Fall Gunkl und Nachwirkungen

Verhindert Täterarbeit Missbrauch?

(17.09.2026) Der Fall rund um Günther „Gunkl“ Paal rückt neben den schweren Vorwürfen auch eine unbequeme Frage in den Mittelpunkt: Kann Hilfe für Menschen mit sexuellen Neigungen zu Kindern verhindern, dass Kinder überhaupt zu Opfern werden? Kinderschutzexperten sagen klar: Täterprävention kann ein wichtiger Teil des Opferschutzes sein. Gleichzeitig warnen sie davor, darüber die betroffenen Kinder aus dem Blick zu verlieren.

Gegen Paal wurde inzwischen wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs einer Unmündigen und im Zusammenhang mit sexualbezogenem Kindesmissbrauchsmaterial Anklage erhoben. Die Anklage ist noch nicht rechtskräftig. Paal selbst äußerte sich am Mittwoch in einem Video zu den Vorwürfen und rief Menschen mit ähnlichen Neigungen dazu auf, sich professionelle Hilfe zu holen. Das Video ist derzeit nicht mehr verfügbar.

„Täterarbeit ist immer auch Opferschutz“

Johanna Zimmerl von der Kinderschutzorganisation „Die Möwe“ betonte im Ö1-Morgenjournal, dass Prävention entscheidend sei. Wer problematische sexuelle Neigungen bei sich bemerke, müsse sich frühzeitig Hilfe holen – bevor Grenzen überschritten und Kinder geschädigt werden.

Dabei ist wichtig zu unterscheiden: Eine sexuelle Anziehung zu Kindern bedeutet nicht automatisch, dass jemand eine Straftat begeht. Präventionsangebote richten sich gerade an Menschen, die nicht zu Tätern werden wollen und lernen möchten, mit ihren Gedanken und Impulsen so umzugehen, dass Kinder geschützt bleiben.

Das österreichische Projekt „Nicht Täter Werden“ bietet dafür professionelle und auf Wunsch auch anonyme Hilfe an. Nach Angaben der Männerberatung Wien geht es nicht darum, eine sexuelle Präferenz einfach „wegzutherapieren“, sondern problematische Denk- und Verhaltensmuster zu verändern und Kontrolle über das eigene Verhalten zu behalten.

Kinder dürfen nicht in den Hintergrund geraten

Für Kinderschutzorganisationen steht trotzdem eines an erster Stelle: das betroffene Kind. Die österreichischen Kinderschutzzentren beraten Kinder, Jugendliche und Bezugspersonen auch dann, wenn zunächst nur ein Verdacht besteht und noch keine Beweise vorliegen.

Österreichweit gibt es 36 Kinderschutzzentren an 52 Standorten sowie ein Digitales Kinderschutzzentrum. Jährlich werden dort mehr als 10.000 minderjährige Gewalt- und Missbrauchsopfer sowie deren Bezugspersonen betreut.

Diese Veränderungen bei Kindern können auffallen

Gerade kleine Kinder können oft noch nicht benennen, was ihnen passiert ist. Fachleute nennen deshalb beispielsweise plötzliche starke Verhaltensänderungen, Entwicklungsrückschritte oder wiederkehrende unspezifische körperliche Beschwerden wie Bauchweh als mögliche Hinweise auf eine Belastung.

Entscheidend ist aber: Keines dieser Zeichen beweist sexuellen Missbrauch. Dahinter können viele andere Ursachen stecken. Wenn ein Kind allerdings selbst von einem Übergriff erzählt oder konkrete Hinweise auftreten, empfehlen Fachstellen, rasch professionelle Beratung einzuholen und das Kind nicht mit wiederholten Befragungen zusätzlich unter Druck zu setzen.

Problematische „Privatlösung“

Der aktuelle Fall wirft noch eine weitere schwierige Frage auf. Laut Staatsanwaltschaft wird gegen zwei Frauen wegen des Verdachts der schweren Erpressung ermittelt beziehungsweise wurde Anklage erhoben. Im Raum steht der Vorwurf, dass statt einer unmittelbaren Anzeige Geld verlangt worden sein soll. Auch für die beiden Frauen gilt die Unschuldsvermutung.

Kinderschutzexpertin Zimmerl warnt grundsätzlich davor, bei einem Missbrauchsverdacht nach einer „Privatlösung“ zu suchen. Angehörige könnten mit einem solchen Verdacht emotional völlig überfordert sein. Gerade deshalb sei professionelle Hilfe wichtig.

Hilfe gibt es auch schon bei einem Verdacht

Österreichweit gibt es 36 Kinderschutzzentren an 52 Standorten sowie ein Digitales Kinderschutzzentrum. Dort erhalten Kinder, Jugendliche und ihre Bezugspersonen Beratung, Krisenintervention und therapeutische Unterstützung – auch dann, wenn zunächst nur ein Verdacht auf Gewalt oder Missbrauch besteht.

Auch die Möwe bietet kostenlose und auf Wunsch anonyme Beratung für Kinder, Jugendliche, Angehörige und Menschen an, die sich Sorgen um ein Kind machen.

Hier gibt es Hilfe

  • Bei Verdacht auf Gewalt oder sexuellen Missbrauch an einem Kind: Österreichische Kinderschutzzentren, Telefon Bundesverband 0664 887 36 462, E-Mail [email protected]. Alle Einrichtungen und Informationen: Österreichische Kinderschutzzentren
  • die möwe Kinderschutz: Telefonberatung unter 01 532 15 15, Montag bis Donnerstag von 9 bis 17 Uhr, Freitag von 9 bis 14 Uhr. Beratung kostenlos und auf Wunsch anonym. Hilfe für Betroffene bei die möwe
  • Für Kinder und Jugendliche: Rat auf Draht – 147, rund um die Uhr, kostenlos und vertraulich. Zusätzlich gibt es eine Online-Chatberatung. Rat auf Draht
  • Für Menschen, die sexuelle Neigungen zu Kindern bemerken und nicht zum Täter werden wollen: Projekt „Nicht Täter Werden“. Die Kontaktaufnahme ist anonym und unverbindlich möglich. E-Mail: [email protected], Beratungsstelle Schlickgasse 4/7, 1090 Wien. Nicht Täter Werden
  • Für Straftäter und Menschen, die einen Rückfall verhindern wollen: Institut für Forensische Therapie, Telefon 01 267 53 53, Schlickgasse 4/7, 1090 Wien. Telefonisch erreichbar Dienstag und Mittwoch von 16 bis 18 Uhr sowie Donnerstag von 9 bis 11 Uhr. Institut für Forensische Therapie
  • Bei akuter Gefahr für ein Kind: sofort Polizei 133 oder Rettung 144 verständigen.

Der wichtigste Punkt bleibt: Hilfe sollte nicht erst beginnen, nachdem etwas passiert ist. Kinder brauchen raschen Schutz und professionelle Unterstützung – gleichzeitig können Präventionsangebote für Menschen mit problematischen sexuellen Neigungen dazu beitragen, dass es überhaupt nicht erst zu einem weiteren Opfer kommt.

(fd/apa)

Bald nur noch KI-Taxis?

Gemeinsame Sache: Lucid and Bolt

Neue Kämpfe im Jemen

57.000 Kinder auf der Flucht

Rottweiler greift Frauchen an

STMK: lebensgefährlich verletzt!

Lkw kracht in Kindergartenbus

OÖ: Kinder in Lebensgefahr!

15k Euro fürs länger arbeiten

Wer findet mit 60 noch 'nen Job?

Schwangere und Bub (4) tot

E-Auto fängt im Tunnel Feuer!

1.700 Euro für Kipferl

Trinkgeld artet aus

Rudern im Krokodilfluss

Skurrile Olympiastrecke