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